Betrieb und Gewerkschaft

Selbständiger Streik gegen Stilllegungsbeschluss bei HSP

Selbständiger Streik gegen Stilllegungsbeschluss bei HSP
Die kämpferischen HSP-Kollegen aus Dortmund bei den Protesten in Salzgitter (rf-foto)

18.06.15 - Als Reaktion auf den Beschluss des Salzgitter-Vorstandes, HSP in Dortmund zu schließen, haben die Kollegen nach ihrer Rückfahrt von der Kundgebung am 16. Juni in Salzgitter (siehe "rf-news"-Bericht) die Arbeit nicht wieder aufgenommen und auch am Mittwoch haben Früh- und Mittagsschicht gestreikt. Ein Korrespondent berichtet:

"Beide Schichten haben mit großer Mehrheit beschlossen, ab heute zunächst die Arbeit wieder aufzunehmen. Sie wollen allerdings 'langsam arbeiten' und jede Schicht zwei Stunden eine Versammlung machen. Der befristete selbständige Streik der HSP-Belegschaft ist der erste selbständige Streik seit langem.

Die Kundgebung der insgesamt 1.500 Kolleginnen und Kollegen in Salzgitter war geprägt von einem solidarischen, kämpferischen Klassenbewusstsein, das sich in Schildern wie 'Wir sind HSP – Wer seid ihr?' ausdrückte. Mit dem Ende der Weltwirtschafts- und Finanzkrise verschärft sich der Konkurrenzkampf in der Stahlindustrie, was nicht nur die HSP-Beschäftigten zu spüren bekommen. Vor diesem Hintergrund fällt der Gedanke und Wunsch nach einem gemeinsamen Kampf auf fruchtbaren Boden. Mit ihrem zunächst begrenzten selbständigen Streik kann die HSP-Belegschaft hier ein wichtiges Signal an die anderen Belegschaften geben.

Das Vorgehen des Salzgitter-Konzerns unterstreicht, dass sich die Kolleginnen und Kollegen dabei auf harte Auseinandersetzungen einstellen müssen. Erst wurde die Belegschaft mit der Drohung, das Werk zu schließen, erpresst - wenn sie nicht der Vernichtung von 163 Arbeitsplätzen zustimmt. Dann verkündete der Konzern nach gerade mal 34 Tagen das 'Aus' für die übrigen 343 Beschäftigten. Damit platzt die Illusion der seit Jahrzehnten zum Markenzeichen des Salzgitter-Konzerns gehörenden 'partnerschaftlichen Zusammenarbeit'.

Offen gescheitert ist auch die Politik des Co-Managements der IG-Metall-Führung durch Hoffnung auf Unternehmensberater, durch Stillhalten und Alternativkonzepte den Vorstand von seinen Plänen abzuhalten. Damit es zu einem gemeinsamen Kampf der Stahlarbeiter kommt, müssen die Kollegen lernen, mit dieser kleinbürgerlich-reformistischen Orientierung fertig zu werden. Darum muss die Auseinandersetzung innerhalb der IG Metall geführt werden. Die Kollegen von HSP fordern von der IG Metall einen gemeinsamen Aktionstag in Verbindung mit Arbeitsniederlegungen in allen Stahlbetrieben. Dies stärkt den Zusammenhalt der Belegschaften und dient der Vorbereitung eines gemeinsamen Kampfes.

Dass es zu dem selbständigen Streik kam, ist auch ein Ergebnis der jahrelangen Kleinarbeit der MLPD und ihres Ansehens. In den letzten Wochen kaufen im Schnitt 5 Prozent der Belegschaft die 'Rote Fahne' vor dem Tor, bei Sondereinsätzen sind es 10 bis 15 Prozent. Die Genossinnen und Genossen der MLPD sind als Berater gefragt. Gegen diesen Einfluss richtet sich eine unterschwellige antikommunistische Stimmungsmache, die MLPD wolle die Kollegen 'nur für ihre Ziele nutzen'. Damit fertig zu werden, ist aber Voraussetzung für eine enge Zusammenarbeit und eine notwendige Stärkung der Betriebsgruppe der Partei. Ein selbständig geführter Kampf bei HSP als Signal an andere Belegschaften kann zu einer Schule des Übergangs in die Arbeiteroffensive werden.

Am 17. Juni wurde in Dortmund ein Solidaritätskreis gegründet, der sofort die Arbeit aufgenommen hat, Spenden 'Ein Stundenlohn für HSP-Kollegen' sammelt und sich verpflichtet hat, bei einem Streik die praktische Solidarität zu organisieren.

'Ich bin hin und her gerissen, ich weiß, dass wir kämpfen müssten, aber bringt das noch was?' Solche Meinungen bringen im Augenblick die Stimmung vieler Kolleginnen und Kollegen auf den Punkt. Es bilden sich aber auch immer mehr unter ihnen heraus, die offensiv die Auseinandersetzung führen und alles daran setzen, dass der Stilllegungsbeschluss vom Tisch kommt. Dabei können sie sich uneingeschränkt auf die Unterstützung der MLPD verlassen."