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Das 13. Waldfest – ein besonderes Fest der internationalen Solidarität

Das 13. Waldfest – ein besonderes Fest der internationalen Solidarität
Podiumsdiskussion "Welche Flüchtlingspolitik brauchen wir?" (foto: rf)

02.08.15 - Rund 900 Gäste zog das Waldfest in der Ferienanlage in Truckenthal im Thüringer Wald von nah und fern in seinen Bann. Bereits beim Aufbau bot sich ein lebendiges Bild. Dieses Jahr gab es viel zum Mitmachen: Der Rollverein Eisfeld bot ein Rollbretter-Training an, bei People to People konnte sich mit internationalem Kunsthandwerk und Literatur eingedeckt werden, Künstler luden zum Malen und Gestalten ein, Marinas Schlittenhunde waren dabei – sie gaben Pfötchen und konnten gestreichelt werden, …

Die Begrüßung der 70 kurdisch-syrischen Gäste aus der Flüchtlings-Erstaufnahmestelle in Suhl war ein beeindruckender Auftakt. Sie waren extra mit einem Bus angereist. So entstand von Anfang an eine Willkommenskultur der gegenseitigen Solidarität mit strahlenden Kinder- und Erwachsenenaugen. Mehr als hundert Kinder und Jugendliche des Sommercamps des Jugendverbands REBELL empfingen sie unter anderem mit einem Lied zum Befreiungskampf in Rojava. Sofort bildeten sich kleine Gruppen, die den Besuchern das Gelände und das entstehende „Haus der Solidarität“, an dem  die Teilnehmer des Sommercamps mit bauen, stolz präsentierten. Hier soll gemeinsam mit Migrantenorganisationen, Parteien und Flüchtlingen aus Syrien und Irak eine Begegnungsstätte entstehen.

Beim internationalen Fußball-Freundschafts-Turnier traten sechs Mannschaften auf Kleinfeldern gegeneinander an. Gekonnte Ballwechsel, Ehrgeiz und "Fair Play" ernteten den Beifall der Zuschauer. Parallel war das "Neptunfest" am Waldbad - eines der Höhepunkte des Kinderprogramms. Andere Besucher nutzten die Zeit, gemütlich über den Platz zu schlendern.

Die Podiumsdiskussion "Welche Flüchtlingspolitik brauchen wir?" war sich einig: Wir werden das "Haus der Solidarität" hier gemeinsam gegen alle Schikanen und Hindernisse durch die Bundes- und Landesregierung durchsetzen! Auf dem Podium berichteten drei syrisch-kurdische Flüchtlinge von ihrer langen Flucht und den katastrophalen Zuständen in der Erstaufnahmestelle. Zwei Stunden Anstehen für eine Toastscheibe zum Frühstück und fehlende Decken sind nur einzelne Beispiele. Der Rechtsanwalt Manfred Hörner aus Nürnberg berichtete von seiner Arbeit in der Flüchtlingsbewegung und vielfältigen Asyl-Prozessen. Gespannt verfolgten die Besucher die Berichte von Stefan Engel, Parteivorsitzender der MLPD, und Lisa Gärtner, Vorsitzende des Jugendverbandes REBELL, zu den internationalen Solidaritätsbrigaden der ICOR zum Wiederaufbau von Kobanê und den "Schwester-Bau-Brigaden" des Sommercamps, die eine besondere Art der internationalen Solidarität und das Voneinander-Lernen prägen. Schon am Vorabend hatte Stefan Engel auf dem Sommercamp des REBELL eine Veranstaltung zur Flüchtlingspolitik durchgeführt, an der über 150 Besucher teilnahmen.

Lisa Gärtner schlug vor, gemeinsam mit den Flüchtlingen in den nächsten Tagen eine Protestkundgebung in Suhl durchzuführen, um den Druck auf die Landesregierung zu erhöhen. Bei dieser Protestkundgebung muss die Bevölkerung auch über den Schwindel aufgeklärt werden, dass es in Thüringen angeblich keinen Bedarf für weitere Flüchtlingsunterkünfte gäbe. Der Vorschlag stieß auf breite Zustimmung und Unterstützung. Stefan Engel betonte, dass die internationale Solidarität und die Verbundenheit mit den Flüchtlingen zur Grundüberzeugung der MLPD gehören: Denn nur, wenn sich die Unterdrückten weltweit zusammenschließen, können sie zu einer überlegenen Kraft im Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung werden. Der besondere Dank der Flüchtlinge ging an die MLPD und ihren Jugendverband REBELL.

Eine hässliche 380-kV Stromtrasse ragt mit einem riesigen Mast über das Tal. "Dabei man braucht das Ding gar nicht, die hätten den Strom auch so hinbringen können. Diese Stromtrasse gibt es, weil die Baukonzerne daran verdienen und die Energiekonzerne den Strom auf billige Art mit viel Profit verkaufen wollen," sagte Jochen Schaaf von der Umweltgewerkschaft und weckte mit seiner Einleitung eine sehr lebhafte Diskussion unter den etwa 30 Teilnehmern einer Gesprächsrunde. Um sich gegen die Energiekonzerne durchzusetzen, braucht es eine starke Organisation. Viele zogen als Bilanz: Der Widerstand ist noch zu zersplittert. Das muss sich ändern!

Im bunten Kulturprogramm auf der Waldbühne wurde unter anderem Bilanz der ersten Campwoche gezogen: Der REBELL hat bereits 700 Stunden am "Haus der Solidarität" und das Rotfuchscamp 100 Stunden am Sandkasten für die Kinder aus Kobanê gearbeitet.

Bis in die Morgenstunden wurde bei Livemusik von der Gruppe "Gradso" aus Truckenthal und anschließender Disco gefeiert.