Umwelt

Glyphosat - wie staatliche Institute die Profitinteressen der Chemiemonopole durchsetzen

Glyphosat - wie staatliche Institute die Profitinteressen der Chemiemonopole durchsetzen
Traktor bei der Ausbringung von Pflanzenschutzmittel (foto: joost j. bakker / Flickr)

31.07.15 - Eine Analyse des "Pestizid-Aktions-Netzwerks e.V." (PAN Germany) zeigt, dass eine von der Industrie durchgeführte Krebsstudie mit Glyphosat an Labormäusen einen signifikanten Anstieg der Tumorhäufigkeit aufweist. Vom "Bundesinstitut für Risikobewertung" (BfR) wurde dagegen ungeprüft die Interpretation der Industrie übernommen. Glyphosat - weltweit das am meisten benutzte Unkrautvernichtungsmittel - kann alle blatttragenden Pflanzen abtöten. Es wurde vom US-Agrarkonzern Monsanto 1974 entwickelt und seitdem in aller Welt eingesetzt.

Viele Wissenschaftler und zuletzt sogar die "Internationale Agentur für Krebsforschung" (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) schlagen Alarm, weil Glyphosat als krebserregend sowie fruchtschädigend gilt und zu Fehlgeburten und Missbildungen führen kann. Nun müsste man doch meinen, dass bis zum Beweis des Gegenteils Glyphosat wenigstens nicht weiter verbreitet wird. Aber das Gegenteil ist der Fall: Die EU will jetzt Anfang 2016 nicht nur die Zulassung um weitere zehn Jahre verlängern, sondern auch noch den zulässigen Grenzwert um 70 Prozent heraufsetzen.

Man brauchte dazu eine Bestätigung einer bedeutenden staatlichen Institution, dass dieses Pestizid ganz harmlos sei. Diese Aufgabe übernahm das "Bundesinstitut für Risikobewertung", ein Institut, das dem Bundeslandwirtschaftsministerium unterstellt ist. Es kommt nach "Auswertung von Hunderten Studien" zu dem Schluss, dass Glyphosat "nicht krebserregend" sei.

Erst auf Nachfrage hat nun das Landwirtschaftsministerium eine Liste von 92 dieser "Studien" herausgegeben. Die "Süddeutsche Zeitung" hat diese Liste unter die Lupe genommen: Darunter waren unter anderem als "Beweis" zehn Leserbriefe an eine Fachzeitschrift, geschrieben von Angestellten von Monsanto, dessen Umsatz zu etwa der Hälfte direkt und indirekt von Glyphosat abhängt. Weiter schreibt die "Süddeutsche Zeitung", dass "ein großer Teil" der "Studien" von Wissenschaftlern stammt, "die direkt oder indirekt für ... Monsanto arbeiten. Also jene Firma, die seit Jahren ... kritische Wissenschaftler unter Druck setzt, die zu anderen Ergebnissen kommen." (17.7.15)

Wen wundert es, dass das Institut "Test-Biotech" darauf hinweist, dass in der Expertenkommission für Pestizide des "Bundesamts für Risikobewertung" "zahlreiche Vertreter der Herstellerfirmen" sitzen, "die die Stellungnahmen der Behörde beeinflussen".

Die Einschätzung des Landwirtschaftsministerium wird auch von anderen Bundesämtern verbreitet. Das "Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit" (BVL) hat zusammen mit dem Umweltbundesamt und dem "Bundesamt für Risikobewertung" bereits vor zwei Jahren eine umfangreiche Expertise an die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA verschickt. Darin wird die Zulassung von Glyphosat bis 2025 gefordert. Die deutschen Behörden sind als Berichterstatter für Glyphosat praktisch vorentscheidend, was dazu in der EU beschlossen wird. Und auf EU-Ebene ist klar: eine Nichtverlängerung der Zulassung von Glyphosat wäre ein massiver Stolperstein für das geplante Freihandelsabkommens TTIP!

So steht das krebserregende Glyphosat nicht nur als Beispiel für den rücksichtslosen Raubbau an Mensch und Natur im Interesse des Maximalprofits der international führenden Chemie- und Agrarkonzerne Monsanto, Bayer, BASF usw. Vielmehr ist es auch ein Beispiel für die Degradierung der Nationalstaaten und der EU zu Dienstleistern der internationalen Monopole. Das untergräbt die kapitalistische Lebenslüge, der Staat wäre ein über den Klassen schwebendes neutrales Regulierungsinstrument und nicht das Organ der Alleinherrschaft der internationalen Monopole über die gesamte Gesellschaft.

(Mehr über die Rolle der Agrar- und Lebensmittelkonzerne enthält das Buch "Katastrophenalarm!" im Abschnitt "Tendenzielle Zerstörung der Ernährungsgrundlagen der Menschheit" [S. 225-227] - es kann hier bestellt werden)