Umwelt

Japan setzt weiter auf Atomkraft - AKW Sendai geht wieder ans Netz

Japan setzt weiter auf Atomkraft - AKW Sendai geht wieder ans Netz
Zwischenlager von radioaktivem Material in Fukushima (foto: Ricardo Herrgott, CC BY-ND 2.0)

12.08.15 - Wenige Tage nach den Gedenken zum 70. Jahrestag der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki, bei denen Japans Premierminister Shinzo Abe ebenso feierlich wie heuchlerisch betonte, dass Japan sich immer gegen den Einsatz von Atomwaffen einsetzen würde, geht im Süden Japans das Atomkraftwerk (AKW) Sendai wieder ans Netz. Tausende Menschen hatten mit Demonstrationen und Gerichtsverfahren dagegen protestiert. Auch hier beteuert der Premier, dass die Sicherheit an erster Stelle stehe.

Nach dem Super-GAU von Fukushima am 11. März 2011 waren alle japanischen AKWs vom Netz genommen worden. Die japanische Bevölkerung ist seit der Katastrophe laut unterschiedlichen Umfragen zu 50 bis 70 Prozent gegen Atomkraft, erst im März demonstrierten 20.000 Menschen in Tokio gegen die Atompolitik der Regierung. Die japanische Atomaufsichtsbehörde (NRA) brüstet sich, dass sie nach dem Super-Gau von Fukushima die strengsten Sicherheitsvorschriften der Welt erlassen habe. Doch der Wissenschaftler Katsuhiko Ishibashi, der sich mit den Folgen von Erdbeben auf AKW beschäftigt, nennt die japanischen Vorschriften angesichts der großen Erdbebengefahr in Japan lax und betont: das AKW Sendai genüge nicht einmal diesen.

Die Betreiberfirma Kyushu Electric hat das AKW Sendai für die Betriebsgenehmigung nur auf drei selbst gewählten Erdbeben-Frequenzen getestet. Ishibashi betont, die NRA habe zugelassen, dass das Unternehmen sich nur auf vergangene Beben stütze. Dabei sähen die Richtlinien vor, eine Anlage müsse auch Beben standhalten, die Seismologen aufgrund der allgemeinen Plattentektonik für möglich halten, selbst wenn man sie bisher nicht beobachtet hat. Die japanische Regierung warnt selbst vor einem zu erwartenden Mega-Beben vor der Pazifikküste der Hauptinsel Honshu – auch das wurde ignoriert. Das AKW Sendai ist außerdem bereits 30 Jahre alt und von fünf aktiven Vulkanen umgeben!

Der reaktionäre japanische Premierminister Shinzo Abe hatte zum dritten Jahrestag der Atomkatastrophe von Fukushima im März 2014 das Ende aus dem Atomausstieg verkündet, den die vorherige Regierung nach dem Super-GAU beschlossen hatte. Die jetzige japanische Regierung will bis zum Jahr 2030 wieder 22 Prozent des Stroms aus AKW gewinnen. 

Die japanische Wirtschaft hat große Probleme. Ihre Industrieproduktion liegt nach dem Ende der Weltwirtschafts- und Finanzkrise immer noch 14,4 Punkte unter dem Vorkrisenstand 2008. Mit dem Setzen auf Atomenergie soll die Wirtschaft angekurbelt werden. AKW sollen auch exportiert werden - da macht es sich schlecht, wenn sie im eigenen Land nicht laufen. Und auch die militärische Nutzung spielt entgegen aller heuchlerischen Beteuerungen eine Rolle: Die japanische Regierung erlaubte schon 1972 den USA in einem Geheimvertrag, auf Stützpunkte in Japan Atomwaffen zu stationieren – das wurde erst 2010 zugegeben! Ex-Verteidigungsminister Shigeru Ishiba sagte nach dem Super-GAU in Fukushima: "Ich glaube nicht, dass Japan Atomwaffen braucht. Aber es ist wichtig, die kommerziellen Reaktoren zu behalten, weil sie uns erlauben, in kurzer Zeit Kernsprengköpfe zu bauen." (SZ, 5.8.2015) Gegen diese imperialistische Profit- und Machtpolitik hilft nur der weltweite aktive Widerstand für das Verbot aller Atomwaffen und die Stilllegung aller Atomkraftanlagen sowie ein internationales Verbot der sogenannten "friedlichen" Nutzung der Atomenergie!