Umwelt

Es gibt kein sicheres Atommüll-Endlager

Es gibt kein sicheres Atommüll-Endlager
Demonstration gegen Castor-Transporte in Gorleben 2010

22.08.15 - Aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage in La Hague werden die letzten 26 Castor Behälter hoch radioaktiven und wiederaufbereiteten Atommülls nach Deutschland zurückrollen. Für die Lagerung sind neben den Standorten Philippsburg, Brokdorf und Biblis (Hessen) auch das Zwischenlager im Bayrischen AKW ISAR vorgesehen. Traf diese Nachricht Bayerns Ministerpräsident Seehofer wirklich unerwartet? Auf jeden Fall verkündete er prompt seine Empörung über diese Entscheidung.

Hintergrund ist der Eiertanz der Bundesregierung um die letztlich unmögliche "sichere" Endlagerung des Atommülls aus deutschen Kernkraftwerken. Bis 2022 sollen die letzten verbliebenen acht Kernkraftwerke in Deutschland abgeschaltet werden. Was bleibt, ist die gigantische Menge von 2.000 Castorbehältern hochradioaktivem und 600.000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktiv strahlendem Müll, davon allein aus der "Asse" 200.000 Kubikmeter.

Am 12. August haben die Mitglieder des Bundeskabinetts über das "Programm für eine verantwortungsvolle und sichere Entsorgung bestrahlter Brennelemente und radioaktiver Abfälle" beraten und das sogenannte "Nationale Entsorgungsprogramm" (Napro) beschlossen. Der Eindruck der Seriosität täuscht, denn die Suche nach einem Endlager für die radioaktiven Abfälle tritt auf der Stelle. Sogar eine Arbeitsgruppe der eigens von der Bundesregierung eingerichteten "Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe" kommt zu der Prognose, dass erst zwischen 2075 bis 2130 die Einlagerung der hochradioaktiven Abfälle beendet sein könnte. So lange füllt er weiter die Zwischenlager und Castor-Behälter, die noch unsicherer und überhaupt nur für 40 Jahre genehmigt sind. Die daraus entstehenden Mehrkosten in Milliardenhöhe wird die Bevölkerung  zahlen müssen.

Auch wenn die EU-Kommission jetzt aufdecken muss, dass sich die Endlagersuche auf den Sankt Nimmerleinstag verschieben wird, gesteht sie ihren Bankrott nicht offen ein. Sie verbreitet weiter die Illusion: "…die Bevölkerung offen [zu] informieren und nichts [zu] verheimlichen", um sie in Sicherheit zu wiegen.

Jetzt wurde bekannt, dass Abfall aus dem Rückbau des Kernkraftwerks Obrigheim auf verschiedene Deponien in Baden-Württemberg verteilt wurde, seit 2009 z.B. auf die Deponie in Sinsheim. Mit der Methode des „Freimessens“ wird stichprobenartig die radioaktive Belastung des Mülls gemessen. Ist der Wert unterhalb eines letztlich willkürlich festgelegten Grenzwerts, gilt er fortan als unbedenklich und darf auf jeder Hausmülldeponie entsorgt oder auch im Straßenbau verwendet werden.

391 AKW laufen noch weltweit, weitere sind geplant. "Neben den Profitinteressen der Atomkonzerne sind es die machtpolitischen und militärischen Interessen, die den Bau und Weiterbetrieb der Atomkraftwerke beflügeln. Das erklärt auch die Skrupellosigkeit, mit der die Risiken in Kauf genommen und tatsächliche Gefahren verheimlicht werden." [Stefan Engel, Katastrophenalarm! Was tun gegen die Mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur? S.188] Gegen diese verantwortungslosen Machenschaften der Atomindustrie müssen wir selbst Verantwortung übernehmen. Macht mit bei der Umweltgewerkschaft und werdet Teil einer weltweiten Widerstandsfront gegen die Umweltzerstörung.