Umwelt

Katastrophen-Gefahr nicht nur in Tianjin (China)

Katastrophen-Gefahr nicht nur in Tianjin (China)
Industriegebiet Tianjin (foto: design for health)

19.08.15 - In der chinesischen Hafenstadt Tianjin kam es letzte Woche Mittwoch zu mehreren verheerenden Explosionen, die einen riesigen Krater in das Hafengelände rissen und kilometerweit Schäden – auch in umliegenden Wohngebieten – anrichteten. Laut offiziellen Angaben starben mindestens 114 Menschen, 70 Menschen werden – Stand heute - noch vermisst, die meisten von ihnen junge Feuerwehrleute. In Krankenhäusern werden 698 Verletzte behandelt, darunter 57 Schwerverletzte. Viele Einsatzkräfte waren keine ausgebildeten Feuerwehrleute. So waren die ersten Kräfte vor Ort Vertragsarbeiter, die für derartige Einsätze nicht ausgebildet waren Es waren ihre Löschversuche mit Wasser, die erst die schweren Explosionen auslösten.

In dem Lager hatte die Pächterfirma 30-mal mehr Natriumzyanid als erlaubt gelagert. Hinzu kamen weitere brandfördernde Chemikalien wie Kaliumnitrat und Ammoniumnitrat, die auch zur Herstellung von Schießpulver genutzt werden. Solche Gefahrgutlager müssen in China einen Mindestabstand von einen Kilometer zu Wohnhäusern, öffentlichen Gebäuden und Straßen einhalten. Das wurde deutlich unterschritten. Diese menschenverachtende Rücksichtlosigkeit ist ein Beleg für die Restauration des Kapitalismus in China nach dem Tod Mao Zedongs.

Regionale Katastrophen wie in Tianjin sind aber nicht nur in China eine Gefahr. Auch der Hamburger Hafen ist von Wohngebieten umschlossen und solche Unfälle würden auch hier katastrophale Folgen haben. 2013 ist Hamburg nur knapp solch einer Katastrophe entkommen. In Sichtweite der "HafenCity" brannte am 1. Mai 2013, während des Kirchentages, der Frachter "Atlantic Cartier". Erst später wurde bekannt, dass sich an Bord des Schiffes unter anderem 20 Tonnen radioaktives Material, darunter neun Tonnen hochgiftiges Uran-Hexafluorid und 4.000 Kilo Munition befanden. Die Einsatzkräfte der Feuerwehr konnten das Feuer erst nach 15,5 Stunden löschen. Vom Hamburger Senat wurde die Brisanz vertuscht, wohl auch um der Frage zu entgehen, was solche Schiffsladungen überhaupt im Hafen zu suchen haben.

Aber nicht nur im Hamburger Hafen lagern Gefahrgüter, sondern auch mitten in Wohngebieten. Am 4. August kam nach einem Großfeuer mit Explosion in einem Bunker in Hamburg heraus, dass hier ätherische Öle gelagert waren. 45 Menschen wurden verletzt und 20 mussten im Krankenhaus behandelt werden. Rund 400 Anwohner können bis heute nicht in ihre Wohnungen zurück. In einer weiteren Bunkeranlage aus dem Zweiten Weltkrieg, in dem 5,5 Tonnen Pyrotechnik lagern, kam es in der Nacht zum 7. August ebenfalls zu einer heftigen Explosion. Der Brand konnte von der Feuerwehr noch am Abend gelöscht werden. Bis zuletzt bestand die Gefahr, dass der Funke auf die Pyrotechnik überspringt.

Der lebensgefährlichen Lagerung gefährlicher Stoffe in der Nähe von Wohngebieten muss sofort ein Ende gesetzt werden. In Tianjin, in Hamburg und überall!

Vorfälle wie in Tianjin dokumentieren die zerstörerische Jagd des internationalen Finanzkapitals nach Maximalprofiten, ohne Rücksicht auf Mensch und Natur.

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