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Dritte Milchkrise in sechs Jahren: Milchbauern kämpfen ums Überleben

Dritte Milchkrise in sechs Jahren: Milchbauern kämpfen ums Überleben
Protestfeuer in Ostfriesland (foto: BDM)

26.08.15 - Auf vier Staffelrouten demonstrieren seit dem 24. August hunderte Milchbauern aus ganz Deutschland gegen die Situation auf dem ruinösen Milchmarkt und für die Erhaltung ihrer Existenzgrundlagen. Allein aus Schleswig-Holstein sind es rund 50 Bauern und Bäuerinnen mit 25 Schleppern und aus Schwerin die doppelte Anzahl. Sie zeigen Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) und Bundeskanzlerin Angela Merkel die "rote Karte". Ziel der Proteste ist der Odeonsplatz in München, wo am 1. September die Abschlusskundgebung stattfinden wird. Laut Romuald Schaber vom Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) stoßen die Proteste auf breite Zustimmung unter der Bevölkerung.

Der sogenannte "rote" Milchpreis, z.B. bei Edeka bei der Milcheigenmarke von 58 Cent pro Liter, macht für jeden sichtbar, in welcher Krise viele Milchbauern stecken. Nach der europaweiten Freigabe der Milchquoten im April 2015 hat sich die Produktionsmenge weiter erhöht, die Überproduktion nahm zu. Folge: Die Erzeuger erhalten derzeit nur noch zwischen 24 und 28 Cent pro Liter Milch – und das bei realen Produktionskosten von 41 bis 45 Cent.

"Hochgerechnet auf die deutsche Milchmenge ergibt das für die deutschen Milchviehhalter einen jährlichen Verlust von über vier Milliarden Euro, auf EU-Ebene sogar von annähernd 20 Milliarden Euro. Geld, das die Milchviehhalter nicht in ihre Betriebe investieren und damit im ländlichen Raum ausgeben können", so der BDM in seinem Protestbrief an die Regierung.

Tatsächlich landen über 60 Prozent der Milch nicht im Einzelhandel. Fast 50 Prozent werden exportiert oder gehen weiter in die industrielle Weiterverarbeitung. Dort wird auch dann noch verdient, wenn überschüssige Milch als Pulver für 21 Cent in sogenannten Interventionslagern eingelagert wird. Romuald Schaber lenkt den Blick auf die Verursacher: "Profiteure der Krise sind ausschließlich die Konzerne der Ernährungsindustrie."

Auch in anderen Ländern der EU werden die Proteste der Klein- und Mittelbauern gegen ihre fortschreitende Ruinierung heftiger und sie lernen dabei von den Kampfmethoden der Arbeiter. So sperrten im Juli französische Klein- und Mittelbauern die Grenze gegen billige Milcheinfuhren aus Deutschland. Im August protestieren tausende spanische Milchbauern für Mindestmilchpreise, in Nordirland wurden Lidl-Märkte blockiert, eine Autobahn in Belgien besetzt usw. Die Milchbauern brauchen in ihrem Protest Unterstützung.

Die MLPD unterstützt die berechtigten Proteste der Klein- und Mittelbauern gegen die Hauptversursacher der Milchkrise, die Ernährungsindustrie und das internationale Finanzkapital, das inzwischen auch mit den Großagrariern verschmolzen ist. Wenn in den bürgerlichen Medien teilweise von "den Bauern" die Rede ist, lenkt das davon ab, dass es auch in der Bauernschaft grundlegende soziale Gegensätze zwischen den Klein- und Mittelbauern auf der einen Seite und den Großbauern, Großagrariern und Agrarmonopolen auf der anderen Seite gibt.

Grundsätzlich braucht es eine Wirtschaft, welche sich planmäßig an den sich stets verändernden materiellen und kulturellen Bedürfnissen der Menschen orientiert und zwar in Einheit von Mensch und Natur. Das erfordert eine Gesellschaft, die frei ist vom Diktat des Maximalprofits und von Ausbeutung und Unterdrückung – den echten Sozialismus.

Aktueller Routenverlauf und Infos auf: www.bdm-verband.org