Politik

Berlin: Überwältigende Solidarität contra Flüchtlingskrise

Berlin (Korrespondenz), 26.08.15: In Berlin-Moabit befindet sich das Berliner "Landesamt für Gesundheit und Soziales" (LaGeSo). Das ist die erste Anlauf- und Meldestelle für alle ankommenden Geflüchteten. Dort sollen sie eigentlich eine vorläufige Unterkunft zugewiesen bekommen. Über 1.500 Menschen täglich treffen dort ein und müssen teilweise tagelang warten. Das fordert die Empörung und zugleich die Solidarität vieler Menschen heraus und die Initiative "Moabit hilft" organisiert die praktische Unterstützung.

Auf dem weitläufigen, parkähnlichen Gelände vor dem Amt sitzen, liegen, schlafen Frauen und Kinder. Hunderte - meist Männer - stehen Schlange. Und mittendrin die Helfer. Täglich 100 bis 150 Menschen aller Generationen, vor allem junge Leute, die dort unentgeltlich arbeiten. Der harte Kern der Organisatoren, die seit Tagen von früh bis spät eine Flut von Spenden bewältigen und die Verteilung organisieren. Ärzte, die an ihren freien Tagen hier arbeiten.

Wir bringen Spenden und helfen ein paar Stunden bei der Essensausgabe. Gemüseeintopf, Brot und Obst, Wasser. Gekocht wird von einem Caterer, der normalerweise Filmcrews versorgt und nun Wagen, Generator und Leute zur Verfügung stellt.

Wir sind beeindruckt, wie gut alles klappt. Da kommen Laien zusammen und stellen ein Hilfssystem auf die Beine, das die bürgerliche Politik und Verwaltung alt aussehen lässt. Auch wenn eine Polarisierung stattfindet und reaktionäre Strömungen nicht zu unterschätzen sind: Man kann von einer jungen Massenbewegung der Solidarität sprechen. Ein Beispiel mehr dafür, was in den Menschen steckt. Manche Einwände gegen den Sozialismus wie "Der Mensch ist viel zu egoistisch" werden hier praktisch widerlegt.