Umwelt

Steigt der Meeresspiegel noch dramatischer?

Steigt der Meeresspiegel noch dramatischer?
foto: 72011682 Jürgen Fälchle fotolia.com

30.08.15 - Neue Forschungsdaten der NASA kommen zu dem Ergebnis, dass ein Anstieg des Meeresspiegels um mindestens einen Meter in den kommenden 100 bis 200 Jahren unvermeidlich ist. "Mehr als 150 Millionen Menschen, die meisten von ihnen in Asien, leben innerhalb eines Meters über dem gegenwärtigen Meeresspiegel", sagte der Leiter der Abteilung für Erderforschung der NASA, Michael Freilich. "Ein weiter ansteigender Meeresspiegel würde viele heutige Küstenregionen einschließlich 22 der 50 größten Küstenstädte der Welt – wie New York, London, Rotterdam, Mumbai, Tokio, Shanghai oder Hamburg – unter Wasser setzen und unbewohnbar machen", heißt es im Buch "Katastrophenalarm!" von Stefan Engel auf Seite 122.

Laut dem NASA-Bericht sind die Ozeane seit 1992 im Schnitt bereits um 7,6 Zentimeter gestiegen, in manchen Regionen sogar mehr als 23 Zentimeter. "Wir haben erfahren, dass die Eisflächen schneller schmelzen als zuvor erwartet", korrigiert NASA-Forscher Josh Wills die eigenen Prognosen. Auch der Weltklimarat (IPCC) war 2013 noch von 30 bis 90 Zentimetern bis zum Ende des Jahrhunderts ausgegangen. Der beschleunigte Anstieg wird insbesondere durch das Abschmelzen der Gletscher, die Erwärmung der Ozeane und die damit verbundene Ausdehnung des Meerwassers als auch durch das Schmelzen des Grönland- und Antarktiseises verursacht.

Geschwindigkeit und Höhe des Wasseranstiegs hängen vor allem von der weiteren Entwicklung des Südpolareises ab. Über die beginnende Instabilität der Antarktis-Gletscher berichtete "rf-news" bereits am 18.5.2014 ("Eisschmelze in der Antarktis - dramatische Rückkopplungseffekte haben eingesetzt"). Wenn die Eisschichten noch schneller in sich zusammenfielen, könne es sogar zu einem Anstieg des Meeresspiegels um drei Meter in den nächsten 100 bis 200 Jahren kommen, prognostizieren auch die NASA-Forscher.

Andere Schätzungen sind noch dramatischer. Ein kürzlich veröffentlichtes Diskussionspapier von 17 Wissenschaftlern aus den USA, Frankreich, China und Deutschland geht von einer Erhöhung des Meeresspiegels sogar um fünf bis neun Meter aus, wenn nicht sofort mit einer Reduzierung des CO2-Ausstoßes gegengesteuert wird. Dazu greift die Stellungnahme unter anderem auf Forschungsergebnisse zur Meereshöhe in der letzten Warmzeit vor 115.000 Jahren zurück, als die Durchschnittstemperatur schon einmal um 2 Grad Celsius wärmer als vor der Industrialisierung war.

Angesichts der bevorstehenden Weltklimakonferenz im Dezember in Paris findet Toni de Brum, Außenminister der Marshall-Inseln und Vertreter der Interessengruppe der kleinen Inselstaaten (AOSIS), im "Spiegel"-Interview vom 22. Juli deutliche Worte: "Wir werden keinem Klimavertrag zustimmen, der beschließt, dass wir untergehen. Die bisherigen Ankündigungen der Staatengemeinschaft reichen bei Weitem nicht, um den Klimawandel zu bremsen." Das ist eine wichtige Kritik, wobei der Begriff "Klimawandel" den real stattfindenden beschleunigten Übergang zu einer globalen Klimakatastrophe noch verharmlost.

Während die Situation immer dramatischer wird, verlegen sich die imperialistischen Regierungen im Vorfeld der Weltklimakonferenz auf verschiedenste Manöver des imperialistischen Ökologismus, um einen weltweiten aktiven Widerstand zur Rettung der Umwelt vor der Klimakatastrophe zu verhindern. Für den Aufbau der dafür notwendigen Widerstandsfront sind sowohl die Demonstration gegen die Freihandelsabkommen TTIP und CETA am 10. Oktober in Berlin als auch der Umweltkampftag der ICOR am 5. Dezember und die Großdemonstration am 12. Dezember in Paris wichtige Höhepunkte.