Umwelt

Die Lüge vom "ungefährlichen" PCB-verseuchten Gruben- und Grundwasser

Die Lüge vom "ungefährlichen" PCB-verseuchten Gruben- und Grundwasser
Walzenschrämlader im Einsatz (foto: http://www.eickhoff-bochum.de/de/)

24.08.15 - Worauf die Umwelt- und Bergarbeiterbewegung im Ruhrgebiet schon seit Jahrzehnten immer wieder hinweisen, wird jetzt vom nordrhein-westfälischen Landesamt für Natur-, Umwelt und Verbraucherschutz bestätigt. Nach einem "Spiegel"-Bericht haben Messungen des Landesamts bereits im März und Mai belegt, dass das in die Flüsse Emscher und Ems abgepumpte Grubenwasser der RAG-Zechen eine enorme Konzentration des besonders hochgiftigen und krebserregenden PCB enthält. Die PCB-Konzentration lagen laut dem Zwischenbericht des Landesamt, der bereits am 31. Juli dem Ministerium von NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) vorlag, teilweise dreifach höher als offiziell für Oberflächengewässer erlaubt.

Bisher haben die RAG wie die zuständige Bergbauaufsicht vehement bestritten, dass jemals über das Grubenwasser das Umweltgift PCB an die Oberfläche gelangt. Und da es für Grubenwasser angeblich keine PCB-Grenzwerte gäbe, wurden weiterhin die Kumpels den schweren gesundheitlichen bis tödlichen Gefahren einer PCB-Vergiftung unter Tage ausgesetzt. Tatsächlich ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass es bei PCB keine unbedenkliche Untergrenze gibt. Es ist auch unterhalb der Grenzwerte extrem gesundheitsschädlich.

Rund 12.500 Tonnen des hochgiftigem PCB-haltigen Öl wurden unter Tage eingesetzt, bis 2001 ihr Einsatz bundesweit verboten wurde. Dem Verbot vorausgegangen war unter anderem im Jahre 1984 der monatelange hartnäckige Kampf der Kumpel auf der Zeche Niederberg in Neukirchen-Vluyn gegen den verantwortungslosen Einsatz von PCB, der von der MLPD-Betriebsgruppe unterstützt wurde. Allerdings ließ die RAG bis heute weniger als 10 Prozent der PCB-haltigen Öle unter Tage ordnungsgemäß entsorgen. Der größte Teil wurde einfach und billig von der RAG unter Tage belassen. Dazu kommt der Skandal der Entsorgung riesiger Mengen von Giftmüll unter Tage.

Plan der RAG ist nun, den Wasserspiegel in stillgelegten Zechen steigen zu lassen, was teilweise bereits erfolgte. Dann will man auch das Grubenwasser zentral und kostengünstiger abpumpen sowie direkt in den Rhein entsorgen. Mit dem Anstieg des Wasserspiegels werden aber unweigerlich auch große Mengen des unter Tage verbliebenen PCB-haltigen Öls abgepumpt. Bereits im Zusammenhang mit dem Giftmüllskandal unter Tage wurde von dem Bergmann und Umweltaktivisten Christian Link sowie der Bergarbeiterbewegung "Kumpel für AUF" aufgedeckt, dass damit Gefahren für das Grundwasser bewusst in Kauf genommen werden.

Jahrzehntelang wurden diese Machenschaften der RAG von der Landesregierung vertuscht und verharmlost. So widerspricht das Umweltministerium auch jetzt dem "Spiegel"-Bericht: "Nach bisherigen Stand wurden keine Überschreitungen der Normwerte im Gewässer festgestellt." Dabei verschweigt das Ministerium, dass sich mit der bisherigen Methode der Strichprobenmessen gar keine PCB-Belastung nachweisen lässt. So bestätigte die Landesregierung noch am 10. Juli die Genehmigung der RAG-Pläne, künftig von der stillgelegten Zeche Walsum aus zentral das Grubenwasser direkt in den Rhein zu "entsorgen". Dies sei bereit 2008 genehmigt worden, so die Landesregierung, und man könne eventuell erst nach Ende 2016 neu entscheiden, wenn ein entsprechendes Gutachten vorliegt (Landtags-Drucksache 16/9260).

Landesregierung und RAG versuchen, damit auf Zeit zu spielen angesichts der zunehmenden Diskussion unter den Bergleuten, einen neuen Kampf gegen die Zechenstilllegungen vorzubereiten. Die jüngsten Enthüllungen sind ein weiterer Grund dafür, diesen Kampf aufzunehmen. Denn dabei geht es sowohl um den Erhalt aller Arbeitsplätze als auch um die Verhinderung einer drohenden Umweltkatastrophe und die Durchsetzung wirksamer Sofortmaßnahmen gegen die Verseuchung des Grundwassers.

Es ist zu begrüßen, dass sich jetzt auch Umweltverbände wie der BUND dafür einsetzen. Gleichzeitig fällt auf, dass in den bürgerlichen Medien kaum über die kämpferische Bergarbeiterbewegung und "Kumpel für AUF" berichtet wird. Sie haben über Jahre hinweg mit ihrer systematischen Aufklärungsarbeit wesentlich zu der jetzt stattfindenden Massendiskussion beigetragen.