Politik

Franz Josef Strauß - nur wenige weinen ihm eine Träne nach

Franz Josef Strauß - nur wenige weinen ihm eine Träne nach
Franz-Josef Strauß als Verteidigungsminister 1959 im Gespräch mit dem damaligen Wehrbeauftragten Helmut von Grolman (foto: Bundesarchiv)

06.09.15 - "Jene, die ihn gekannt haben, schwärmen von ihm! Seine politischen Gegner schätzen ihn!" So wirbt die CSU-Führung für ein T-Shirt mit dem Konterfei von Franz Josef Strauß, das anlässlich seines heutigen 100. Geburtstags verkauft wird. Mit solcherlei Heldenverehrung für ihren langjährigen Chef stehen die CSU-Oberen allerdings weitgehend allein. Nur wenige politische Verbündete und "Spezls" weinen ihm heute noch - 27 Jahre nach seinem Ableben - eine Träne nach. Strauß war und ist zweifellos einer der unbeliebtesten, reaktionärsten und korruptesten Monopolpolitiker Deutschlands.

Der aggressive Antikommunist (der die "roten Ratten dorthin jagen" wollte, "wo sie hingehören - in ihre Löcher") machte schon früh in faschistischen Unterorganisationen der NSDAP Karriere und nahm ab Juni 1941 als Wehrmachtsoffizier am Krieg gegen die sozialistische Sowjetunion teil. 1944 wurde er Chef der Stabsbatterie und "Offizier für wehrgeistige Führung". Bei Kriegsende geriet Strauß zunächst in Kriegsgefangenschaft, wurde aber schon 1945 als "politisch unbelastet" eingestuft.

In der jungen Bundesrepublik konnte er mit diesem Persilschein schnell seine politische Karriere fortsetzen. 1946 war er Mitbegründer des Kreisverbandes der CSU (Christlich-Soziale Union) Schongau. Bis 1961 stieg er zu ihrem Vorsitzenden auf, der er bis zu seinem Tode blieb. Dafür sorgten schon seine engen Verbindungen zu führenden Monopolen insbesondere der Rüstungsindustrie. So gehörte Strauß zu den Hauptinitiatoren der Gründung des Airbus-Konzerns, der von Anfang an einen großen Teil seiner Profite mit Rüstungsaufträgen machte. Knallhart hat Strauß die Interessen der Konzerne (vor allem der Rüstungs-, Automobil-, Luftfahrt- und Atomindustrie) durchgesetzt.

Strauß verstand es gut, die politischen, wirtschaftlichen und privaten Interessen zu verknüpfen. Er verkehrte mit allen möglichen Führern reaktionärer Regimes und kommentierte die Errichtung einer Militärdiktatur in Chile 1973 mit den Worten: "Angesichts des Chaos, das in Chile geherrscht hat, erhält das Wort Ordnung für die Chilenen plötzlich wieder einen süßen Klang." Der "süße Klang" bedeutete für Zehntausende in Chile Folter und Tod.

Als Minister für Atomfragen beschwerte er sich über die "Tragödie der Menschheitsgeschichte", dass die Masse der Bürger "im Atom" nur dessen zerstörerische Kraft sehen würde, statt sein angebliches Potenzial, "zu heilen und zu helfen". Strauß’ Amtsführung war von zahlreichen Skandalen und Korruptionsaffären begleitet, unter anderem der "Starfighter"-Affäre und der damit verbundene Abhöraffäre, der "Maxwell"-Affäre und der "Spiegel"-Affäre. Mehrfach schlüpfte er dabei durch die Fänge der Justiz.

Als Verteidigungsminister wagte er sich mit seinem repressiven Vorgehen allerdings so weit vor, dass es ihn sein Amt kostete. Nachdem der "Spiegel" 1962 eine bundeswehrkritische Reportage als Titelstory veröffentlichte, ließ Strauß Herausgeber Rudolf Augstein und einen Redakteur wegen des Verdachts auf "Landesverrats" verhaften. Die Affäre kochte wochen- und monatelang hoch und die wachsenden Proteste zwangen ihn schließlich zum Rücktritt als Minister.

Kein Problem hatte Strauß damit, der DDR-Führung in den 1980er Jahren Milliarden-Kredite zu verschaffen und enge persönliche Kontakte zu knüpfen. Während er die sozialistische Fassade des DDR-Regimes immer wieder als Steilvorlage für antikommunistische Tiraden nutzte, wusste er nur zu gut, dass dort wie im gesamten Ostblock schon längst der Sozialismus verraten und ein bürokratischer Kapitalistismus eingeführt worden war.

Am 3. Oktober 1988 verstarb Franz Josef Strauß - allerdings nicht an einer Herzattacke während der Jagd, wie häufig zu hören ist, sondern weil er auf dem Weg dorthin auf der Gangway seines Hubschraubers stürzte, an seinem Erbrochenen fast erstickte und nach einer Notoperation zahlreiche Organe versagten. Die Beisetzung erfolgte durch niemand Geringeren als den späteren Papst Benedikt XVI., Joseph Kardinal Ratzinger.

Mittlerweile hat sich die CSU von den aggressiv antikommunistischen Tönen ihres Idols zumindest in dieser Form verabschiedet. Ihre Galionsfiguren wissen nur zu gut, dass sie auf den heutigen Linkstrend und die wachsende Anti-Antikommunismus-Bewegung Rücksicht nehmen müssen.