Politik

"Jetzt reichts!" 3.000 Bauern mit 500 Traktoren protestieren in München gegen den Milchpreisverfall

"Jetzt reichts!" 3.000 Bauern mit 500 Traktoren protestieren in München gegen den Milchpreisverfall
Die junge Generation ist bei den Bauernprotesten voll mit dabei (rf-foto)

München (Korrespondenz), 02.09.15: Bauern von der dänischen Grenze bis zum Südschwarzwald waren auf Traktoren angereist, um auf Initiative des Bundes deutscher Milchviehhalter (BDM) in München gegen den derzeit bei ca. 27 Cent liegenden Milchpreis zu protestieren ("rf-news" berichtete mehrfach).

Bewegend sei die lange Fahrt bis nach München gewesen, überall traf man auf Solidarität, es überall "Gänsehautfeeling", so berichtete ein Bauer. Auf der bis zu neuntägigen Reise gingen überall die Daumen hoch, man übernachtete bei befreundeten Bauern, lernte sich kennen.

Die kleinen und mittleren Milchbauern eint eines: So geht es nicht mehr weiter! Die Bauern mitsamt ihren Hunderten von schweren Schleppern machen sich auf den Weg nach Brüssel: "Wir müssen denen zeigen, dass wir kämpfen können."

Die kämpferische Rede von Romuald Schaber vom BDM wurde immer wieder unterbrochen von lautstarken Beifallsbekundungen mit Kuhglocken und allem, was Lärm macht. Romuald Schaber kündigte einen entschlossenen Kampf an und sagte, die Bauern wollten eine Landwirtschaft für die Menschen und nicht eine, "die nur auf Profit und Gier und Ausbeutung von Mensch und Tier ausgerichtet ist."

Von den bisher drei Milliarden Euro Verlusten, die die Milchbauern in den letzten Jahren zu verkraften gehabt hätten, schieben sich das meiste die Konzerne in die eigene Tasche, es kommt beim Verbraucher nicht an, so Romuald Schaber. Gefordert wird die Wiedereinführung einer Milchquote und einer nachhaltigen Milchproduktion, gegen die zunehmende Exportabhängigkeit der Milchbauern.

Die anschließende Demonstration ging vor die bayerische Staatskanzlei, dort wurde symbolisch eine ganze Menge Milch ausgekippt sowie einige Milchkühe ausgeladen, allein zur Veranschaulichung des Problems, wie ein Bauer sagte. Anwesend waren auch solidarische Bauern aus Frankreich.

Die MLPD erklärte ihre Solidarität mit dem berechtigten Protest der Klein- und Mittelbauern. In etlichen Diskussionen beim Verkauf des Buches "Katastrophenalarm!" und beim Verteilen des Flugblatts zum Antikriegstag wurde deutlich, dass bei vielen die Großkonzerne als Verursacher im Visier sind. Viele Bauern und Bäuerinnen sehen sich als Naturschützer. Auch klar ist vielen, dass der Kampf weitergehen muss.

Immer wieder kommt jedoch auch das Argument, man könne gegen "die da oben" letztlich doch nichts machen. Das zu knacken braucht eine tiefergehende Diskussion – sie zu führen lohnt sich. Die Milchbauern sind kampfbereit – sie brauchen die Unterstützung der Arbeiter- und der Volksbewegung für den gemeinsamen Erfolg.