Politik

Wer profitiert von der Milchkrise?

Wer profitiert von der Milchkrise?
Die MLPD unterstützt die berechtigten Forderungen der kleinen und mittleren Milchbauern und tritt für die Einheit mit der Arbeiterklasse ein

31.08.15 - Die Staffelfahrt der Milchbauern bewegt sich weiter in Richtung München ("rf-news" berichtete). In Koblenz kamen etwa 70 Traktoren aus Westerwald, Eifel und Hunsrück zu einer Protestkundgebung ans Deutsche Eck. Am morgigen 1. September kommen alle Routen in München auf dem Odeonsplatz zu einer Protestkundgebung um 11 Uhr vormittags zusammen. Hintergrund für die dritte Milchkrise in sechs Jahren, wie es ein Transparent ausdrückt, ist die bewusste Erhöhung der Milchquote in den letzten Jahren vor ihrer Abschaffung - jedes Jahr um ein Prozent. Und dann natürlich in diesem Jahr ihre Abschaffung.

Der BDM (Bundesverband der Milchviehhalter) analysiert, dass inzwischen sechs Millionen Tonnen Milch in der EU mehr produziert werden, bei stagnierendem Binnenmarkt der EU und bei einer Erhöhung der Weltmarktnachfrage von lediglich 1,9 Millionen Tonnen. Das dient den Interessen des internationalen Finanzkapitals, zu dem auch das Agrarkapital längst gehört. Konkret erhoffen sich der Lebensmittelhandel (Aldi und Co.) und die Ernährungsindustrie, damit Weltmarktanteile zu erobern. Außerdem gehen seit langem drei Viertel der Wertschöpfung in die Taschen der Konzerne, die Milchbauern müssen im wahrsten Sinne das nehmen, was übrig bleibt.

Aber nicht nur das: Die Ruinierung von kleinen und mittleren Betrieben ermöglicht es, kapitalintensive industrielle Betriebe aufzubauen, woran die entsprechenden Firmen und Banken verdienen. Von 2007 bis 2014 wurden in Deutschland so rund 25 Prozent der Milchbauern zum Aufgeben gezwungen. Weltweit geht das Kapital noch rigoroser vor. In Indien z.B. werden Freihandelszonen auf dem Land eingerichtet, die dort lebenden Kleinbauern vertrieben, damit Molkerei-Konzerne wie der neuseeländische Konzern Fonterra Ställe mit 3.000 Kühen bauen können! Damit werden auch die Kühe in die Massentierhaltung gezwungen.

Dagegen kämpfen die Klein- und Mittelbauern weltweit und die Milchbauern hier bei uns. In Deutschland betreiben diese bislang hauptsächlich kleine und mittelgroße Betriebe. Die Bevölkerung und vor allem die Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben sind in ihrer großen Mehrheit solidarisch. Wer kämpft, bekommt Solidarität!

Der Druck auf der Straße muss erhöht werden. Denn die bürgerlichen Politiker werden es nicht freiwillig richten. Sie hängen entweder direkt am Tropf der Konzerne oder sie teilen die Ideologie und die Denkweise, die dahinterstehen. Es gibt inzwischen immer mehr Beschäftigte auch anderer Wirtschaftsbereiche und Branchen, die sagen: So kann es nicht weitergehen! Die Erzieherinnen z.B., die seit Jahren für einen Minilohn immer mehr Kinder betreuen sollen, oder die Bergarbeiter, deren Arbeitsplätze mit der Stilllegung des Steinkohlebergbaus ganz platt gemacht werden sollen. Deshalb können wir den Milchbauern sagen: Ihr habt viel mehr Mitstreiterinnen und Mitstreiter, als ihr vielleicht glaubt!