Umwelt

Fischsterben an der Peene

Fischsterben an der Peene
foto: CC BY-SA 3.0

Waren (Korrespondenz), 04.09.15: Seit Montag sind aus einem Lagertank der Anklamer Zuckerfabrik (Suker Unie) offenbar bis zu einer Million Liter giftiger hochentflammbarer Bio-Ethanol-Brennstoff, der dort produziert wird, in die Peene geleitet worden. Trotz Explosionsgefahr für die Stadt wurde erst am Dienstag das Gelände um die Fabrik und den Abwasserkanal abgesperrt. Die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg hat Ermittlungen gegen das Unternehmen aufgenommen.

Naturschützer sind in höchster Alarmbereitschaft. Viele der tausenden toten Fische sind gar nicht an Sauerstoffmangel erstickt, wie es anfänglich hieß, sondern an einer Alkoholvergiftung gestorben. Ein Mitarbeiter eines Greifswalder Labors sagte: "Schon bei acht Gramm Ethanol pro Liter werden Fische direkt vergiftet. Hier haben wir zum Teil 200 Gramm pro Liter Peenewasser gemessen!" Das Bio-Ethanol hat sich inzwischen über mehrere Kilometer des Flusslaufes ausgebreitet und wird nun von Strömung und Wind in Richtung Ostsee transportiert.

Nach Informationen des "Nordkurier" vom 3. September sind bisher keinerlei Maßnahmen geplant, die Konzentration der Giftstoffe abzusenken. Die Behörden vertrauen vielmehr darauf, dass das Gift durch Wind und Strömung in die Ostsee gelangt und dort ausreichend verdünnt wird. Auch die Beseitigung der toten Fische sei nicht vorgesehen, man sei dafür nicht zuständig. So ist es auch nur engagierten Bürgern und Naturschützern zu verdanken, dass sie den Ort ausfindig machten, an dem der giftige Stoff austritt und in die Peene gelangt. Dieses Verhalten der Behörden ist ein einziger Skandal!

Die Peene, auch "Amazonas des Nordens" genannt, ist einer der letzten unverbauten Flüsse Deutschlands. Zudem ist sie einer der fischartenreichsten Flüsse Deutschlands mit seltenen Arten wie Flussneunauge und Steinbeißer. Außerdem ist fast das gesamte Peenetal europäisches Vogelschutzgebiet. Der Schaden für dieses einzigartige Ökosystem lässt sich kaum erahnen. Es müssen sofortige Maßnahmen ergriffen werden, um jegliche weitere Einleitung des giftigen Bio-Ethanol zu stoppen. Information und Aufklärung der betroffenen Bevölkerung über die möglichen Gesundheitsgefahren! Umfassende Aufklärung der Ursache der Katastrophe und Bestrafung der dafür Verantwortlichen!