International

Auch als Flüchtlinge - Frauen doppelt unterdrückt

Auch als Flüchtlinge - Frauen doppelt unterdrückt
Am Münchner Hauptbahnhof

12.09.15 - Auch an diesem Wochenende werden wieder zehntausende Flüchtlinge neu in Deutschland ankommen. Allein den Münchner Hauptbahnhof erreichten am Freitag 5.800 Flüchtlinge. Die Hilfsbereitschaft hunderter Helfer ist weiterhin überwältigend.

80 bis 90 Prozent der Flüchtlinge weltweit sind Frauen und Kinder. Frauen sind neben Verfolgung, Krieg, Hunger auch spezifischen Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt wie Massenvergewaltigungen, Versklavung, Genitalverstümmelung, Zwangsverheiratung und -prostitution, Witwenverbrennung, Zwangsabtreibung Zwangssterilisation.

Laut UNHCR (Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen) kämpft in jeder vierten Flüchtlingsfamilie die Frau alleine um ihr Überleben und das ihrer Kinder. Die Männer sind im Krieg getötet oder inhaftiert worden.

Aber dennoch gelingt nur wenigen Frauen die Flucht in die westlichen Industrieländer, wo nur noch 25 – 30 % der Flüchtlinge weiblich sind. Die Ursachen liegen in der weltweiten doppelten Ausbeutung und Unterdrückung der Masse der Frauen begründet: Frauen gelingt die Flucht oft nur im eigenen Land, oder höchstens über eine Grenze, weil sie wegen der Verantwortung für die Kinder und Eltern immer noch weniger mobil sind als Männer. Sie verfügen meist auch nicht über die finanziellen Mittel.

Die Flucht in anliegende Staaten bedeutet jedoch nicht, dass Frauen geschützt sind. Insbesondere syrische Frauen machen die Erfahrung, dass sie der Gewalt nicht wirklich entfliehen können. Die historische syrische Fernsehserie "Bab Al Hara" ist eines der wichtigsten Mittel, ein bestimmtes Image der syrischen Frau in der arabischen Welt zu verbreiten: hellhäutig, schön; willens, ihren Ehemann glücklich zu machen, ihm nie zu widersprechen und Tag und Nacht zu arbeiten, um seinen Wünschen nachzukommen.

Aus Sorge um die Sicherheit ihrer Töchter oder weil sie sie nicht versorgen können, verheiraten sie deren syrische Eltern insbesondere in Ägypten mit Männern, die sich sonst keine Frauen leisten könnten. So hat der Nationale Rat für Frauen in Ägypten bekannt gemacht, dass 12.000 sogenannte "Soutra"-Ehen (angebliche Schutz- und Versorgungsehen) zwischen syrischen Flüchtlingen und ägyptischen Männern innerhalb eines einzigen Jahres stattgefunden haben. Die Ehen werden bald geschieden und die Mädchen wieder mit einem anderen Mann verheiratet. Viele dieser Mädchen erleben dann einen Zustand andauernder Vergewaltigung von diesen kurzzeitigen Ehemännern. Andere werden in vorgeschobene Ehen gelockt und dann von ihren Ehemännern gezwungen, als Prostituierte zu arbeiten.

In den Flüchtlingslagern kommt es nachts zu Entführungen von Frauen und deren Vergewaltigung. Viele Frauen trauen sich deshalb nachts nicht mehr auf die Toiletten, die oft am Rande der Lager und unbeleuchtet sind.

Obwohl Frauen einen großen Anteil aller Flüchtlinge weltweit ausmachen, kritisieren viele Studien, dass Frauen auch in Deutschland nicht (ausreichend) im Flüchtlingsschutz beachtet werden: 28.843 Frauen waren 2013 in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Das bedeutet häufig fehlende Privatsphäre in Mehrbettzimmern, nicht abschließbaren Duschen und Toiletten. Beratungsstellen berichten von sexueller Belästigung durch andere Flüchtlinge und durch Personal. In Bayern ist Zwangsprostitution von Asylbewerbern seit längerer Zeit ein Thema. Eine wachsende Gefahr sind sexuelle Übergriffe  auf Kinder.

Frauen auf der Flucht, ihre Ursachen, Bedingungen und Folgen sind zugleich ein wachsendes Potenzial für den Kampf um die Befreiung der Frau in einer befreiten Gesellschaft.

Die MLPD tritt ein für den Schutz aller Flüchtlinge entsprechend der Genfer Konvention, für den besonderen Schutz von Frauen, die spezifischen Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt sind, für Asylrecht für alle Unterdrückten und für die freie Wahl des Aufnahmelandes.

Wichtige Impulse für den Kampf um die Befreiung der Frauen weltweit werden von der 2. Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen ausgehen, die 2016 in Nepal stattfindet.

Webseite der Weltfrauenkonferenz