Wirtschaft

Schwungvolle Eröffnung des ver.di-Bundeskongresses in Leipzig

Schwungvolle Eröffnung des ver.di-Bundeskongresses in Leipzig

Leipzig (Korrespondenz), 21.09.15: Die über 1.000 Delegierten und Gäste der ver.di-Bundeskongresses in Leipzig wurden vom Kölner Jugendchor (dem größten Jugendchor Deutschlands) mit Liedern vor allem gegen Rassismus und für Zivilcourage, einer Fotoschau zu Arbeitskämpfen sowie Protesten gegen "Pegida" begrüßt. Dafür gab`s tosenden Applaus.

Zu Gast war auch Bundeskanzlerin Merkel. Während sie geschickt einzelne Punkte wie den Mindestlohn als Fortschritt lobte, versuchte sie die Delegierten für ihre Politik zu gewinnen, für Verständnis zu werben. Ausführlich ging sie auf die Flüchtlingsfrage als "europaweite Angelegenheit" und nicht nur die Deutschlands ein. Man wolle denen Schutz geben, die "sie brauchen, aber nicht denen, die aus wirtschaftlichen Gründen zu uns kommen". Dazu gab´s vereinzelte Buhrufe.

ver.di-Vorsitzender Frank Bsirkse begrüßte die Gäste. DGB-Chef Reiner Hoffmann sprach unter anderem zum Arbeitsmarkt, wo 22 Prozent der Beschäftigten für Niedriglohn arbeiten. Der gesamte DGB müsse gegen die Einschränkungen des Streikrechtes mit dem sogenannten "Tarifeinheitsgesetz" vorgehen.

Eindeutig forderte er das "Verbot der NPD und aller neonazistischer Organisationen und ihrer Propaganda". (1) Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) erklärte, genau 200 Meter gegenüber in der Halle 4 (ver.di hat die Halle 3) seien über 1.000 Menschen als Flüchtlinge untergebracht, da komme er gerade her, und es sei bedrückend. Deutlich und engagiert sprach er sich dabei gegen die Spaltung zwischen angeblich wirtschaftlichen und politischen Gründen aus. Dafür gab es Riesenapplaus.

Ein sehr politischer Start des Kongresses, der zur Positionierung herausfordert - auch für eine Offenheit, über den Kapitalismus hinauszudenken.

(1) In der ersten Fassung des Artikels wurden diese Aussagen Frank Bsirske zugeschrieben. Sie stammten jedoch von DGB-Chef Reiner Hoffmann.