Wirtschaft

"The Guardian" enthüllt: Europäische Regierungen verlangen lasche Prüfverfahren

25.09.15 - "rf-news" dokumentiert eine Enthüllung der liberalen britischen Zeitung "The Guardian" vom gestrigen Donnerstag. Der Artikel zitiert aus vertraulichen Dokumenten, denen zufolge staatliche Stellen aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien schon Monate vor dem VW-Abgas-Skandal bei der EU-Kommission vorstellig wurden, um die für 2017 geplanten schärferen Testvorschriften so zu verwässern, wie es bereits seit 30 Jahren der Fall ist.

Großbritannien, Frankreich und Deutschland wird Heuchelei vorgeworfen, indem sie einerseits hinter den Kulissen an veralteten Prüfverfahren für Kohlendioxidemissionen festhalten wollen und andererseits nach einer europäischen Untersuchung der Manipulationen von VW bei Luftverschmutzungstests rufen.

Dokumente, die der "Guardian" einsehen konnte, machen offensichtlich, dass diese drei Länder die Europäische Kommission bedrängten, Schlupflöcher in den Autotests aufzunehmen, die zu einem höheren Ausstoß an Kohlendioxydemissionen führen, der die Grenzwerte um14 Prozent übertreffen würde.

Gerade vier Monate vor dem jetzigen VW-Emissionsskandal unternahmen Großbritannien, Frankreich und Deutschland den Vorstoß, Schlupflöcher aus einem Test, der 1970 unter dem Namen NEDC konzipiert wurde, auf einen neuen Test zu übertragen, der den alten Test 2017 unter dem Namen Personenwagen-Testverfahren (WLTP)ersetzen soll.

Das neue Testverfahren sollte gerade solche Schlupflöcher schließen, die bis zu 20 Prozent Abweichungen zwischen zugesagten und tatsächlichen Werten ermöglicht hatten. Gemäß den Berechnungen des grünen Vereins Verkehr und Umwelt (T&E) würden diese Schlupflöcher nicht nur die tatsächlichen CO2-Emissionen von Neuwagen auf 110 Gramm CO2 pro Kilometer steigern – deutlich über der EU-Grenze von 95 Gramm pro Kilometer – sondern auch für die Autofahrer 140 Euro mehr Spritkosten pro Jahr bedeuten.

Quelle: "The Guardian"