Politik

ver.di-Bundeskongress endete heute: Herausforderungen und Offenheit für fortschrittliche Positionen

ver.di-Bundeskongress endete heute: Herausforderungen und Offenheit für fortschrittliche Positionen
Kämpferische ver.di-Aktion (foto: Screenshot)

26.09.15 - Vor wenigen Stunden ging nach sieben arbeitsreichen Tagen in Leipzig der 4. ordentliche Bundeskongress der Gewerkschaft "ver.di" zu Ende. Er stand unter dem Motto "Stärke.Vielfalt.Zukunft". 1.000 Delegierte aus ganz Deutschland berieten ein breites Spektrum gewerkschaftlicher und politischer Fragen, befassten sich mit 1.245 Anträgen und wählten ihren Bundesvorstand und den Gewerkschaftsrat. Als Vorsitzender wurde Frank Bsirske wiedergewählt. Der Kongress war geprägt vom Willen der Mitglieder, ihre Gewerkschaft als Kampforganisation in den derzeitigen und künftigen gesellschaftlichen und politischen Auseinandersetzungen zu nutzen.

Da traf die Petition "Aufstand des gewerkschaftlichen Gewissens" einen Nerv, stieß auf großes Interesse und wurde von zahlreichen Delegierten unterschrieben.

Großes Verantwortungsbewusstsein auch für die internationalen Entwicklungen, ganz besonders die Ursachen der weltweiten Flüchtlingsströme, war kennzeichnend für die Tagung.

Korrespondentinnen berichten live aus Leipzig: "Ein bewegender ver.di-Bundeskongress in Leipzig vor großen gesellschaftlichen Umbrüchen und Herausforderungen! Nach einer Woche intensiver Beratung von über 1.000  Anträgen mit einem breiten Spektrum gewerkschaftlicher und gesellschaftspolitischer Fragen geht am 26. September der ver.di-Bundeskongress zu Ende.

Lebendig und tief berührend war die enge Verbindung zum konkreten politischen Leben. So sprachen zwei Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak über die Flüchtlingskatastrophe und es wurden 10.000 Euro für sie gespendet.

Gleich zweimal in der Woche beteiligten sich Delegierte  an einer Blockade, die die Route von "Legida" stoppte. Einstimmig wurde eine Entschließung gegen den brutalen Polizeieinsatz angenommen. Nicht zufällig traten in dieser Woche die Amazon-Kollegen erneut in den Streik für einen Tarifvertrag und hatten dabei die große Unterstützung der ver.di-Delegierten. 'Diese Auseinandersetzung geht weit über einen Tarifkampf hinaus', so Frank Bsirske in seiner Grundsatzrede: 'Bei Amazon treffen wir auf ein System totaler Kontrolle und Gängelung ... Dabei müssen wir uns darauf einstellen, dass sich die Arbeitswelt insbesondere durch die Digitalisierung fundamental und umfassend verändern wird.'

Von 800 Berufen seien rund 47% durch Computerisierung gefährdet.
Frank Bsirske wies darauf hin, dass die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich wieder zunehmende Bedeutung erlangen würde. 'Die gewaltigen Zugewinne an Produktivität und Reichtum, die durch den digitalen Umbruch möglich werden, sollten auch genutzt werden, um humanen, sozialen und ökologischen Fortschritt zu ermöglichen.'

Das schreit nach einem grundsätzlichen Ausweg, nach einer Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung, einer Produktion und Organisierung des gesellschaftlichen Lebens der Menschen in Einheit mit der Natur. Das lässt sich im Kapitalismus nicht verwirklichen und fordert zur Strategiedebatte für eine sozialistische Gesellschaft heraus! Eine Offenheit dafür war beim Verkauf des neuen 'Rote-Fahne'-Magazins und vielen Gesprächen mit Delegierten zu spüren. Offen und zur Unterstützung bereit waren viele auch für einen humanitären Korridor von der Türkei nach Kobanê und für den Befreiungskampf der Kurden.

Die Duisburger Delegierte und Aktivistin der Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen, Nina Dusper hielt eine kämpferische Rede. Sie berichtete von der Solidarität der Duisburger Frauen mit den Textilarbeiterinnen in Bangladesch zur Finanzierung ihrer  Organizerarbeit. Die Frauen in Bangladesch wiederum verfolgen interessiert die Streiks der Erzieherinnen und Erzieher, der Postbeschäftigten und weiterer Entwicklungen in Deutschland. Nina warb für die Unterstützung der 2. Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen 2016 in Nepal und rief dazu auf, dass dort auch ver.di-Frauen mit ihren vielfältigen Erfahrungen dazu gehören. 'Der Bundeskongress sollte diese Initiative unterstützen! Vielen Dank, und hoch die internationale
Solidarität!' endete sie. Sie erhielt großen Beifall und Bravorufe."

Ausführliche Berichterstattung mit Reden, Grußworten und Wortprotokollen aller Kongresstage auf der Webseite des Bundeskongresses