Umwelt

Region Fukushima: Schilddrüsenkrebs bei Kindern nimmt zu - Regierung will Bewohner zurückschicken

Region Fukushima: Schilddrüsenkrebs bei Kindern nimmt zu - Regierung will Bewohner zurückschicken
Das direkte Umfeld der explodierten Meiler von Fukushima kann man nach wie vor nur im Strahlenschutzanzug betreten. (FotoIAEA-Imagebank (Mike Weightman))

28.09.15 - Die neuesten Daten der Schilddrüsenuntersuchungen in der Region Fukushima bestätigen einen besorgniserregenden Anstieg der Neuerkrankungen von Schilddrüsenkrebs bei Kindern. Das wird von einem Newsletter der "Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs" (IPPNW) gemeldet. Insgesamt mussten bereits 104 Kinder wegen metastasierten oder stark wachsenden Krebsgeschwüren in ihren Schilddrüsen operiert werden, bei weiteren 33 besteht weiter akuter Krebsverdacht. Mittlerweile wurden knapp 154.000 Kinder zwei Jahre nach ihrer Erstuntersuchung erneut untersucht; dabei wurden mindestens sechs neue Fälle gefunden.

Der britische Strahlenschutz-Experte Dr. Ian Fairlie hat im „Ecologist“ eine neue Einschätzung der gesundheitlichen Folgen von Fukushima vorgenommen. Fairlie zufolge starben rund 2.000 Menschen nach der Evakuierung entweder an Strahlenfolgen oder an Erkrankungen bzw. Suiziden infolge sozialer Entwurzelung, familiärer Zerrüttung oder Verarmung. Er verweist darauf, dass 12.000 Arbeiter hohen Strahlenbelastungen von bis zu 250 Millisievert (mSv) ausgesetzt wurden. Zudem sei im Dezember 2011 die Zahl der Lebendgeburten vermindert und 2012 die Kindersterblichkeitsrate erhöht gewesen.

Auf Grundlage der von UNSCEAR geschätzten Kollektivdosis von 48.000 Personen-Sievert rechnet Fairlie in Zukunft mit circa 5.000 zusätzlichen Krebserkrankungen. Er verwendet dabei einen sehr konservativen Risikofaktor. Die IPPNW errechnete auf der Basis derselben Kollektivdosis aber unter Verwendung realistischerer Risikofaktoren zwischen 8.600 bis 19.200 zusätzliche Krebserkrankungen.

Viereinhalb Jahre nach der Atomkatastrophe in Fukushima hat die japanische Regierung am Samstag erstmals die Evakuierungsanordnung für einen der Orte aufgehoben. Damit könnten rund 7.400 Menschen, die nach der Katastrophe am 11. März 2011 fliehen mussten, in die Stadt Naraha nahe der Atomruine zurückkehren. Medienberichten zufolge wollen zurzeit allerdings nur wenige heimkehren, vor allem, da in Teilen der Stadt, die nur etwa 15 km südlich des havarierten Atomkraftwerks steht, noch relevante Strahlen-Hotspots zu finden sind.

Die Rückkehrer sind einer deutlich erhöhten Strahlenbelastung von bis zu 20 mSv pro Jahr ausgesetzt. Einer solchen Strahlung dürfen in Deutschland nur erwachsene Nukleararbeiter ausgesetzt werden – nicht aber Kinder. Bei einer angenommenen durchschnittlichen Strahlenbelastung von jährlich 10 mSv über zehn Jahre hinweg müsste bei 7.400 Rückkehrern mit 150 bis 300 zusätzlichen Krebserkrankungen gerechnet werden.

Die mutwillige Gefährdung von Leben und Gesundheit dieser Menschen durch die japanische Regierung unterstreicht, dass ein wirksamer Schutz vor den tödlichen Gefahren der Atomenergie nur durch den weltweiten aktiven Widerstand zur Stilllegung aller Atomanlagen zu erreichen ist. Am 23. September protestierten tausende Menschen im Yoyogi Park in Tokio erneut gegen die Atom- und Militarisierungspolitik der Abe-Regierung.