Betrieb und Gewerkschaft

Siemens-Turbinenfabrik Berlin: "Hier fliegen gleich die Löcher aus dem Kaeser"

Siemens-Turbinenfabrik Berlin: "Hier fliegen gleich die Löcher aus dem Kaeser"
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Berlin-Moabit (Korrespondenz), 03.10.15: Mancher Passant hat etwas irritiert auf das Streik-Schild geschaut: "Löcher aus dem Kaeser? Das muss doch bestimmt Käse heißen!?" Nee, war schon korrekt: Kaeser heißt der Vorstandsvorsitzende von Siemens und die Kolleginnen und Kollegen der Siemens-Turbinenfabrik sind ziemlich sauer auf ihren Oberboss. Denn Kaeser und seine millionenschwere Vorstandsriege haben ein besonders krasses Kürzungsprogramm ausgeheckt.

Tausende Stellen sollen gestrichen, Entgelte gekürzt und Arbeitszeiten ins Wochenende hinein ausgeweitet werden – während zugleich mehrere Milliarden Euro für Firmenkäufe ausgegeben und auch schon wieder Leiharbeiter eingestellt werden. Am Donnerstag schon hatten 200 Kollegen empört die Werksversammlung verlassen und unten auf der Straße einen richtungsweisenden Beschluss gefasst: Freitag wird nicht gearbeitet – wir verbringen den Tag von 6 Uhr bis 18 Uhr vor Tor 1 (siehe "rf-news"-Meldung vom 2.10.15).

Und so wie beschlossen, wurde es auch diszipliniert umgesetzt. Beginnend mit Früh- und Nachtschicht "besetzten" etwa 300 Kolleginnen und Kollegen in mehreren Wellen den Platz vor Tor 1; ständig waren zwischen 60 und 200 Leute vor Ort. Etwa alle zwei Stunden gab es aktuelle Meldungen und Redebeiträge an einem offenen Mikrofon. Campingstühle, Kaffee, Pizza, Wasser, Süßes und Salziges sowie alles, was man sonst noch so braucht für eine "Streik-Übung", hatten Kollegen selber organisiert. Amüsiert wurde das unglaubliche "Engagement" der Werkleitung zur Kenntnis genommen, deren Vertreter sich tatsächlich von morgens bis abends direkt am Tor die Beine in den Bauch gestanden haben – meist zusammen mit der Betriebsratsspitze.

Selbstbewusst wurde die "Streik-Übung" nach 12 Stunden um 18 Uhr beendet. An diesem Tag drehte sich in der "Turbine" fast kein Rad, insbesondere die Großmaschinenhalle stand komplett. In vielen Gesprächen am Schluss wurde betont: jetzt gilt es, die Aktion gründlich auszuwerten, alle Siemens-Belegschaften bundesweit zu informieren und auf eine weitere, diesmal betriebsübergreifend koordinierte Streik-Aktion hinzuarbeiten (ausführliche Berichterstattung im nächsten "Rote Fahne"-Magazin - jetzt schon bestellen!).

Hier ein kurzer Filmbericht in den rbb-"Abendschau"-Nachrichten