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Automobilarbeiter-Konferenz: "Aus einer Fackel werden tausende – wir tragen sie in die ganze Welt"

Automobilarbeiter-Konferenz: "Aus einer Fackel werden tausende – wir tragen sie in die ganze Welt"

18.10.15 - Mit einem begeisternden Abschlussplenum ging heute Mittag die 1. Internationale Automobilarbeiterkonferenz im Sindelfinger Stadtteil Maichingen zu Ende. Ein Delegierter aus Pakistan sprach allen Teilnehmern aus der Seele: "Ich beglückwünsche uns alle zu dieser erfolgreichen Konferenz. Wir werden in Pakistan Bericht erstatten. Ich versichere euch allen, wenn wir das nächste Mal zusammentreffen, wird es eine noch viel größere internationale Beteiligung und Begeisterung geben."

Am Abend vorher hatten Teilnehmer und Gäste ein tolles Fest gefeiert, bei dem die tiefe Verbundenheit, das gewachsene Vertrauensverhältnis und der Stolz auf den erreichten Erfolg deutlich wurden. Begrüßt wurde unter anderem eine vierköpfige Einrad-Gruppe des VfL Sindelfingen. Mehrere Delegationen traten mit eigenen Kulturbeiträgen auf. So die Südafrikaner mit einem bekannten Lied, dass gemeinsam tanzend während Streiks und Demonstrationen gesungen wird. Ein Höhepunkt war das "Kobane-Lied", das inzwischen auch zu einer Hymne der Brigadistinnen und Brigadisten für den Aufbau des Gesundheitszentrums in Kobane geworden ist.

41 Delegierte aus 19 Ländern haben gestern einstimmig die Gründungsresolution beschlossen und mehrheitlich Organisationsprinzipien. Ein weiterer Höhepunkt der Konferenz war am Ende der Delegiertenversammlung die Wahl einer internationalen Koordinierungsgruppe mit zehn Mitgliedern aus Spanien, Brasilien, Südafrika, Kolumbien, Italien und Deutschland sowie zwei Revisoren. Die Koordinierungsgruppe repräsentiert bedeutende Kämpfe und Belegschaften der internationalen Automobilkonzerne.

"Voller Stolz", heißt es in der Gründungsresolution der Konferenz, "nach 17 Jahren fruchtbarer Zusammenarbeit, können wir heute sagen: Die Zeit ist reif für die Gründung einer internationalen Automobilarbeiterkoordinierung." Viele Teilnehmer bekräftigten in ihren Beiträgen die wegweisende Bedeutung der Gründung einer internationalen Automobilarbeiter-Koordinierung. Der Delegierte aus dem indischen Halol, dem Standort eines GM-Werks, gegen dessen geplante Schließung erbittert gekämpft wird, fährt nun mit der Gewissheit zurück, dass sich Delegierte aus aller Welt verpflichtet haben, den gemeinsamen Kampf dagegen zu organisieren.

In der Abschlusserklärung heißt es: "Aus vielfältigen Kampferfahrungen bei Opel Bochum, Sao José dos Campos in Brasilien, GM Bogota in Kolumbien, in Südafrika und Indien sowie vielen anderen Betrieben wurde der Schluss gezogen, das wir uns der Erpressungslogik des angeblich ‚kleineren Übels‘ widersetzen können. Die Fackel des unbeugsamen Kampfes übernehmen wir vor allem aus Bochum."

Annegret Gärtner-Leymann, IG-Metallerin und Betriebsrätin der Liste für eine kämpferische gewerkschaftliche Betriebsratsarbeit bei Opel Bochum, "Offensiv", betonte auf dem Podium: "An einer Fackel entzünden Arbeiterinnen und Arbeiter in anderen Werken, in anderen Ländern, eine neue Fackel, hunderte neuer Fackeln. Wir haben auf dieser Konferenz lebhaft diskutiert, dass die Kleinarbeit unter den Massen der internationalen Arbeiterklasse entscheidend ist. Nicht eine kleine kämpferische Gruppe, auch wenn sie international zusammenarbeitet, entscheidet über die Zukunft, sondern die Masse der Arbeiter und Gewerkschafter. An sie müssen wir uns wenden, unermüdlich. Wir haben hier erlebt, Differenzen auszutragen und mit noch bestehenden Meinungsunterschieden umzugehen. Das müssen wir doch auch in unseren Belegschaften hinkriegen."

Die Berichte aus den konzern- und themenbezogenen Foren sind eine unschätzbare Fundgrube wertvoller Erfahrungen und Auseinandersetzungen, die für die weitere Arbeit gründlich ausgewertet werden. Angesichts des VW-Skandals bekräftigte die Konferenz die Notwendigkeit, für die Rettung der Umwelt vor der Profitwirtschaft einzutreten. Im "Umweltforum" und vielen Diskussionen arbeiteten die Teilnehmer heraus, dass der VW-Skandal nur die Spitze des Eisbergs ist. Die Umweltfrage wird einen Schwerpunkt in der Zusammenarbeit der internationalen Automobilarbeiterbewegung bilden.

Die nochmals verbesserte Abschlusserklärung der 1. Internationalen Automobilarbeiterkonferenz wurde unter tosendem Beifall einstimmig verabschiedet. Alle Belegschaften der Automobilindustrie und Zulieferer sind aufgerufen, die Ergebnisse und den Offensivgeist dieser Konferenz in den Belegschaften aller Länder zu verbreiten.

Am Schluss gab es Blumengeschenke für zahlreiche Unterstützer und Helfer wie die Leiterin des Hallenmanagements, die Hausmeister, Küchenhelfer, Reinigungskräfte und Übersetzer. Gemeinsam wurde die Hymne der Automobilarbeiter-Konferenz gesungen. Die Konferenz endete mit den Worten: "Auf Wiedersehen in vier Jahren!"

(siehe auch "rf-news"-Berichte vom 1. Tag, vom 2. Tag und 3. Tag - mehr demnächst auch auf www.iaar.de)