International

Automobilarbeiter aus 22 Ländern demonstrieren in Sindelfingen mit "stolzem und vollem Herzen"

17.10.15 - Gestern abend demonstrierten über 300 Besucher, Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie Delegierte der 1. Internationalen Automobilarbeiterkonferenz in Sindelfingen. Delegationen aus der Türkei, Spanien, Südafrika, Kolumbien, Brasilien und anderen Ländern, von Belegschaften von Opel, Ford, VW und Daimler trugen stolz ihre Transparente und unübersehbar viele IG-Metall-Fahnen. Sprechchöre für die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, für ein allseitiges gesetzliches Streikrecht, für die internationale Solidarität ertönten. Arbeiterlieder erklangen in verschiedenen Sprachen.

Viele Anwohner winkten zustimmend aus den Fenstern oder verfolgten die Demonstration wohlwollend aus dem Auto. Dies berichtet die Koordinierungsgruppe der 1. Internationalen Automobilarbeiterkonferenz in einer soeben erschienenen Pressemitteilung. Anke Jäckh, die selbst 40 Jahre bei Daimler arbeitete, eröffnete die Abschlusskundgebung auf dem Marktplatz mit den Worten:

"Hier haben Tausende Daimlerarbeiter 1984 im siebenwöchigen Streik für die 35-Stundenwoche, 1996 für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und 2009 für den Erhalt der C-Klasse demonstriert. Eine solche Demonstration wie heute - mit so vielen internationalen Teilnehmern - hat Sindelfingen lange nicht gesehen!" Zum 100-jährigen Werksjubiläum sei diese Demonstration genau passend, weil wir heute die Koordination neuer Kämpfe auf  internationaler Grundlage vorbereiten.

Annegret Gärtner, Betriebsrätin von Opel Bochum, hob hervor, dass die Arbeiter hier zeigen, welche Kraft in ihnen steckt und betonte die besondere Achse der Solidarität zwischen den Belegschaften in Bochum und Sindelfingen. Ein Teilnehmer aus Südafrika von Mercedes-Benz (East London) überbrachte die Grüße von 365.000 Metallarbeitern der Gewerkschaft NUMSA und rief den Zuhörern zu: "Es ist die Zeit, unsere Kräfte zu mobilisieren! Die Einheit ist unsere Stärke!" Reinhard Funk von der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD) warb dafür, die revolutionäre Arbeiterbewegung zu stärken.

Bereits im Laufe des Freitags hatten im Daimler-Renault-Nissan-Forum auf der 1. Internationalen Automobilarbeiterkonferenz 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus sechs Ländern - unter anderem aus allen Produktionsstandorten Deutschlands - ihre Erfahrungen ausgetauscht. Sie verurteilten dabei die Unterdrückung der Beschäftigten durch den Vorstand, wie in Brasilien, wo Daimler 1.500 Kollegen gekündigt hatte. Nur durch einen Streik mit internationaler Unterstützung, zu der auch Kräfte der  Automobilarbeiterkonferenz beigetragen haben, konnte die Rücknahme der Kündigungen erreicht werden.

Das Forum hat auch die 761 Abmahnungen gegen Bremer Kolleginnen und Kollegen angeprangert. Diese hatten sich mit Arbeitsniederlegungen gegen Fremdvergabe und Leiharbeit gerichtet. In der verabschiedeten Resolution wurde dieses Massenmobbing durch Daimler angegriffen und der IG-Metall-Vorstand aufgefordert, den Rechtsbeistand zu übernehmen, der dieser bisher verweigert.

Die Sindelfinger Konferenz wird noch bis Sonntag Vormittag im Bürgerhaus Maichingen fortgesetzt und wird mit Beschlüssen für die verbindliche internationalen Zusammenarbeit ein historisch bedeutsames Ereignis für die Arbeiterbewegung werden. Darüber berät sich die Delegiertenversammlung mit 40 Delegierten aus 18 Ländern weiter öffentlich am heutigen Samstagnachmittag. Um 20 Uhr steigt das Kulturfest. Morgen wird im Abschlussplenum die Gründungsresolution beraten und beschlossen.

("rf-news"-Berichte von gestern und vorgestern)