Politik

FIFA und DFB in der Krise

FIFA und DFB in der Krise
Sepp Blatter (Mitte) und Michel Platini (rechts). Die MLPD hingegen fördert Sport als Massenertüchtigung und unter dem Motto "Freundschaft im Wettkampf" (links.) (fotos: Marcello Casal Jr/ABr (CC BY 3.0);Kleardos Kapoutsis (CC BY 2.0); Montage: rf-news.)

20.10.15 - Nach den Vorwürfen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" zur Vergabe der WM 2006 prüft die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Mainjetzt einen Anfangsverdacht. Die WM 2006 in der BRD ist nach vielen der bisher bekannten Indizien durch gezielte Bestechung gekauft worden. Sportfunktionäre, Politiker und Konzerne sind in die Korruptionsaffäre verstrickt. Massiv stark gemacht hat sich dafür der Adidas-Konzern. Dessen damaliger Vorstandsvorsitzender Robert Louis Dreyfus stellte 10,3 Millionen Schweizer Franken (damals 13 Millionen DM) zur Verfügung. Die Abstimmung ging damals mit zwölf zu elf Stimmen extrem knapp aus. Führend beteiligt an den damaligen Vorgängen waren der heutige DFB-Vorsitzende Wolfgang Niersbach und Franz Beckenbauer.

Pikant: Dreyfus hatte eineinhalb Jahre vor der WM vom DFB die Summe - inzwischen 6,7 Millionen Euro -  zurückgefordert. Und wie es der Zufall will: das Organisationskomitee der WM überwies genau diesen Betrag im April 2005 an die FIFA. Zu dumm, dass das Geld wohl doch nicht dem laut DFB angegebenen Zweck „Fifa – Kulturprogramm“ zugute kam, wie der DFB jetzt feststellte. Wenn jetzt die Verantwortlichen unisono erklären, es habe keine schwarzen Kassen gegeben, erklärt das aber nicht, was mit dem Geld tatsächlich passiert ist.

Adidas jedenfalls bekam im folgenden verschiedene Vermarktungsrechte des DFB - unter anderem als Hauptsponsor zum Schnäppchenpreis. Ein mehr als doppelt so hohes Angebot des US-amerikanischen Sportartikelkonzerns Nike schlug der DFB aus. Die Amerikaner boten vor knapp zehn Jahren 500 Millionen Euro für einen Zehn-Jahres-Vertrag. Den Zuschlag bekam aber Adidas. Für einen Acht-Jahres-Vertrag musste der fränkische Weltkonzern aber nur 200 Millionen auf den Tisch legen.

Klar wird: die korrupten Strukturen bestehen nicht nur bei der FIFA, sondern auch beim DFB. Möglich auch, dass die Affäre jetzt aus dem Umfeld von FIFA-Präsident Sepp Blatter losgetreten wurde, um DFB-Chef Wolfgang Niersbach als Nachfolger zu verhindern. Denn Blatter und wohl auch Michel Platini können sich alle Hoffnungen auf eine Wahl bzw. Wiederwahl abschminken. Vor allem nachdem nun die Schweizer Staatsanwaltschaft auch gegen Blatter ermittelt – wegen einer "Berater"Zahlung von 1,8 Millionen ausgerechnet an Platini, der sich ja immer als Blatter-Gegner profilieren wollte. „Blattini“ nach Blatter – das wird wohl nichts. Beide mussten von der FIFA-Ethik-Kommission für 90 Tage suspendiert werden.

Aber auch die Regierung ist in die Korruption verstrickt: Am 28. Juni 2000, acht Tage vor der WM-Abstimmung, wurde unter Vorsitz des damaligen Kanzlers Gerhard Schröder die Lieferung von 1.200 Panzerfäusten an Saudi-Arabien abgesegnet. Für die Stimme des saudischen FIFA-Delegierten habe die deutsche Regierung „kurzfristig das Waffenembargo aufgehoben“, kommentierte Guido Tognoni, früherer Marketingchef der FIFA, im vergangenen Jahr den Beschluss. Auch dass der damalige Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) vom Korruptionssumpf nichts gewusst haben soll, ist unwahrscheinlich, er saß schließlich selbst im Aufsichtsrat des Organisationskomitees.

Die laufenden Ermittlungen der US-amerikanischen und Schweizer Fahnder gegen führende FIFA-Vertreter bringen vielleicht auch Licht in die Frage, ob Deutschlands Stimme für die absurde Vergabe der Fußball-WM 2022 in die Wüste des feudalen Folterstaates Katar mit der katarischen Zustimmung zur "deutschen WM" 2006 gekauft wurde.

DFB, UEFA und FIFA stecken in einer tiefen Krise, produziert durch Geldgier, Lügen, Korruption und Maximalprofitstreben internationaler Monopole. Ihre Krise ist Bestandteil der allgemeinen Krisenhaftigkeit des Imperialismus. Lügen und Vetternwirtschaft beschädigen erheblich die Freude am Fußball, vor allem aber die Fan-Kultur und die Fan-Organisationen, ohne die die reichsten Sponsoren erhebliche Profiteinbußen befürchten müssen. Am 15. Oktober brachen die Fan-Organisationen nach 40 Minuten eine für einen Tag angesetzte Konferenz mit der DFB-Spitze ab. Sie wehren sich dagegen, dass der Sport immer mehr auf dem Altar des Maximalprofits verhökert wird und die lebendige Fankultur der Massen dafür zerstört wird. Die MLPD tritt für proletarische Sport-Prinzipien wie „Freundschaft im Wettkampf“ ein, und fördert sie in ihrer Parteikultur und Jugendpolitik.

(1) DFB-Stellungnahme in „Hessisch-Niedersächsische-Allgemeine“ Zeitung (HNA) vom 17. Oktober 2015)