Politik
Wie die Deutsche Bank ihre tiefe Krise auf die Beschäftigten abwälzen will ...
31.10.15 - Kaum hat der neue Vorstandschef der Deutschen Bank John Cryan seinen Posten angetreten, kommt es knüppeldick. Weltweit will er bis 2018 rund 9.000 Arbeitsplätze vernichten, 4.000 davon allein in Deutschland, 6.000 weitere bei externen Dienstleistern und 20.000 bei Tochterfirmen wie der Postbank. Provokativ sollen statt 9.000 sogar 14.000 Beschäftigte der Deutschen Bank gekündigt werden, um anschließend 5.000 "Nachwuchskräfte" neu einzustellen - die meisten davon voraussichtlich zu erheblich schlechteren Gehältern und Arbeitsbedingungen. Aus zehn Ländern will sich die Deutsche Bank ganz zurückziehen. Auch die Auszahlung von Dividenden an die Aktionäre für die Jahre 2015 und 2016 wird gestrichen - erstmals seit dem 1950er Jahren.
Gerechtfertigt wird der Arbeitsplätze-Kahlschlag mit einem Rekordverlust von 6,2 Milliarden Euro im dritten Quartal 2015. Tatsächlich ist dieser Rekordverlust nur die Folge der tiefsten Krise, die die Deutsche Bank jemals erlebt - neben der VW-Krise jetzt schon die zweite Krise eines deutschen Übermonopols in kürzester Zeit. Ein Hintergrund ist der jähe Absturz von ihrer früheren internationalen Spitzenposition - vom 26. Platz in der Rangliste der größten internationalen Übermonopole im Jahr 2007 auf Platz 164 im Jahr 2014.
Das damit einhergehende aggressive Vorgehen und die Arroganz der Deutschen Bank führt zu einer langen Liste von Prozessen und Strafzahlungen. Was in den bürgerlichen Medien als "Skandale" bezeichnet wird, sind in Wirklichkeit kriminelle Machenschaften, die den mafiösen Charakter dieses Konzerns und seiner Manager deutlich machen. Hier eine kleine Auswahl:
- 2002: Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer bezweifelt die Kreditwürdigkeit von "Pro Sieben"-Eigner Leo Kirch. Für die daraus folgende Insolvenz zahlte die Deutsche Bank 925 Millionen Euro an die Erben von Leo Kirch. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen Co-Chef Jürgen Fitschen wegen versuchter Täuschung des Gerichts.
- 2004: Josef Ackermann zeigt vor Gericht das Victory-Zeichen und wird zum Symbol für die Arroganz der Macht. Er war wegen des Vorwurfs der "Untreue“ im Zusammenhang mit dem Mannesmann-Vodafone-Deal angeklagt. Das Verfahren wurde gegen die Zahlung von 3,2 Millionen Euro eingestellt.
- 2012: 500 Polizisten und Steuerfahnder durchsuchen Büros der Deutschen Bank. Untersucht wird der Verdacht der Umsatzsteuerhinterziehung beim Handel mit CO2-Emissionsrechten.
- 2013: Die EU-Kommission verordnet eine Strafe von 725 Millionen Euro, weil die Deutsche Bank wie auch andere Banken jahrelang die Referenzzinsen für Geschäfte zwischen den Banken manipulieren ließ.
- 2015: Behörden in den USA und Großbritannien legen eine Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar fest. Es laufen noch Zivilverfahren wegen Manipulation, bewussten Falschmeldungen, Absprachen von An- und Verkaufskursen.
- 2015: Gegen die Deutsche Bank wird in Moskau und London wegen Geldwäsche ermittelt. Eine Summe von rund sechs Milliarden Dollar wird genannt. Wegen unerlaubtem Handel mit dem Iran rechnet der Vorstand laut Finanzkreisen mit einer Strafe im mittleren dreistelligen Millionenbereich.
Die Folgen der 2008 ausgebrochene Weltwirtschafts- und Finanzkrise wiegen für die Deutsche Bank bei weitem nicht so schwer wie die Verluste, die durch die zahlreichen Strafzahlungen entstanden sind. Mit der Allmacht des internationalen Finanzkapitals über die gesamte Gesellschaft meinten die Banker, sich über alles hinwegsetzen zu können.
Die Deutsche Bank steht exemplarisch für einen Kurs der Maximalprofite um jeden Preis. Die gegenseitige Vernichtungsschlacht zwischen den internationalen Übermonopolen des Finanzkapitals nimmt Ausmaße an, die bisher noch schwer vorstellbar waren. Die Konkurrenz schläft nicht, und so werden gelegentlich auch Gerichte aktiv und unbequem. Das betrifft mittlerweile auch Weltkonzerne wie die Deutsche Bank oder VW.
An den Schaltern der Bankfilialen arbeiten allerdings nicht die Verantwortlichen des aggressiven Kurses. Es sind Angestellte, die Kunden beraten und einen Arbeitsplatz brauchen. Auf dem Rücken der Beschäftigten und der Kunden wollen sich die Vorstände sanieren. Es ist völlig berechtigt, wenn sich die Beschäftigten gegen den angedrohten Verlust ihrer Arbeitsplätze zur Wehr setzen.
Der Kapitalismus ist überholt, korrupt, kriminell – ein Gesellschaftssytem im Niedergang. Es wird Zeit, darüber hinauszudenken. Es wird Zeit für eine sozialistische Gesellschaft, in der an Stelle des Profits der Mensch in Einklang mit der Natur im Mittelpunkt steht.