Politik

Das mafiöse System von FIFA und DFB

Das mafiöse System von FIFA und DFB
Wolfgang Niersbach (foto: Smokeonthewater)

10.11.15 - Wolfgang Niersbach, Präsident des Deutschen Fussballbundes (DFB) und führendes Mitglied zahlreicher internationaler Sportgremien, ist gestern Abend zurückgetreten. Angeblich nur, um das Amt des DFB-Präsidenten "zu schützen". Jedes Fehlverhalten weist er weit von sich. 27 Jahre lang hat der 64-Jährige die Strippen im deutschen Fußballgeschäft gezogen - zusammen mit anderen "Lichtgestalten" des deutschen Sports wie Franz Beckenbauer, Günther Netzer, seinem Vorgänger Theo Zwanziger und Ex-Bayern-Chef Uli Hoeneß, der wegen Steuerhinterziehung bereits im Gefängnis sitzt. Wer glaubt ihm da noch, dass er nichts mit dem sich ausweitenden Skandal einer nach Deutschland "gekauften" Fußballweltmeisterschaft 2006 zu tun hatte?

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt auch gegen Niersbach wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung "in einem besonders schweren Fall". Es geht dabei um "schwarze Kassen", aus denen offenbar die Bestechungsgelder für die WM geflossen sind. Vergangene Woche hatte die Steuerfahndung neben der DFB-Zentrale unter anderem auch die Privatwohnsitze von Niersbach und Zwanziger durchsucht.

Kaum zufällig trat Niersbach einen Tag nach Bekanntwerden eines neuen skandalösen Details zurück. Die mit der Untersuchung der Bestechungsvorwürfe beauftragte Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer hat einen "Vertragsentwurf" mit dem korrupten Ex-FIFA-Funktionär Jack Warner gefunden, der erneut beweist: Die 6,7 Millionen Euro, die der DFB an die FIFA überwies - eine angebliche "Leihgabe" von Ex-Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus - wurden zum Kauf der notwendigen Stimmen für die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland eingesetzt und nicht für ein in der damaligen Steuerklärung angegebenes "Kulturprogramm".

Der Vertragsentwurf trägt die Unterschrift von Fußball-"Kaiser" Franz Beckenbauer. Der damals im WM-Organisationskomitee für Marketing und Pressearbeit zuständige Beckenbauer hat bisher allen Bestechungsvorwürfen widersprochen. Allerdings wirft ihm inzwischen die Ethik-Kommission der FIFA vor, auch bei der Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 das Exekutivkomitee nicht über seine Verbindungen zu WM-Bewerbern informiert zu haben. Nun wird auch die Schlinge um seinen Hals enger.

Mit Niersbachs Rücktritt weitet sich die bisher schon tiefste Krise der Welt-Fußballverbände (siehe auch Artikel vom 20.10.15) aus. Immer deutlicher wird: mafiöse Strukturen haben auch hier System. Das hat viel damit zu tun, dass die Sportstadien jetzt nicht mehr Volkspark- oder Neckar-Stadion heißen, sondern Mercedes-, Allianz-, Porsche- und SAP-Arena. Die Sponsoren der Fußballvereine heißen Adidas, Nike, Deutsche Bank, VW der Barclay-Bank. Bestimmte Parallelen zur Krise des VW-Konzerns oder der Deutschen Bank sind auffällig.

Es handelt sich um eine Bankrotterklärung der ganzen bürgerlichen Sportorganisation und -politik. Während es Millionen Menschen darum geht, interessante Spiele zu sehen, kümmern sich diese Leute nur um ihre Geschäfte mit den Sportartikelherstellern, Vereinssponsoren und TV-Konzernen. Alles wird durch eine korrupte Riege alternder Herren wie in einem schlechten Mafia-Film verwaltet.

Zum Teil wird jetzt gefordert, die Spitzen der Fußballverbände besser staatlich zu kontrollieren. Dabei sind die FIFA- und DFB-Funktionäre doch aufs Engste verbandelt mit den Größen der Regierungen. Es ist deshalb völlig unglaubwürdig, dass die bürgerlichen Spitzenpolitiker nicht genauso Bescheid wussten. Der sich ausweitende Skandal der Fußballverbände zeigt die Verkommenheit der gesamten staatsmonopolistischen Strukturen des heutigen Kapitalismus, in denen die Interessen des allein herrschenden internationalen Finanzkapitals mit Intrigen, Lügen und skrupellosem Machtkampf durchgesetzt werden.