Politik

Zornige Kundgebung gegen "letzte Lore" auf der Zeche Auguste Victoria

Zornige Kundgebung gegen "letzte Lore" auf der Zeche Auguste Victoria
Heute war "Schicht im Schacht" auf Auguste-Victoria (foto: Daniel Ullrich/CC BY-SA 3.0)

18.12.15 - Anlässlich der beabsichtigten Schließung des Bergwerks Auguste Victoria (AV) veranstaltete die Ruhrkohle AG (RAG) einen "Staatsakt", zu dem handverlesenes Publikum eingeladen war. Unter anderen sollte die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft kommen. Wann und wie das Ganze ablaufen soll, wurde weitgehend geheimgehalten. Damit bestätigte die RAG, was der "Vortrieb", die Zeitung von Kollegen für Kollegen für alle Zechen, so ausdrückte: "Denen geht die Düse eins zu tausend."

Die RAG ist angesichts des eingeleiteten Stimmungsumschwungs unter den Bergarbeitern und der Bevölkerung in der Defensive. Hinter dem Zechengebäude von Schacht 3/7 ließ die Werksleitung von AV ein Zelt aufbauen und das ganze Zechengelände von der Grubenwehr abschotten. Dennoch führte die kämpferische Bergarbeiterbewegung vor Schacht 3/7 eine zornige Kundgebung durch und konnte auch viele Kumpel und Besucher damit erreichen. Es waren auch nicht eingeladene Leute gekommen, die sich mit dem Bergbau verbunden fühlen.

Ein ehemaliger Kumpel, der zu der Veranstaltung wollte, kam an der Pforte mit einem Offiziellen ins Gespräch, dem er sagte, dass er gegen die Schließung sei. Dann sei er falsch am Platz, wurde ihm geantwortet. Ehemalige Kumpel und Bergarbeiterfrauen wurden nicht hineingelassen.

Bei der Kundgebung trat die Bergarbeiterbewegung "Kumpel für AUF" mit dem Transparent "Gegen Zechenstilllegungen – Kampf um jeden Arbeitsplatz" auf, sammelte Unterschriften gegen Zechenstilllegungen und gegen Fracking für eine lebenswerte Zukunft der Bergarbeiter sowie ihrer Familien. Die Bergarbeiterfrauen im Frauenverband "Courage" gaben ebenfalls in großen Buchstaben kund, dass sie "NEIN" zu Zechenschließung, Fracking und Flutung der Zechen sagen und für eine lebenswerte Zukunft eintreten. Am offenen Mikrofon meldete sich auch die Umweltgewerkschaft zu Wort und wendete sich dagegen, dass Arbeitplätze und Umwelt gegeneinander stehen sollen. Sie griff sowohl die Vernichtung von Arbeitsplätzen im Bergbau an, als auch die Verseuchung der Umwelt mit untertage eingelagerten Giftmüll und PCB-Ölen.

Die Bergbau-Betriebsgruppen der MLPD nahmen mit einem großen Transparent "Wir haben die Schließung nie akzeptiert" teil. Von Vertretern der Betriebsgruppen wurde der Beschluss der EU und der Bundesregierung angegriffen und klargestellt, dass er über den Kopf der Betroffenen hinweg und nur aus Profitgründen gefasst worden ist. Dass er nicht nur eine soziale, sondern auch eine ökologische Katastrophe bewirkt und auch deshalb unsinnig ist, weil der Rohstoff Kohle in Zukunft dringend gebraucht wird und mit der Schließung modernste und sicherste Bergbautechnik liquidiert wird. Das bedeutet auch eine ungeheure Kapitalvernichtung im Rahmen der internationalen Strukturkrise als Schrittmacher für eine neue Weltwirtschafts- und Finanzkrise. Im Sozialismus kann ein umweltschonender Bergbau zum Nutzen der ganzen Gesellschaft betrieben werden. Die Kundgebung fand bei den Zuhörern wie auch bei der anwesenden Presse großen Anklang.