Umwelt

EU-Atompolitik – Gefahr der Katastrophe wird in Kauf genommen

EU-Atompolitik – Gefahr der Katastrophe wird in Kauf genommen
Eine tickende Zeitbombe: Das Atomkraftwerk im belgischen Tihange (foto: Michielverbeek/CC BY-SA 3.0)

28.12.15 - Pannen in den belgischen Atomreaktoren Doel bei Antwerpen, 150 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, und Tihange, 70 Kilometer westlich von Aachen, beunruhigten zu Weihnachten Millionen Menschen. Trotz Protesten genehmigten die belgische Regierung und Atomaufsicht das Wiederhochfahren der Reaktorblocks Doel 3 und Tihange 2 vor knapp zwei Wochen. Sie standen 21 Monate wegen Haarrissen in den Reaktordruckbehältern still. Am 18. und 25. Dezember folgte die erneute Abschaltung.

Im Block Tihange 1 brannte eine elektrische Schalttafel, in Doel 3 schlug eine Heißwasserleitung des Reaktors leck. Die Betreiberfirma Electrabel spielte die Vorfälle herunter. Beide Zwischenfälle hätten sich im nichtnuklearen Bereich abgespielt. Das ist dreist! Reaktoren überhitzen, wenn die radioaktive Zerfallswärme nicht mehr abgeführt werden kann. Und versagende Steuerungselemente sind nicht sehr beruhigend. Im nuklearen wie im nichtnuklearen Bereich werden die gleichen Schaltelemente verwendet. Außerdem hängt der Betrieb der Atomreaktoren vom Funktionieren der Technik in beiden Bereichen ab.

Die insgesamt sieben belgischen Atomreaktoren offenbaren, wie skrupellos internationale Energiemonopole und europäische Regierungen Leben und Gesundheit von Millionen Menschen riskieren. Im März 2014 wurden in Doel 3 über 13.000 Haarrisse im Reaktordruckbehälter gefunden, die größten über 18 Zentimeter lang. Bei Tihange 2 kam man auf 3.150 Haarrisse mit einer Länge bis zu 15,5 Zentimetern.

Die belgische Atomaufsicht FANC selbst stellte eine „unerwartete Brüchigkeit“ des Behältermaterials fest. Bei einer Kühlung mit kaltem Wasser nach einem Unfall könnte die Mantelung brechen und Radioaktivität austreten. Aber im Dezember 2015 sieht die belgische Atomaufsicht plötzlich kein Sicherheitsrisiko mehr. Auch die belgische Regierung schwenkt um, die noch 2011 den Atomausstieg für 2015 verkündete. Jetzt verlängerte sie die Reaktorlaufzeiten bis 2025!

Es ist nichts dagegen zu sagen, wenn sich NRW-Landespolitiker wie Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD),Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) oder Bundesumweltministerin Barbara Hendricks lautstark gegen die belgischen „Bröckelreaktoren“ wenden. Aber dann müssten sie gleichermaßen dagegen vorgehen, dass die Urananreicherungsanlage Gronau in Nordrhein–Westfalen den Betrieb vieler europäischer Atommeiler erst ermöglicht.

Im europäischen Atomgeschäft aktiv sind auch die beiden größten deutschen Energiemonopole RWE und E.on, beide mit Sitz in Nordrhein–Westfalen. Der belgische Energiekonzern Electrabel ist eine 100-prozentige Tochter des französischen Übermonopols Engie SA. Engie SA und E.on haben November 2009 gegenseitige Stromlieferverträge abgeschlossen, wonach Engie SA Strom aus den Kernkraftwerken Krümmel, Grundremmingen und Unterweser erhält, E.ON Strom aus den belgischen Reaktoren Doel 1, Doel 2 und Tihange 1.

Das Problem beginnt also nicht erst in Belgien! Es ist die Atompolitik der EU-Imperialisten, denen die Gefahren dieser unbeherrschbaren Technologie genauso egal sind wie ihren Pendants überall auf dieser Welt. Deshalb tritt die MLPD für die weltweite Stilllegung aller Atomanlagen auf Kosten der Betreiber ein.

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