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Absturz von Chinas Börsen - Weltwirtschaft vor neuem Einbruch?

Absturz von Chinas Börsen - Weltwirtschaft vor neuem Einbruch?

Filiale der Industrial and Commercial Bank of China (foto: Public Domain)

08.01.16 - In Schanghai wurde der Aktien-Handel am Donnerstag zum zweiten Mal in dieser Woche wegen eines mehr als siebenprozentigen Kursrutsches per Notbremse abgebrochen. Das hat von Tokio bis New York für kräftige Kursrückgänge an den Börsen gesorgt. Der Deutsche Aktien-Index (Dax) sackte um über 7 Prozent ab. Die Kurse an der New Yorker Wall Street rutschten ebenfalls mit mehr als 4 Prozent ins Minus. Fast 2,5 Billionen Dollar an Aktienwerten wurden seit Beginn des Jahres vernichtet.

Auslöser für den neuerlichen Kurseinbruch am Donnerstag waren Meldungen über eine weitere Abschwächung des chinesischen Wirtschaftswachstums. Vieles deutet darauf hin, dass das tatsächliche Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) viel geringer ist als das offiziell angegebene von 6,9 Prozent. Dabei entspricht das schon der niedrigsten Wachstumsrate seit 25 Jahren. Chinesische Im- und Exporte sind 2015 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 10 Prozent zurückgegangen.

Die kürzlich erfolgte erneute Abwertung der chinesischen Währung Yuan durch Chinas Notenbank sollte dem entgegenwirken. Sie bringt offensichtlich ebenso wenig wie zahlreiche vorangegangene staatliche Kapitalspritzen zur Ankurbelung der Wirtschaft. Der Gegensatz zwischen den spekulativ angeheizten Profiterwartungen und dem dahinter zurückbleibenden Wachstum des BIP Chinas bricht immer öfter offen aus. Angesichts dessen wächst auch weltweit die Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung in den Chefetagen der internationalen Monopole, unter den Aktienbesitzern und bürgerlichen Ökonomen.

Ein wesentlicher Grund dafür ist auch, dass die 500 größten internationalen Übermonopole im Jahr 2014 zusammen nur ein Umsatzwachstum von 0,5 Prozent verzeichneten. Auch das Wachstum des BIP der meisten neuimperialistischen BRICS- und MIST-Ländern hat sich deutlich abgeschwächt. In Russland sank es um 0,7 Prozent und in Brasilien sogar um 2,5 Prozent. Die Weltbank schließt auch einen plötzlichen Absturz der Wirtschaft Chinas nicht mehr aus.

"Insbesondere das Abbrechen der astronomischen Wachstumsentwicklung in China hat die Weltwirtschaft ins Stottern gebracht. Die internationale schwankende Stagnation hat bereits eine ganze Reihe von Faktoren herausgebildet, die in eine neue Weltwirtschafts- und Finanzkrise münden können", analysierte der MLPD-Vorsitzende Stefan Engel im Interview mit dem "Rote-Fahne"-Magazin. Bei einer neuen Weltwirtschafts- und Finanzkrise ist damit zu rechnen, dass vor allem Deutschland aufgrund seiner hohen Exportabhängigkeit verstärt betroffen sein wird, mit umfassenden Auswirkungen auf die breite Masse der Bevölkerung.

Die chinesischen Monopole versuchen, ihre Probleme mit einer Verschärfung der Ausbeutung zu lösen. Löhne werden unter das Existenzminimum gedrückt, Werke geschlossen oder verlagert, Massenentlassungen vorgenommen. Aber auch der Widerstand dagegen wächst. Die Zahl der bekannt gewordenen Streiks und Proteste stieg 2015 auf 2.509 gegenüber dem Vorjahr mit 1.379. Ende Dezember traten 7.000 Stahlarbeiter der Qingdao Iron and Steel Holding in der chinesischen Provinz Shandong in den Streik, weil ihre Fabrik verlagert werden soll. In Shenzhen protestieren am 28. Dezember 2015 Hunderte von Arbeitern für die Zahlung ihrer ausstehenden Löhne.

Auch in China steht und fällt die Höherentwicklung dieser Kämpfe mit ihrer internationalen Koordinierung und Revolutionierung durch die Verbindung mit der Perspektive einer erneuten sozialistischen Revolution. Dazu müssen auch die marxistisch-leninistischen Kräfte in dem Land stärker werden.

Korrekturhinweis: In der ursprünglich hier veröffentlichten Version des Artikels war die Aussage enthalten, dass Chinas Industrieproduktion sinke. Tatsächlich sinken die Wachstumsraten. Dies wird auch im Interview des "Rote-Fahne"-Magazins mit dem MLPD-Vorsitzenden Stefan Engel ausgeführt: "Insbesondere das Abbrechen der astronomischen Wachstumsentwicklung in China hat die Weltwirtschaft ins Stottern gebracht."

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