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Bombentest in Nordkorea: Heuchelei der Atommächte

Bombentest in Nordkorea: Heuchelei der Atommächte
Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un - die US-amerikanische Wasserstoffbombe "Castle Bravo" detoniert 1954 in einem Test über dem Pazifik (Fotos:privater Blog/US Departement of Energy; montage "rf-news")

07.01.16 - Die Regierung Nordkoreas behauptet, gestern eine nukleare Bombe getestet zu haben. Die nordkoreanische Herrscher-Clique verfolgt damit vor allem eigene regionale Vorherrschaftsansprüche. Wenn nun in den westlichen bürgerlichen Massenmedien der übliche Aufschrei folgt, das "kommunistische" Nordkorea gefährde den Weltfrieden, soll das nur antikommunistische Vorbehalte schüren.

Mit "kommunistisch" hat dieses reaktionäre bürokratisch-kapitalistische System rein gar nichts zu tun. Sein Personenkult mit abartigen Zügen einer feudalen Dynastie widerspricht zutiefst allen Grundsätzen des Sozialismus/Kommunismus. Ob es sich tatsächlich um eine Wasserstoffbombe (H-Bombe) gehandelt hat, bleibt nach wie vor unklar. Verschiedene Wissenschaftler zweifeln an der nordkoreanischen Behauptung. So erklärt die "Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe" (BGR) Hannover, dass die Detonation drei bis viermal heftiger hätte ausfallen müssen.

US-Außenminister John Kerry sieht durch den Test "den Frieden und die Sicherheit in der Welt" gefährdet und kündigt die weitere Verlegung strategischer Waffen der USA nach Südkorea an. Das sagt ein Vertreter des US-Imperialismus, der Macht mit dem nach Russland zweitgrößten Atomwaffenarsenal auf der Welt. Die USA beanspruchen zusammen mit China, Russland, Frankreich und Großbritannien wie selbstverständlich den Besitz von Atomwaffen. Den "Atomteststoppvertrag" vom 24. September 1996 hat die USA bis heute nicht ratifiziert. Sie selbst haben schon 1.032 Atomtests, darunter Wasserstoffbombenexplosionen, durchgeführt, davon 228 oberirdisch. Sie haben in Hiroshima und Nagasaki als erster und einziger Staat Atomwaffen eingesetzt, mit unendlichem Leid für die Bevölkerung. Im Irak-Krieg 2003 hatte die USA offen mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht.

Das Abkommen zwischen den USA und Russland vom 26. März 2010 mit dem Anspruch der Abrüstung strategischer Atomwaffen führte bisher nur zur Einlagerung einiger Sprengköpfe und Startsysteme, es wurden auf beiden Seiten kaum stationierte Atomstreitkräfte abgezogen. Stattdessen wird fieberhaft an der Modernisierung des Atomwaffenarsenals gearbeitet - mit neuen Raketensprengköpfen, U-Booten und einer neuen Generation von Interkontinentalraketen.

Das macht deutlich, dass die Gefahr des Einsatzes von Atomwaffen und eines atomaren Weltkriegs keineswegs vorbei ist, im Gegenteil: Sowohl die westlichen imperialistischen Staaten, als auch die Atommacht Russland, als auch verbündete inoffizielle Atommächte wie Israel oder Indien oder bürokratisch-kapitalistische Systeme wie Nordkorea kämpfen um Einflussspären in der Welt. Umso größer ist diese Gefahr angesichts wachsender Kriegsbrandherde wie in Syrien mit der Gefahr des unmittelbaren Aufeinandertreffens der führenden imperialistischen Mächte. Es bleibt Aufgabe der Völker unter Führung des internationalen Proletariats, den imperialistischen Kriegstreibern das Handwerk zu legen, aber auch reaktionären Regionalmächten wie der skurilen "Erbmonarchie" in Nordkorea. Notwendig ist heute schon der Kampf für das Verbot und die Vernichtung aller ABC-Waffen auf der Welt.

Mehr zur aktuellen Weltlage im aktuellen Interview von Stefan Engel mit dem "Rote Fahne"-Magazin. Es kann hier gelesen werden!