Politik

Breite Debatte über sexuelle Übergriffe am Kölner Hauptbahnhof

Breite Debatte über sexuelle Übergriffe am Kölner Hauptbahnhof
In der Menschenmenge vor dem Kölner Hauptbahnhof wurden auch Böller und Feuerwerk gezündet (foto: screenshot)

05.01.16 - In der Silvesternacht ist es am Kölner Hauptbahnhof zu massiven sexuellen Übergriffen von Gruppen teils betrunkener Männer zwischen 15 und 35 Jahren gekommen. Die Polizei griff im Wesentlichen nicht ein und war - so die Berichte - "überfordert". Inzwischen haben rund 90 Frauen Anzeige erstattet. Viele von ihnen wurden beraubt, mindestens 15 wurden sexuell belästigt. Es soll auch zu einer Vergewaltigung gekommen sein. Diese sexuelle Gewalt gegen Frauen ist entschieden zu verurteilen, es gibt dafür keinerlei Rechtfertigung. Die Verantwortlichen müssen ausfindig gemacht und bestraft werden.

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat für heute einen Krisengipfel einberufen. Bis jetzt ist relativ unklar, von wem die Übergriffe konkret ausgingen. In der Silvesternacht wurde niemand festgenommen. Erst am Sonntag gab es Festnahmen von Taschendieben, die aber mit den Vorfällen von Silvester nichts zu tun haben müssen. Die Polizei geht offensichtlich auch davon aus, dass die Täter extra nach Köln reisten, um das Gedränge in der Silvesternacht auszunutzen.

Die Medien sind bundesweit voll von Schlagzeilen, in denen ein unmittelbarer Zusammenhang zu einer Ansammlung von feiernden vorwiegend jungen Menschen vor dem Hauptbahnhof gezogen wird. Bei den Tätern soll es sich "dem Aussehen nach" vor allem um "Nordafrikaner" und "arabisch sprechende junge Männer" gehandelt haben. Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) prägt schon ein klares Feindbild: "Wir nehmen es nicht hin, dass sich nordafrikanische Männergruppen organisieren, um wehrlose Frauen mit dreisten sexuellen Attacken zu erniedrigen."

Selbst wenn Nordafrikaner beteiligt waren, rechtfertigt das keine pauschale Stimmungsmache gegen bestimmte Migrantengruppen. Wären Deutsche daran beteiligt gewesen, würde auch nicht die Tatsache hervorgehoben, dass es "deutsche junge Männer" waren. Genauso lehnt die Mehrheit der Migranten aus diesen Regionen ein solches Verhalten ab.

Solche sexuellen Übergriffe auf Frauen sind Ausdruck einer dekadenten patriarchalen Denkweise, die ihren Ausgangspunkt in der systembedingten besonderen Unterdrückung der Frauen im Kapitalismus hat. Gefördert wird sie gerade in Deutschland durch eine allgegenwärtige Pornografiekultur mit öffentlicher Werbung für Bordelle und "Flatrate-Bumsen". Eine Quelle dafür ist aber auch der Einfluss reaktionärer frauenfeindlicher Traditionen.

Deshalb war der Kampf für die Befreiung der Frau und gegen solche Traditionen fester Bestandteil der demokratischen Aufstandsbewegung in Nordafrika und den arabischen Ländern. Im nordsyrischen Rojava, wo diese Bewegung im Unterschied zu den anderen Ländern nicht in einer Sackgasse, sondern in einer erfolgreichen demokratischen Revolution mündete, wurden weitgehende Rechte und die Gleichberechtigung der Frauen erkämpft.

Es ist Wachsamkeit dagegen geboten, dass solche Vorfälle benutzt werden, um rassistische Vorbehalte gegen Flüchtlinge und Menschen mit Migrationshintergrund zu schüren und gleichzeitig Stimmung für den Ausbau der staatlichen Überwachung mit noch mehr Videokameras an den Bahnhöfen usw. zu machen. Der Kampf gegen Gewalt an Frauen und die internationalistische Solidarität mit Flüchtlingen gehören untrennbar zusammen!

Frauengruppen rufen für heute Abend um 18 Uhr zu einer Protestaktion auf der Domplatte gegen die sexuellen Übergriffe auf. Sie lehnen die Beteiligung von Faschisten und Rassisten ab und distanzieren sich davon, Stimmung gegen bestimmte Volks- oder Religionsgruppen zu machen.

Mehr zu den Standpunkten der MLPD im Interview von Stefan Engel mit dem "Rote Fahne"-Magazin. Es kann hier gelesen werden!