Umwelt

Giftmüll unter Tage - Gutachten bestätigt kämpferische Bergarbeiterbewegung und "Katastrophenalarm!"

Giftmüll unter Tage - Gutachten bestätigt kämpferische Bergarbeiterbewegung und "Katastrophenalarm!"
Christian Link: Das gegen ihn verhängte Anfahrverbot muss sofort aufgehoben werden!

26.03.16 - Am 14. März 2016 wurde ein ausführliches Zwischengutachten im Auftrag der Landesregierung Nordrhein-Westfalen zum Thema Giftmüll in stillgelegten Bergwerken der RAG veröffentlicht (siehe auch Kurzmeldung in rf-news am 21. März 2016). In der aktuellen Stunde des WDR und im Magazin "Der Spiegel" wurde am 19. März über die brisanten Ergebnisse berichtet. Nach diesem Gutachten ist erwiesen:

  • Werden die Schächte, in die der Giftmüll eingelagert wurde, geflutet, weil die RAG das Abpumpen des Grubenwassers zurückfährt, werden die Gifte vom aufsteigenden Wasser freigesetzt.
  • Die giftigen Filterstäube, die damals mit einer zementartigen Masse verfüllt wurden, sind nur teilweise richtig ausgehärtet. Auch die ausgehärtete Masse wird durch das stark salzhaltige Grubenwasser wieder zersetzt und die Gifte werden freigesetzt.
  • Bei diesen Giften vorwiegend aus Filterstäuben und Schlacke aus Müllverbrennungsanlagen handelt es sich um Ultragifte: Schwermetalle wie Quecksilber und Arsen, PCB, Dioxine und Furane.
  • Das Gutachten hat die 10.000 Tonnen PCB-Rückstände durch versickerte Hydraulikölen bestätigt; ebenso die Tatsache, dass heute schon PCB über Grubenwasser in hohen Konzentrationen in die Flüsse Ruhr und Emscher eingeleitet wird. Die von der RAG und der Bergbaubehörde in Arnsberg verwendeten PCB-Messmethoden waren untauglich und objektiv ein Betrug an der Öffentlichkeit.

Das Wirtschaftsministerium NRW hat jetzt angeordnet, dass die RAG und ihre Aufsichtsbehörde alle Maßnahmen stoppen sollen, die mögliche Konsequenzen aus dem Gutachten verhindern, z.B. Zurückholen des Sondermülls. Dazu der Geschäftsführer des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Dirk Jansen im SPIEGEL: "Das bedeutet, dass die RAG ihre Pumpen sofort wieder anstellen muss, um einen weiteren Anstieg des Wassers zu stoppen." Das Dumme ist nur (und wird auch von den genannten Medien verschwiegen), dass die RAG bereits nach eigenen Angaben einen Großteil der Giftmüll-Stollen in 800 bis 1.000 Metern Tiefe geflutet hat. RAG-Vorstandsvorsitzender Bernd Tönjes im Interview mit der WAZ vom 10.9.15 wortwörtlich: "85 Prozent von den 1,6 Millionen Tonnen stehen schon jetzt unter Wasser."

Es fällt auf, dass in den jetzigen Veröffentlichungen auch "nur" noch von 600.000 Tonnen Giftmüll die Rede ist. Sowohl die RAG wie auch die Müllverbrennungs-Betreiber haben sich an diesem skrupellosen Deal eine goldene Nase verdient und belügen weiter die Öffentlichkeit. In einer ersten Stellungnahme tönte die RAG, das Zwischengutachten würde nichts an ihrer bisherigen Position ändern. Eine gezielte Irreführung der Öffentlichkeit ist auch, dass in den bürgerlichen Medien so getan wird, als wäre die Aufdeckung des Skandals nur der unermüdlichen Arbeit der Umweltorganisation BUND zu verdanken. Richtig ist dagegen, dass ein besorgter Landwirt 2013 auf eigene Kosten Boden- und Wasserproben untersuchen ließ, nachdem Teile seiner Ackerböden keinerlei Bewuchs mehr zeigten, und den Skandal dadurch ans Tageslicht brachte. Die kämpferische Bergarbeiterbewegung um "Kumpel für AUF" und ihr Sprecher Christian Link verbreiteten die Tatsachen im Ruhrgebiet.

Breit informiert und der Widerstand organisiert wird von der MLPD, den Kumpel um die Bergarbeiterzeitung "Vortrieb" und der Umweltgewerkschaft. Bereits im März 2014 wurde mit Erscheinen des Buchs "Katastrophenalarm – was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?" von Stefan Engel der Skandal in voller Dimension aufgedeckt (S.168 ff.). In Verbindung mit dem Kampf gegen die Stilllegung der Zechen muss nun der breite und organisierte Umweltkampf entwickelt werden.

Dazu gehört auch die sofortige Rücknahme des Anfahrverbots für Christian Link, dessen Warnungen durch das Gutachten noch einmal ausdrücklich bestätigt wurden. Das gegen ihn verhängte Anfahrverbot wurde ausdrücklich damit begründet, dass er die Unwahrheit gesagt habe! Dieser Vorwurf ist nun vollends unhaltbar.

rf-news berichtete mehrfach, u.a. im Artikel "Die Lüge vom 'ungefährlichen' PCB-verseuchten Gruben- und Grundwasser" am 24. August 2015