Wirtschaft

Stahlarbeiter und Umweltbewegung international: Kampf um jeden Arbeitsplatz und gegen die globale Umweltkatastrophe

Stahlarbeiter und Umweltbewegung international: Kampf um jeden Arbeitsplatz und gegen die globale Umweltkatastrophe
Stahlwerke in Duisburg (foto: Arnoldius/CC BY-SA 3.0)

31.03.16 - "Schockszenario in der Stahlindustrie“, so die gestrige Schlagzeile der Onlineausgabe von „der Westen“. In Deutschland würden bis zum Jahr 2030 „bis zu 380.000 Arbeitsplätze verschwinden, wenn es in der Stahlindustrie zu einem exogenen Schock kommt“.¹ Dabei wird sich auf eine „Prognos“–Studie im Auftrag der Wirtschaftsvereinigung Stahl bezogen. Die EU plant ab dem Jahr 2021 eine Kürzung der Zertifikate für den CO2-Ausstoß. Bisher zahlen die Stahlkonzerne etwa 7 Euro pro Tonne CO2, die EU Kommission will auf 20 bis 40 Euro erhöhen.

Dagegen ist Widerstand angesagt. Der Kampf um jeden Arbeitsplatz international ist der einzige richtige Weg, diesem Kahlschlag Paroli zu bieten. Aber die Stahlarbeiter und ihre Kinder brauchen auch eine gesunde und intakte Umwelt, um jetzt und in Zukunft gut leben zu können. Deshalb gehören diese Kämpfe zusammen. Am 11. April wird es einen Stahlaktionstag in Duisburg geben, wo es gilt, diesen gemeinsamen Kampf in der internationalen Arbeitereinheit durchzusetzen.

Was jetzt seitens der Herrschenden inszeniert wird, ist ein Ausspielen der Stahlarbeiter gegen die Umweltbewegung. Die Stoßrichtung der Berichterstattung in den bürgerlichen Massenmedien ist, dass ein Erhalt der Arbeitsplätze nur im Kampf gegen die Zertifikat-Kürzungen der EU möglich sei. Dem dürfen die Kolleginnen und Kollegen in der Stahlindustrie nicht aufsitzen! Denn die Zertifikate für schmutzige Luft sind nichts anderes als Ablasshandel. Damit wird den Hauptverursachern der drohenden Umweltkatastrophe das Recht erteilt, mit Treibhausgasen die Existenz der Menschheit aufs Spiel zu setzen. Fakt ist, dass mit der Einführung von Verschmutzungszertifikaten die CO2 Emissionen drastisch gestiegen sind (von 1990 bis 2013 um 61 Prozent).² 

Mit der in Szene gesetzten Studie geht es in Wahrheit um eine bewusste Irreführung: Es geht den Stahlmonopolen einzig und allein darum, ihre Position im Konkurrenzkampf zu verbessern. Seit der Weltwirtschaftskrise von 2008 bis 2014 sind ThyssenKrupp und Co. im Konkurrenzkampf gegenüber China massiv ins Hintertreffen geraten. Deshalb ist eine drastische Arbeitsplatzvernichtung in der Stahlindustrie geplant. Die EU will dies mit Geldern großzügig mitfinanzieren und die rechte Gewerkschaftsführung der IG Metall in NRW steht eilfertig zur Seite und trägt den Betrug an den Arbeitern mit, wenn sie fordert, "sauberen" deutschen Stahl "schmutzigem" chinesischen vorzuziehen.

Tatsächlich fallen für eine produzierte Tonne Stahl 1,5 t CO2 und in China 1,8 t CO2 an. „Gemessen an der ökologischen Notwendigkeit, die Emissionen drastisch herunterzufahren stellen diese 20 Prozent keinen wesentlichen Unterschied dar“.³, heisst es im "Rote Fahne"-Magazin 5-2016.

Die Stahlarbeiter erleben angesichts der Arbeitshetze tagtäglich, dass die Stahlbosse ihr Wohl und Wehe überhaupt nicht interessiert. Die Stahlmanager haben auch keine Träne geweint als sie seit 2008 85.000 Arbeitsplätze in der europäischen Stahlindustrie vernichtet haben. Ihnen geht es einzig um ihre Maximalprofite, für die sie bereit sind, entweder das Letzte aus ihren Arbeitern herauszutreiben, oder massenhaft Arbeitsplätze zu vernichten.

Die Stahlarbeiter haben kein Interesse, sich vor den Karren der Umweltzerstörer und Arbeitsplatzvernichter spannen zu lassen. Die Stahlarbeiter in China stehen vor derselben Situation: Auch in China kennen die Stahlbosse kein anderes Mittel, um ihre Profite zu sichern als sie auf dem Rücken ihrer Arbeiter auszutragen. In China sollen bis zu 400.000 Arbeitsplätze verschwinden.

Es ist ein Ziel der Stahlmonopole, die nötige internationale Front der Stahlarbeiter zu sprengen. Auf diese Spaltungstaktik orientiert auch die IG Metall-Führung, wenn sie jetzt alle Stahlarbeiter zu einem Aktiontag am 11. April nach Duisburg einlädt. Der Kampf der Stahlarbeiter gegen Arbeitsplatzabbau ist absolut richtig, aber nicht an der Seite der europäischen Stahlmonopole im Kampf gegen die Rettung der natürlichen Umwelt! Es liegt an den Kolleginnen und Kollegen vor Ort, den internationalen Zusammenschluss, die internationale Arbeitereinheit, und den gemeinsamen Kampf der Stahlarbeiter gegen die Abwälzung der Krisenlasten in den Mittelpunkt dieses Tages zu stellen. Es gilt in diesem Zusammenhang den Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz sowie die Einführung der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich in der Stahlindustrie zu verankern und zu fordern.

Deshalb kann es gegen die Lügen und dreisten Arbeitsplatzvernichtungspläne der Stahlmonopole, gegen den Umweltbetrug der EU und gegen die üblen Spaltungsmanöver der rechten IG Metall-Führung nur den Weg des gemeinsamen Kampfes aller Stahlarbeiter über Ländergrenzen hinweg geben - zusammen mit der Umweltbewegung. 

¹) „der Westen“ vom 30. März 2016

²) Stefan Engel: "Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?"

³) „Rote Fahne-Magazin“, Nr. 5/16

In der ersten Fassung des Artikels war CO2 falsch geschrieben. Wir bedanken uns bei einem Leser für die Korrektur.