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Faschistische Vereinigung in Freital - nur eine weitere Spitze des Eisbergs

Faschistische Vereinigung in Freital - nur eine weitere Spitze des Eisbergs

22.04.16 - Mit einem Großaufgebot von Bundespolizei, GSG 9, sächsischer Polizei und Beamten des Bundeskriminalamts wurden am Morgen des 19. April vier Männer und eine Frau festgenommen. Sie werden verdächtigt, Mitglieder der faschistischen Kameradschaft „Gruppe Freital“ zu sein. Ihnen werden Sprengstoffattentate, gefährliche Körperverletzung und versuchter Mord vorgeworfen.

Die „Gruppe Freital“, bestehend aus Justin S. (18), Rico K. (39); Maria K. (27), Sebastian W. (25), Mike S. (26), Timo S. (27), Patrick F. (24) und Philipp W (29) gründete sich im Juli 2015 und wird mit mindestens drei Verbrechen in Verbindung gebracht. So sollen sie im September und im November 2015 jeweils ein Flüchtlingsheim in Freital mit Sprengstoff angegriffen haben. Bei einem davon wurde ein Bewohner von herumfliegenden Glas verletzt.

Die Bande nahm die Verletzung, oder noch schlimmeres, der Bewohner billigend in Kauf. Außerdem überfiel sie eine alternative Wohngemeinschaft, wo sie randalierte und versuchte illegale Feuerwerkskörper in die Wohnung zu werfen. Laut Aussage der Staatsanwaltschaft, plante sie noch weitere Anschläge, was auch durch Funde in den Wohnungen der Festgenommen bewiesen wurde.

Mitlerweile lautet die Anklage der Staatsanwaltschaft auf Bildung einer rechtsterroristischen Vereinigung, Durchführung von Sprengstoffanschlägen, schwere Körperverletzung und versuchten Mord.

Ein organisatorischer Zusammenhang der "Gruppe Freital" zum "NSU" kann bisher nicht nachgewiesen werden, wohl aber zur faschistischen "Bürgerwehr FL/360" aus Freital. Diese hatte sich nach der Unterbringung von Flüchtlingen im Ort gegründet und ihren Hass auf Flüchtlinge, politisch fortschrittlich und revolutionäre Organisationen und Personen zum Teil offen im Internet verbreitet.

Sowohl die "Bürgerwehr" als auch die "Gruppe Freital" vertreten offen den Kampf gegen Flüchtlinge und "politische Gegner" aus rassistischen und faschistischen Motiven. Die "Gruppe Freital" schreckte offenbar auch vor der physischen Vernichtung ihrer "Gegner" nicht zurück, wie die Sprengstoffanschläge deutlich machen.

Seit der Aufdeckung der „NSU“-Morde ist klar, dass diese faschistischen Vereinigungen oft mit Teilen des „Verfassungsschutzes“ verbunden sind. Wie ist es sonst zu erklären, dass die Gruppe zwar seit Monaten bekannt war, aber ihr faschistischer Terror geduldet wurde.

Die faschistische Terrorgruppe "NSU" umfasst(e) mehrere Dutzend Personen von denen die meisten nach wie vor auf freiem Fuß sind. Sie gingen aus dem, vom thüringischen "Landesamt für Verfassungsschutz" (LfV) aufgebauten, faschistischen "Thüringer Heimatschutz" hervor. Insgesamt geht das Bundeskriminalamt mit Stand von Mitte September 2015 von zuletzt 110 mit offenen Haftbefehlen untergetauchten Rechtsextremisten aus.

Den Hass der Faschisten ziehen sich besonders fortschrittliche Veranstaltungen wie das „Rebellische Musikfestival“ zu, die die Solidarität mit den Flüchtlingen aktiv organisieren und leben. Das am Pfingstwochenende, 13. bis 16. Mai stattfindende „Rebellische Musikfestival“ wurde von Unterstützern des faschistischen „Rock für Identität“-Festivals bedroht. (siehe hier) Es wird sich dadurch nicht einschüchtern lassen und ein antifaschistischer Wegstein in Süd-Thüringen sein.

Der Oberbürgermeister der Stadt Freital, Uwe Rumberg (CDU), hat sich nach den Festnahmen für ein entschiedenes Vorgehen gegen „Extremismus“ ausgesprochen, was offen auch gegen fortschrittliche und revolutionäre Menschen geführt werden kann. Er verwischt damit den prinzipiellen Unterschied zwischen rechts und links und relativiert den faschistischen Terror. Wie viele Monopolpolitiker von CDU und CSU legitimiert er das mit Aussagen wie: Die Asylbewerber seien „Glücksritter“, die nur nach Deutschland kämen, um auf Kosten der Gemeinschaft ein sorgenfreies Leben ohne Gegenleistung zu führen, den Hass und die Gewalt anfacht.

Die Forderung nach dem „Verbot aller faschistischen Parteien und Organisation, sowie ihrer Propaganda“ und die entschiedene Strafverfolgung der faschistischen Täter ist heute aktueller den je.