Umwelt

Giftmüll unter Tage – Deckel drauf?

Giftmüll unter Tage – Deckel drauf?

29.04.16 - Bergleute hatten "rf-news" informiert, dass eine Genehmigung der Bezirksregierung Arnsberg vorliegen würde, die Schächte der außer Betrieb genommenen Zeche Auguste Victoria (AV) in Marl zu verfüllen. Ein brandheißes Eisen, denn damit würden in Sachen Giftmüll, der dort über Jahre eingelagert wurde, Tatsachen geschaffen (Giftmüll unter Tage - Gutachten bestätigt kämpferische Bergarbeiterbewegung und "Katastrophenalarm!").

Außerdem ist inzwischen eine untertägige PCB-Kontamination nachgewiesen. Wenn diese Stoffe einfach unter Tage verbleiben, besteht höchste Gefahr, dass damit Grundwasser und Boden verseucht werden. Deshalb hat die Landesregierung NRW Anweisung gegeben, bis auf weiteres nichts an der Wasserhaltung zu verändern und den Zugang offen zu halten.

Andreas Nörthen, Pressesprecher der Abteilung Bergbau und Energie der Bezirksregierung Arnsberg, bestätigte gegenüber "rf-news", dass aktuell Schacht 8 verfüllt würde. Über andere Schächte würde aber weiter Zugang zur 6. Sohle bestehen und damit zum PCB. Insofern sei die Verfüllung mit der Anweisung der Landesregierung vereinbar.

Auf Nachfrage, ob die Ruhrkohle AG (RAG) als Zechenbetreiber mit der Verfüllung von Schacht 8 einen weiteren Schritt in die Richtung geht, vollendete Tatsachen zu schaffen, antwortet Nörthen: "Wenn Sie das so interpretieren".

Interpretationsbedarf scheint es auch über die Frage des Giftmülls zu geben. In der Umgangssprache der Behörde werden 100.000 Tonnen hochgiftiger Stoffe aus Müllverbrennungsanlagen lieber verharmlosend als "Versatzproblematik" bezeichnet. Hintergrund ist, dass der Giftmüll mit anderen Stoffen vermischt zum Auffüllen ausgeraubter Schächte verwendet wurde – was die RAG sich gut bezahlen ließ. Das macht ihn aber nicht weniger giftig.

Höchste Wachsamkeit ist geboten, denn, wie das „Rote Fahne“-Magazin Anfang April berichtete, wird auch an anderen Schächten von AV bereits Material zum Verfüllen gestapelt.