Umwelt

Heute vor 30 Jahren: Atomarer Super-GAU in Tschernobyl

Heute vor 30 Jahren: Atomarer Super-GAU in Tschernobyl
Der zerstörte Reaktorblock in Tschernobyl (foto: JoMa)

26.04.16 - Am 26. April 1986 ereignete sich in Tschernobyl in der heutigen Ukraine eine furchtbare Atomkatastrophe mit Auswirkungen bis heute. Neben Fukushima (2011), Harrisburg (1979) und Majak (1957) war es einer der größten Super-GAUs in der verheerenden Geschichte der Atomkraftwerke. Seit den 1950er Jahren kam es weltweit zu 20 Kernschmelzen in militärischen und kommerziellen Reaktoren. Nach der Explosion eines Reaktors in Tschernobyl zogen eine gewaltige radioaktive Wolke und Niederschläge über viele Länder Europas. Im Umkreis von Tschernobyl starben in den folgenden Jahren etwa 100.000 Menschen an der Verstrahlung.

Die Internationalen Ärztinnen und Ärzte zur Verhütung eines Atomkrieges (IPPNW) schrieben Anfang 2016, dass sie langfristig mit bis zu einer halben Million Krebstoten rechnen. Ein großes Problem seien die Geheimhaltung und Vertuschung der betroffenen Länder Ukraine und Russland, aber auch durch internationale Gremien wie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der internationalen Atomenergieorganisation (IAEO).

Noch lagern 2.000 Tonnen brennbares Material, 200 Tonnen Uran und einige 100 Kilogramm des hochgiftigen Plutoniums in dem "Sarkophag", dem zubetonierten Reaktor. Dieser Betonsarg ist aber mit Rissen und Löchern durchsetzt und bietet keinen Schutz für die bis zu 340.000 Jahre anhaltende Strahlung. Seit zehn Jahren ist ein neuer "Sarkophag" aus 29.000 Tonnen Stahl im Bau. Die Region bleibt eine strahlende Todeszone entgegen allen Verharmlosungen.

Trotz aller Beteuerungen auf Gedenkveranstaltungen haben die bürgerlichen Politiker und das allein herrschende internationale Finanzkapital nichts aus den Katastrophen gelernt. Die japanische Regierung will die verbliebenen 50 Reaktoren gegen den Widerstand der Bevölkerung wieder anschalten. Die maroden AKWs in Belgien in dem bevölkerungsreichen Ballungsgebiet sollen am Netz bleiben. Mit 80 Milliarden Euro will die EU in den nächsten Jahren den Ausbau der Atomenergie finanzieren.

Die unverantwortliche Nutzung der Kernenergie aus Profitgründen gefährdet die ganze Menschheit. Im März 2014 veröffentlichte das Buch "Katastrophenalarm!" von Stefan Engel Zahlen über die Planung von weltweit 557 neuen AKWs: "Neben den Profitinteressen der Atomkonzerne sind es die machtpolitischen und militärischen Interessen, die den Bau und Weiterbetrieb der Atomkraftwerke beflügeln."

Nach den Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima hat sich eine weltweite, Millionen Menschen umfassende Anti-Atom-Bewegung entwickelt. Die sofortige Abschaltung der acht ältesten und störanfälligsten Atommeiler in Deutschland war ein wichtiger Erfolg der Anti-AKW-Bewegung nach der Katastrophe von Fukushima. Obwohl die Merkel-Regierung zuvor noch die Laufzeiten verlängert hatte, musste sie dem Druck nachgeben und einen schrittweisen "Atomausstieg" bis zum Jahr 2022 zugestehen. Ihre ganze Heuchelei wird aber daran deutlich, dass sie  die Kernenergie als "notwendige Brückentechnologie" verharmlost. Damit rechtfertigt sie die menschenverachtende Atompolitik und ihre Subventionen für die Entwicklung neuer AKW-Generationen im Interesse europäischer Kraftwerksbauer und Energiekonzerne.

30 Jahre nach Tschernobyl ist der Kampf für die weltweite Stilllegung aller Atomkraftanlagen sowie nach Verbot, Ächtung und Vernichtung aller ABC-Waffen aktuell wie nie. Anlässlich des 25. Jahrestags der Tschernobyl-Katastrophe im Jahr 2011 hieß es in einer Resolution der revolutionären Weltorganisation ICOR: "Ergreifen wir die Initiative für breite Aktionseinheiten mit einer klaren antiimperialistischen Stoßrichtung gegen die verbrecherische Politik der Atomkonzerne. Verbinden wir dies mit einer Kritik an dem kapitalistischen System, das immer neue wirtschaftliche, politische und ökologische Krisen produziert. Organisieren wir überall Demonstrationen, Kundgebungen oder Veranstaltungen als Teil des Aufbaus einer weltweiten Widerstandsfront zum Erhalt der Lebensgrundlagen der Menschheit." (Vollständiger Text der Resolution)