Betrieb und Gewerkschaft

Waiblingen: Solidarität war Herzenssache

07.05.16 - Damit hatte der Montagechef bei Bosch Packaging in Waiblingen nicht gerechnet. Eine Stunde musste er etwa 80 Mitarbeitern aus mehreren Abteilungen Rede und Antwort stehen. Was war geschehen?

Auf der Betriebsversammlung Ende März hatte die Standortleitung bekannt gegeben, dass 50 der 1.000 Arbeitsplätze abgebaut werden sollen. Natürlich nur mit "sanften Maßnahmen". Gar nicht sanft waren besagter Montageleiter, ein Meister und eine Personalrefentin mit einem jungen Kollegen umgesprungen. Sie hatten ihn allein zu einem Gespräch gelockt, in dem sie ihm einen Aufhebungsvertrag aufzunötigen versuchten. Er sollte dann eine Woche freigestellt werden, um sich beim Arbeitsamt und bei der Krankenkasse zu informieren. Als der Kollege am Montag dennoch zur Arbeit erschien, musste er zweieinhalb Tage in einem engen Kabuff an einem Computerarbeitsplatz verbringen. Angeblich sollte er nur die Möglichkeit erhalten, nach Stellen zu suchen. Dabei hatten die drei "Helden" selber behauptet, sie hätten im ganzen Bosch-Konzern (etwa 150.000 Arbeitsplätze in Deutschland) keinen einzigen passenden Arbeitsplatz gefunden. Das machte im Betrieb schnell die Runde. Für viele Kolleginnen und Kollegen war klar, das ist Mobbing, das können wir nicht durchgehen lassen. ...

Am 29. April machte dann die Losung die Runde: "Es muss etwas geschehen!" Ausgehend von einer Montageabteilung wurde ein Gespräch mit dem Montageleiter anberaumt. Doch zum Termin kamen Kolleginnen und Kollegen aus allen drei Montagabteilungen, aus der Fertigung und verschiedenen Büroabteilungen. ...

Die Kolleginnen und Kollegen erweiterten dann auch das Thema und stellten den gesamten Personalabbau in Frage. In zahlreichen Redebeiträgen wurde die Situation diskutiert, so dass sich der Montageleiter mehrmals genötigt sah zu beteuern, dass er nicht den Auftrag habe den Standort oder einzelne Abteilungen zu schließen.

Nach etwa einer Stunde beendete ein Mitglied der Vertrauenskörperleitung den Protest mit dem Dank an alle Kolleginnen und Kollegen und sinngemäß, dass dieser Protest als Ausdruck der Solidarität eine Herzensangelegenheit aller gewesen sei.