Betrieb und Gewerkschaft

Metall-Abschluss: 760.000 IGM-Kolleginnen und Kollegen durchbrechen Provokation von Gesamtmetall

Metall-Abschluss: 760.000 IGM-Kolleginnen und Kollegen durchbrechen Provokation von Gesamtmetall
Demonstration in Köln (rf-foto)

13.05.16 - Heute Nacht vereinbarten die Tarifparteien für die Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie Nordrhein-Westfalen eine Einmalzahlung von 150 Euro für die Monate April bis Juni 2016. Ab 1. Juli 2016 eine Lohnerhöhung von 2,8 Prozent und ab April 2017 noch einmal 2 Prozent. Die Laufzeit beträgt 21 Monate bis Dezember 2017. Verabschiedet wurde auch eine  "Differenzierung" zum optionalen Unterschreiten dieser Erhöhung. Diese Forderung des Unternehmerverbands Gesamtmetall sorgte schon im Vorfeld für viel Kritik aus den Metall-Belegschaften. Der Abschluss soll auf andere Regionen übertragen werden.

"Gesamtmetall hat offensichtlich kalte Füße bekommen, dass sich hier etwas zusammenbraut", so ein erster Kommentar eines Kollegen aus Hannover. 760.000 Kolleginnen und Kollegen beteiligten sich in den letzten Wochen an Warnstreiks. Übereinstimmend wurde berichtet, dass die Kampfbereitschaft enorm war. 

"Noch gestern demonstrierten circa 9.000 IG-Metaller aus ganz NRW in Köln für die 5%-Forderung in den aktuellen Tarifverhandlungen", berichtet ein Korrespondent. "Die Kolleginnen und Kollegen waren am Mittag aus verschiedensten Betrieben mit Bussen angereist, um die Forderung am Verhandlungsort auf die Straße zu tragen und ein Zeichen der Kampfbereitschaft zu setzen.

So waren u.a. Kolleginnen und Kollegen von ThyssenKrupp/Duisburg, Daimler/Düsseldorf, Siemens/Mülheim, Deutz-Werke/Köln und viele weitere vor Ort. Die Kölner Ford-Kollegen kamen mit Delegationen aus allen Schichten und beteiligten sich mit circa 1.000 Kolleginnen und Kollegen.

Die Stimmung war ausgelassen und kämpferisch. In zahlreichen auch selbst gemalten Plakaten drückten die Kollegen ihren Willen aus, für die 5 Prozent zu kämpfen und forderten, sich nicht mit einem faulen Kompromiss zufrieden zu geben"

Der Abschluss liegt einerseits deutlich über der ursprünglich angebotenen provokatorischen Lohnerhöhung von weniger als 1 Prozent. In vielen Betrieben wurde die Forderung nach 24-Stunden-Warnstreiks lauter, was auch Beschlusslage des letzten IGM-Gewerkschaftstags ist. Dass die Metall-Kapitalisten von ihrer Provokation runter mussten, ist ein politischer Erfolg der kämpfenden Metallerinnen und Metaller. Gesamtmetall schreckte in einer Situation der gesellschaftlichen Polarisierung und eines seit 2015 auf breiter erwachenden gewerkschaftlichen Bewusstsein zurück. 30.000 VW-Beschäftigte - allein in Wolfsburg in einer politisierten Stimmung der Abrechnung, der Wut ... - das ging nicht spurlos an den Kapitalisten vorbei.

Die Laufzeit, so ein Kollege aus Dresden, ist kein Zufall. "Offenbar wollten Gesamtmetall und IGM-Spitze Streiks und Tarifkämpfe im Vorfeld der Bundestagswahlen 2017 verhindern." Ein Kollege aus dem
Ruhrgebiet ärgert sich: "Der Abschluss ist wie immer: So niedrig, dass keiner zufrieden ist, aber so hoch, dass es keinen Aufstand gibt."

Die Kolleginnen und Kollegen kritisieren um so mehr, dass die volle gewerkschaftliche Kampfkraft für die Durchsetzung der 5%-Forderung nicht entfaltet wurde. Sie haben wenig Verständnis, dass "auf Teufel komm raus" noch schnell vor Pfingsten ein Abschluss getätigt wurde. "Das Ergebnis ist nicht berauschend. Viele Kolleginnen und Kollegen haben einen solchen Abschluss schon erwartet - auch wenn sie ihn nicht gut finden. Bei uns war die Mobilisierung seitens der Gewerkschaftsführung schwach. Die Bereitschaft der Kollegen zu kämpfen war hoch", so ein Metaller aus Sindelfingen.