Jugend

Rebellisches Musikfestival mit vielen Besuchern und gelebter Solidarität

Rebellisches Musikfestival mit vielen Besuchern und gelebter Solidarität
Stefan Engel inmitten einer Gruppe von Menschen, die aus aller Welt kommen (rf-foto)

15.05.16 - Die Begrüßung der 40 Flüchtlinge aus Suhl am gestrigen Samstag auf dem Rebellischen Musikfestival war eine wunderschöne kulturvolle internationalistische Begegnung. Alle gemeinsam feierten den Sieg der Solidarität. "Endlich habe ich mal wieder den Kopf frei für andere Dinge, nicht immer nur die Sorgen um den Aufenthalt und wie es weiter geht" sagte ein Mann, der aus Serbien kommt. "In Syrien ist ein schlimmer Krieg. In unseren Ländern ist ein anderer Krieg, um Arbeit, Sozialleistungen, das Leben." Ein Flüchtling aus Syrien: "Wir sind heute sehr glücklich mit Euch. Wir haben drei traurige Monate hinter uns im Flüchtlingscamp. Wir freuen uns sehr, heute hier zu sein."

Auf der Bühne inmitten der Flüchtlinge sagte Stefan Engel, Initiator der Flüchtlingsunterkunft 'Haus der Solidarität': "Ich bin sehr froh, dass ich hier inmitten einer Gruppe von Menschen stehe, die aus aller Welt kommen. Es gibt keine Menschen zweiter Klasse. Es ist auch nicht so, dass wir die Gastgeber sind und ihr die Gäste. Wir sind Menschen mit gleichen Rechten. Im Grundgesetz der BRD steht, die Würde des Menschen ist unantastbar. Aber das steht nur auf dem Papier. Flüchtlinge werden von der Regierung wie Menschen zweiter Klasse behandelt. Wir sagen: Proletarier aller Länder und Unterdrückte, vereinigt euch. Wir sind zusammen eine Gruppe gegen die Unterdrücker. Diese Anlage hier ist ein Symbol für eine fortschrittliche und solidarische Flüchtlingspolitik. Wir Arbeiter in Deutschland sind solidarisch. Wir müssen gemeinsam kämpfen. Lasst euch nicht mi Füßen treten! Was die Herrschenden unter Integration verstehen, ist Unterwerfung. Das akzeptieren wir nicht!“

Viele Festival-Besucher/-innen lauschten auf den Rängen vor der Waldbühne gebannt dem Klavierspiel und den Liedern des weltbekannten Musikers Aemad Ahmed – des "Pianisten der Hoffnung", der Lieder aus seiner Zeit im palästinensischen Viertel Jarmuk vortrug. Gestern abend zählte das Festival 1.300 Gäste - und das, obwohl sich die Außentemperatur im Laufe des Abends bedenklich dem Gefrierpunkt näherte. Man behalf sich mit warmen Klamotten, Decken und Mützen. Der tollen Stimmung tat die Kälte keinen Abbruch, und die beste Methode des Aufwärmens war der ausgelassene Tanz vor der Waldbühne.

Wie sich hier bei 1 Grad Celsius hervorragende Kultur entfaltet, ist herzerwärmend und vorwärtsweisend. Weltberühmte Bands und Musiker treten ebenso auf wie Newcomer und regionale Gruppen. Zusätzlich entfalten sich zig Initiativen wie Kampfsport, Akrobatik, Kinderprogramm und vieles andere.

Mit Polka, Arbeiterliedern von 44 Leningrad, mit Ramy Essam, NH3 und Narcolaptic ging der Abend weiter. Am heutigen Sonntag heizte „Vello Publico“ kräftig ein – und war das richtige Programm gegen das wechselhafte Wetter mit Regenschauern. „Vello Publico“ ist eine Gruppe aus Berlin mit Musikern aus Chile, Peru, Brasilien und Deutschland. Die Gruppe „Sonido Rebelde“ ist engagiert im Widerstand von „Ende Gelände“, aber sie haben sich dieses Jahr bewusst dafür entschieden, auf dem Rebellischen Musikfestival aufzutreten. In ihr Lied "Kein Mensch ist illegal" bauten sie ganz spontan das Wort Truckenthal ein.

Der Block „Frauenpower on stage“ wurde eingeleitet mit der Bemerkung, dass es absolut nicht selbstverständlich ist, das ein solches Festival sich ausdrücklich gegen Sexismus wendet. Als erste Musikerin trat die junge Rapperin Thawra aus Berlin auf. Sie ist eine mutige junge Frau, die sich als Kommunistin versteht, sich einsetzt für die Solidarität mit den Befreiungskämpfen des palästinensischen und des kurdischen Volkes.

Der solidarische und revolutionäre Geist des Festivals drückt sich in allen Seiten des Zusammenlebens während dieser drei Tage aus. Erfahrene Festivalbesucher sagten, sie hätten noch nie ein so sauberes Festivalgelände gesehen. Ein toller Pluspunkt ist auch die Verpflegung. Es gibt vielseitiges Essen, von den Thüringer Bratwürsten bis zu einem veganen Couscous-Gemüsegericht reicht die Bandbreite.

Die antifaschistische Band Talco wird um ca. 22.30 auftreten und ordentlich einheizen. Talco ist eine der europaweit bekanntesten linken Bands mit über 60.000 facebook-likes. Sie machen sehr gut tanzbaren Skapunk, was jeden mitreißt. Das Festival ist voll auf kalte Temperaturen eingestellt und mit Heizpilzen, Lagerfeuer, warmen Getränken und Pavillions gibt es Möglichkeiten zum Aufwärmen für jeden.

Heute Abend findet ein Verbrüderungsfest „Von Truckenthal nach Kobanê“ statt. Die Band Gehörwäsche und die syrisch-kurdische Band Koma Berxwedan stellen ein kurdisch-deutsches Liederbuch vor.
Tagestickets sind vor Ort für 23€ erhältlich.