Umwelt

EU will den Bau von Atomreaktoren massiv vorantreiben

EU will den Bau von Atomreaktoren massiv vorantreiben
Foto: andiweiland (flickr)

17.05.16 - Nach dem Willen der EU-Kommission soll der Bau von Atomreaktoren in Europa massiv vorangetrieben werden. Dazu wurde ein Strategiepapier entwickelt, das bereits am morgigen Mittwoch von den zuständigen Kommissaren verabschiedet und dann dem EU-Parlament vorgelegt werden soll. Nach diesem Plan, der "SPIEGEL ONLINE" vorliegt, fließen massiv Gelder unter anderem aus dem Europäischen Fonds für strategische Investments (EFSI) und den Forschungsprogrammen der EU. Förderprogramme sollen über die Europäische Investitionsbank (EIB)abgewickelt werden, über die das deutsche Finanzministerium mitbestimmt. Und zwar ganz im Interesse auch der beiden größten deutschen Energiemonopole RWE und E.on., die über den belgischen Energiekonzern Electrabel unter anderem Strom aus belgischen Reaktoren beziehen.

Gerechtfertigt werden die Pläne damit, dass man den CO2-Ausstoß verringern und die Klimaziele erreichen wolle. Das ist eine durchsichtige Lüge im Interesse der Monopolprofite: Warum wird denn die Förderung erneuerbarer Energien zurückgefahren und der technisch schon lange mögliche Ausstieg aus der Verbrennung fossiler Energie weiter verzögert? Zu unserer "Beruhigung" heißt es in dem Strategiepapier der EU-Kommission: Die Sicherheit beim Ausbau der Atomtechnologie habe bei allen Aktivitäten oberste Priorität.

Sicherheit? Es geht nicht nur um die jüngsten Pannen in den belgischen Atomreaktoren von Doel bei Antwerpen. Die Erfahrungen mit Atomkraftwerken aus 60 Jahren belegen, dass eine fehlerfreie Handhabung nicht möglich ist. Die Super-Atomkatastrophen wie in Harrisburg 1979, Tschernobyl 1986 und Fukushima 2011 sind nur die Höhepunkte der verheerenden Reaktor-Geschichte:

  • Es ist prinzipiell unvermeidlich, dass bei laufendem Betrieb Reaktoren permanent radioaktive Strahlung freisetzen und einmal freigesetzte Radioaktivität lässt sich nicht mehr aus der Umwelt zurückholen
  • Kernspaltungen im Inneren des Reaktors lassen sich nicht absolut von der Außenwelt abschotten; es gibt immer einen Austausch mit der Umgebung. Radioaktives Tritium dringt selbst durch Stahl- und Betonwände.
  • Bei der Entnahme, beim Transport und bei der Wiederaufbereitung von Brennelementen werden radioaktive Stoffe frei.
  • Bis heute gibt es nirgendwo ein auch nur annähernd akzeptables Modell, was mit dem giftigen Abfall passieren soll, der noch Millionen Jahre strahlen wird. Zu den mehr als 300.000 Tonnen hochstrahlenden Abfalls kommen jährlich etwa 12.000 Tonnen hinzu.

Bereits jetzt hinterlässt die international eng verflochtene Atomindustrie der Menschheit auf zigtausende Jahre eine unglaubliche zerstörerische Last – bis zur Gefahr der Vernichtung der Menschheit! Und das allein wegen ihrer Profitgier!

Mit ihren neuen Plänen zum Bau von Atomreaktoren in Europa spitzen die internationale Energiemonopole und europäische Regierungen skrupellos das Risiko für das Leben und die Gesundheit von Millionen Menschen zu. "Schon seit Jahrzehnten ist klar, dass die Nutzung der Kernenergie in eine Sackgasse geführt hat, die die ganze Menschheit gefährdet" - so das Fazit im Buch "Katastrophenalarm – Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?". Deshalb tritt die MLPD für die weltweite Stilllegung aller Atomanlagen auf Kosten der Betreiber ein.