Umwelt

Unwetter in Asien und Europa – (k)ein Zufall?

Unwetter in Asien und Europa – (k)ein Zufall?
Trauer in Schwäbisch Gmünd (rf-foto)

31.05.16 - Erneut schockieren Nachrichten-Bilder von regionalen Umweltkatastrophen wie in Sri Lanka vor rund zwei Wochen oder regionalen Unwettern, wie aktuell dem Tief "Elvira" im Süden Deutschlands. In Sri Lanka herrscht nach schweren Unwettern am Pfingstwochenende weiter große Not für Hunderttausende Menschen. Nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde suchten landesweit rund 400.000 Menschen in Notunterkünften Zuflucht. Die Unwetter waren die schwersten seit 24 Jahren. Befürchtet werden weit über 100 Tote. 35.000 Häuser sind zerstört. Die schweren Unwetter hatten eine Reihe von Überschwemmungen und Erdrutschen ausgelöst, ganze Dörfer wurden verschüttet. Die Lage ist weiter katastrophal. Auf allen Kontinenten nehmen schwere Stürme und Überschwemmungen zu.

Menu Nilukshika, stellvertretende Asien-Koordinatorin der Weltfrauenkonferenz und Mitglied der Koordinierungsgruppe Umweltratschlag, wendet sich mit folgendem Aufruf an den Umweltratschlag und seine Unterstützer: "Ich denke, Ihr habt über die Situation der Flutopfer in Sri Lanka gehört. Meine Heimatgemeinde ist auch überschwemmt. Die Flutopfer werden wohl alles verlieren, was die Menschen so haben: Ihre Arbeit und sogar ihre Lieben. Wenn Ihr jemanden kennt, der uns unterstützen könnte, dann möge er das bitte tun. Jeder einzelne Euro wird eine große Unterstützung für die betroffenen Menschen sein."

Das immer noch über Deutschland wütende Unwetter-Tief "Elvira" hat in den vergangenen 48 Stunden bereits vier Tote gefordert. Im Hohenlohischen Weißbach ertrank ein 60-Jähriger in einer überfluteten Tiefgarage. In Schwäbisch-Gmünd starb ein Feuerwehrmann bei der Rettungsaktion für einen Menschen, der ebenfalls nur noch tot geborgen werden konnte. Im Ort Braunsbach in Baden-Württemberg sind etliche Häuser einsturzgefährdet, etwa 100 Menschen verloren ihr Zuhause.

Ein 13 Jahre altes Mädchen kam an der Bahnstrecke zwischen Schorndorf und Urbach ums Leben, weil es auf dem Heimweg unter einer Eisenbahnbrücke Schutz gesucht hatte und dabei von einem vorbeifahren Intercity erfasst wurde. Auch in anderen Teilen Deutschlands kam es gestern zu heftigen Überschwemmungen. Ein „ungewöhnlich heftiges Ereignis“ wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) meldet? Heftig ja aber „ungewöhnlich“ oder zufällig? Nein. Ein regionales Unwetter, wie es in den letzten Jahren auffällig häufig auftritt.

Ein Korrespondent aus dem schwer betroffenen Ort Schwäbisch-Gmünd berichtet: „Es ist gespenstisch am Schwäbisch Gmünder Bahnhof am Montagmorgen. … Schwäbisch Gmünd ist eine der am meisten betroffenen Städte. Bis zu 100 Liter Niederschlag gehen binnen Stunden nieder. In einem normalen Monat sind es 50 bis 60 Liter. Hunderte Keller laufen voll, viele Einzelhändler sind betroffen, auch größere Geschäfte. … Alle Unterführungen entlang der Rems sind teils bis zur Decke vollgelaufen. Es ist kein Durchkommen mehr. In den Straßen steht das Wasser knöcheltief. … Doch schnell macht sich Bestürzung breit, als man auf die zwei Toten zu sprechen kommt, die in den Wassermassen ertrunken sind. ... Ihre Leichen werden erst am Montag geborgen. Da haben schon einige Gmünder Blumen für die beiden am Absperrzaun niedergelegt und Kerzen aufgestellt.

Viele können das Ausmaß der Katastrophe noch nicht einschätzen. Sie sind mit Leerpumpen und Reinigen von Kellern beschäftigt. Doch eines ist klar: Solch ein Ausmaß hat noch kein Unwetter in Schwäbisch Gmünd erreicht: 'Hier haben Urgewalten getobt, wie wir sie so noch nicht gesehen haben', sagt Richard Arnold, Bürgermeister von Schwäbisch Gmünd, im "ARD"-Brennpunkt am Montagabend. ... Doch die Sendung geht nicht auf die Ursachen der sich häufenden Starkregen und Unwetterkatastrophen ein.“

Angeblich gibt es „keinen klaren Beleg dafür, dass es über einen längeren Zeitraum betrachtet tatsächlich zu einer Häufung der Wetterextreme kommt.“¹ Diese skeptische Denkweise, die gerade in Katastrophensituationen über alle Kanäle verbreitet wird, soll von den Verursachern und den notwendigen Maßnahmen ablenken. 2015 war erneut das wärmste Jahr der Geschichte.

„Die Geschwindigkeit der Erhöhung der Treibhausgasemissionen überschreitet die von natürlichen Veränderungen der letzten 66 Millionen Jahre um das 10-Fache. Dadurch entsteht ein erdgeschichtlich einmaliger Zustand“, fasst der Vorsitzende der MLPD, Stefan Engel, in seinem aktuellen Interview die Dramatik zusammen. Die Folgen der heute längst ablaufenden Klimaerwärmung bekommt die Menschheit mit diesen Unwettern und Überschwemmungen immer direkter zu spüren.

Die zunehmende Zahl regionaler Umweltkatastrophen ist Teil und Schrittmacher im Übergang in die globale Umweltkatastrophe. In Verbindung mit der Organisierung der Solidarität muss auch der internationale Kampf zur Rettung der Umwelt vor der Profitwirtschaft organisiert werden! Die MLPD hat ein Programm für den Kampf gegen die drohende Umweltkatastrophe entwickelt. Nach dem Verursacherprinzip tritt sie dafür ein, dass die Betroffenen durch staatliche Hilfen umfassende Entschädigung erhalten. Die Parteigruppen der MLPD beteiligen sich in den betroffenen Gemeinden an der direkten Alltagshilfe und organisieren Solidarität. Sie verbreiten dabei auch das Buch "Katastrophenalarm!" - hier werden die Ursachen und nötigen Maßnahmen ungeschminkt benannt.

"Wir rufen zu gemeinsamen Hilfseinsatz in den beiden am meisten betroffenen Gemeinden Schwäbisch Gmünd und Braunsbach auf", so Inge Weible, Sprecherin der Landesleitung der MLPD in Baden-Württemberg. Treffpunkt für alle Interessierten aus der Region Stuttgart ist am kommenden Samstag um 8 Uhr morgens am Arbeiterbildungszentrum Süd e.V. (Bruckwiesenweg 10, Stuttgart-Untertürkheim). Informationen dazu auch unter 0711-235 866

 

¹) "Tagesspiegel", 30.5.16