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Fußball-Europameisterschaft in Frankreich startet vielversprechend

Fußball-Europameisterschaft in Frankreich startet vielversprechend

11.06.16 - Am gestrigen Freitag begann die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich mit der Eröffnungsfeier und dem Spiel Frankreich gegen Rumänien. Die EM und die gesamte Entwicklung in Frankreich werden zig Millionen Menschen in den Bann ziehen. Am Fußballturnier vom 10. Juni bis 10. Juli 2016 nehmen zum ersten Mal 24 Länder teil; bisher waren es 16. Das ermöglicht nicht nur mehr interessante Mannschaften und Spiele, sondern auch eine größere Teilhabe der Masse der Bevölkerung am Spielgeschehen.

Die Ausweitung wird natürlich auch als Profitquelle genutzt mit mehr Fernsehübertragungsgeldern, mehr Werbung der Hauptsponsoren und Geschäftemacherei aller Art. Im Unterschied zu den nationalen Meisterschaften, etwa in Deutschland, Spanien oder England, ist der Ausgang wesentlich offener. Das zeigte bereits das Eröffnungsspiel gestern abend im Stade de France in Saint-Denis mit einem glücklichen 2 : 1 für Frankreich.

Viele werden mit Nachbarn, Bekannten oder Kolleginnen und Kollegen gemeinsam das eine und oder andere Spiel anschauen oder auf Ausgang, Sieger und Tore tippen. Auch in vielen Ortsgruppen oder Kreisverbänden der MLPD gehört das zum Parteileben dazu. Längst treffen sich vor allem Jugendliche lieber zum Public Viewing in ganzen Cliquen, als  alleine zuhause vor dem Fernseher zu sitzen. Morgen spielt die deutsche Mannschaft gegen die Ukraine und viele werden ihr die Daumen drücken.

Selten war eine Europameisterschaft bereits vor ihrem Beginn so politisiert. Die bürgerlichen Institutionen des Fußballs wie FIFA und UEFA kommen aus ihrer tiefen Krise nicht heraus. Ihre Glaubwürdigkeit ist unterhöhlt. Auf breiteste Empörung trafen die rassistischen Äußerungen des AfD-Politikers Alexander Gauland gegenüber Jérôme Boateng. Dieselben bürgerlichen Politiker und Journalisten, die dies verurteilten, scheuen sich aber nicht, die AfD weiterhin überall hoffähig zu machen und demagogisch als "rechtspopulistisch" zu verharmlosen. Dieser Begriff unterstellt den Massen einen Rechtsruck – in Wirklichkeit rücken die Regierungen Europas nach rechts. Die rassistische Asylpolitik spricht eine eindeutige Sprache.

Auch die sich entwickelnde Machtprobe in Frankreich aufgrund der seit Monaten andauernden Streiks und Proteste gegen das geplante Arbeitsgesetz der Regierung Hollande/Valls sind ein brennendes Thema. Das Gesetz bedeutet wie Schröders Agenda 2010 in Deutschland einen massiven Angriff auf die Rechte von Arbeitern und Arbeitslosen. Der nächste landesweite Aktionstag am 14. Juni fällt mitten in die Europameisterschaft. Die Hetze gegen die Streikenden, diese als notorische Spielverderber oder gar Erpresser hinzustellen, stößt auf wenig Resonanz. Die Masse der Arbeiterinnen und Arbeiter verfolgt die Streiks in Frankreich mit viel Sympathie.

Das Eröffnungsspiel haben 80.000 live verfolgt. Über 100.000 Einsatzkräfte - darunter sogenannte "Anti-Terror-Einheiten" - sollen die EM "sichern". So wird das Verständnis für den notwendigen Schutz der Bevölkerung missbraucht für die Durchführung von Bürgerkriegsübungen. Welchen Zweck sonst sollte es haben, dass seit dem Terroranschlag in Paris vom November 2015 durch IS-Faschisten nach wie vor der Ausnahmezustand gilt? Es wird höchste Zeit, dass er aufgehoben wird.