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Gladbeck: Grup Yorum-Konzert wurde erfolgreich gegen Antikommunismus und Behinderungen durchgekämpft!

Gladbeck: Grup Yorum-Konzert wurde  erfolgreich gegen Antikommunismus und Behinderungen durchgekämpft!
2.000 Besucher feierten die Band (foto: Grup Yorum)

19.06.16 - Trotz teilweise sturzbachartigem Regen und aller Behinderungen durch die Stadt Gladbeck und den Staatsschutz kamen ca. 2.000 Personen zum Konzert der weltbekannten Musikgruppe Grup Yorum am 18. Juni auf den Gladbecker Festplatz. Grup Yorum ist die fortschrittliche Musikgruppe der Türkei und hat schon vor bis zu einer Million Menschen gespielt. Das Konzert fand im Rahmen einer Kundgebung statt, die die DKP Gladbeck angemeldet hatte, und war ein großer Erfolg. Von überall her kamen die Teilnehmer. Die Ersten kamen aus Frankreich und der britischen Hauptstadt London, dann aus Dänemark, Österreich, Holland, aus Süd- und Norddeutschland – und natürlich aus Nordrhein-Westfalen.

Angesichts der Bedingungen – die Kundgebung war Open-Air; es gab keinen Saal, keine Sitzgelegenheiten und viel Regen - war die Stimmung auf dem Platz ein Wechselbad der Gefühle, aber voller Stolz, dass das Konzert durchgekämpft wurde. Bis es dazu kam mussten allerdings die Intrigen gegen die Band seitens der Stadt, Teilen der bürgerlichen Presse und des Staatsschutzes bekämpft werden, die versuchten das Konzert zu verhindern. Insofern war die Kundgebung zwar eine Notlösung, aber eine erfolgreiche. Sie wurde zu einem großen Fest der Verbrüderung.

Die Stadt Gladbeck und der deutsche Staatsschutz versuchten die Musikgruppe durch ein ständiges In-Verbindung-Bringen mit der DHKP-C (Revolutionäre Volksbefreiungspartei-Front), die in der EU und den USA auf der sogenannten "Terrorliste" steht, in Misskredit zu bringen. Damit sollte Grup Yorum als terroristische Vereinigung dargestellt werden. Diese Kriminalisierung konnte nie und nimmer akzeptiert werden. (siehe rf-news vom 11. Juni und vom 14. Juni ) Die DKP, die Linkspartei, verschiedene linke Gruppen und Einzelpersonen, die MLPD, der Jugendverband REBELL und das überparteiliche Wahlbündnis AUF Gelsenkirchen machten den Vorgang breit bekannt und unterstützten die Suche nach Alternativen für einen Auftrittsort in Gelsenkirchen. Bis zum Schluss dauerten die Behinderungen und Schikanen. Nur zwei der Künstler der Gruppe aus der Türkei waren am 18. Juni in Gladbeck auf der Bühne – alle anderen wurden durch die Bundesregierung mit einem schikanösen Einreiseverbot belegt. Insgesamt besteht die Gruppe aber aus 120 Künstlern in aller Welt, so dass auch diese Schikane das begeisternde, herzerwärmende, internationalistische Konzert nicht verhindern konnte. Dass es stattfand, ist auch ein Sieg über den reaktionären Pakt, den die deutsche Bundesregierung mit der ultrareaktionären faschistoiden Erdogan-Regierung abgeschlossen hat.

Auch ein Trupp der reaktionären türkischen Rocker-Gruppe "Osmanen",  der mit Messern, Pfefferspray, Schlagringen und Schlagstöcken bewaffnet auf das Festivalgelände vordringen wollte, konnte das nicht verhindern. Nachdem die Polizei die Gruppe eingekesselt hatte, beendeten fünf von ihnen den Abend in Polizeigewahrsam. Der Rest wurde mit Platzverweisen nach Hause geschickt.

Im Vorprogramm traten unter anderem Compania Bataclan und Delirium & Zynik aus Gladbeck auf und begeisterten das Publikum. Dann - endlich um 18 Uhr - begann der Auftritt von Grup Yorum mit mitreissenden revolutionären Volksliedern.  Zwischendurch: immer wieder Protestreden gegen die stattgefundenen Behinderungen unter anderem von Patrick Köbele, dem Parteivorsitzenden der DKP. Er verglich die Veranstaltung mit erfolgreichen Solidaritätsveranstaltungen für Angela Davis und Luis Corvalán an denen er beteiligt war. Der Bundestagsabgeordnete der Linkspartei, Diether Dehm, überbrachte Grüße von Sahra Wagenknecht und bekräftigte, dass sich die Bundestagsfraktion der Linkspartei gegen das PKK-Verbot ausspreche. Lisa Gärtner, die Vorsitzende des Jugendverbandes REBELL, die auch die Anmeldung einer "Plan-B"-Veranstaltung in Gelsenkirchen übernommen hatte, führte in ihrer Rede aus: „Es wird gesagt, dass Grup Yorum Terroristen seien. Doch Grup Yorum sind keine Terroristen, sondern Revolutionäre. Für sie sind alle Terroristen, die den kapitalistischen Terror der Ausbeutung und Unterdrückung auf dieser Welt ein Ende machen wollen. ... Wo stünde die Menschheit heute ohne Revolutionäre? Revolution ist kein Verbrechen – Revolution bedeutet Abschaffung der Verbrechen an der Menschlichkeit! ... Deswegen stehen wir an der Seite der kurdischen Freiheitskämpfer in Kobanê, der türkischen Revolutionäre in Istanbul, der französischen Arbeiter, Schüler und Studenten im Kampf gegen die Hollande-Regierung. ... Hoch die internationale Solidarität!“

Es war sehr fair von den Veranstaltern, dass Lisa Gärtner nach einer ersten Rede im Platzregen noch eine zweite Auftrittsmöglichkeit erhielt, auf der sie dem Publikum die Kernbotschaft ihrer Rede noch einmal überbringen durfte. 

Das Publikum jubelte, feierte, tanzte, klatschte und war voller Begeisterung. Die MLPD war außerdem mit einem gut besuchten Informationsstand vertreten. Sie sammelte Unterschriften für Fördergelder für das Sommercamp des Jugendverbands REBELL, stellte die Internationale Koordinierung revolutionärer Parteien und Orgnisationen (ICOR) vor und hatte viele Diskussionen über die grundsätzliche Perspektive einer befreiten Gesellschaft im echten Sozialismus.

Der Jugendverband REBELL hat zwei Videos auf youtube veröffentlicht, die einerseits die Reden von Lisa Gärtner beinhalten und andererseits etwas von der besonderen Atmosphäre dieses Tages eingefangen haben.

Hier geht es zum ersten Teil!

Hier geht es zum zweiten Teil!