Wirtschaft

Jo Cox – ein politisch-faschistischer Mord

Jo Cox – ein politisch-faschistischer Mord
Jo Cox - Ermordet von einem britischen Faschisten (foto: Gemeinfrei)

18.06.16 - Die Auseinandersetzung um den „Brexit“, den Ausstieg Großbritanniens aus der EU, spitzte sich eine Woche vor der Abstimmung immer mehr zu. Während die nicht-monopolistische Bourgeoisie im Land alles für einen Austritt aus der EU tut, versucht das allein herrschende internationale Finanzkapital alles, um das Land in der EU zu halten. (siehe rf-news)

Die sich vertiefende Krise der EU wird deutlich. Die Akteure beider Seiten der herrschenden Klasse haben die Massen mit ihrem rücksichtslosen Konkurrenzkampf gespalten. All das führt zu einer scharfen brutalen Polarisierung in der englischen Gesellschaft. Das Fehlen einer starken marxistisch-leninistischen Partei macht sich deutlich bemerkbar. Selbst die fortschrittlich denkenden Befürworter innerhalb der Massen, die für den Verbleib in der EU votieren, schlagen sich damit ungewollt aber objektiv auf die Seite des kapitalistischen Systems.

In dieser aufgeheizten Situation wurde die Labour-Abgeordnete Jo Cox (41), Mutter von zwei Kindern, in ihrem Wahlkreis auf offener Straße brutal niedergeschossen und niedergestochen. Die Menschen sind erschüttert und stellen sich die Frage nach den Ursachen.

Hieß es zunächst, es sei ein psychisch labiler Einzeltäter, so wird inzwischen der politische Hintergrund und Zusammenhang immer deutlicher. Jo Cox - auf der einen Seite Labour-Politikerin - und damit Vertreterin einer, das System stützenden, Monopolpartei - trat andererseits gleichzeitig gegen den Nationalismus ein, stritt für syrische Flüchtlinge und für ihre Aufnahme in England, und setzte sich für Frauenrechte ein. Dafür hatte sie bereits zuvor schon Drohungen erhalten, ließ sich aber nicht einschüchtern.

Inzwischen ist in Dokumenten eindeutig belegt, dass der Mörder enge Verbindung zu Faschisten hatte. Er war ein "langjähriger Unterstützer" der National Alliance (NA), der einst größten Neonazi-Gruppe der USA, die für übelsten Rassismus stand und die Ermordung der Juden verherrlichte. Der Täter hatte neofaschistische Magazine abonniert sowie Gebrauchsanleitungen für den Eigenbau von Schusswaffen und Sprengsätzen gekauft.

Dazu passt auch, dass er bei dem Mord „Britain first“ geschrien haben soll, was sowohl den Hass auf Ausländer widerspiegelt, zugleich aber auch der Name einer faschistischen britischen Organisation ist. Auch in England haben ultrarechte und faschistoide Kräfte Spielraum erhalten, da die Regierung einen Rechtsruck vollzogen hat. Der Mord erinnert an das fast tödliche Attentat auf die spätere Oberbürgermeisterin von Köln, Henriette Rieker. Es sind keine Einzelfälle, sondern eine internationale Erscheinung. In verschiedensten Ländern Europas gibt es ultrarechte, faschistoide Tendenzen. Wenn bürgerliche Politiker, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, jetzt angesichts des Mordes zu mehr „Respekt“ aufrufen, verdrehen sie vollständig die tatsächliche Entwicklung. Man bedenke nur, welche Reaktion von den Monopolpolitikern und den bürgerlichen Massenmedien gekommen wäre, wäre der Täter aus dem arabischen Raum gekommen ... .

Stefan Engel brachte in seinem aktuellen Interview mit dem Rote Fahne-Magazin auf den Punkt: „Das alles zeigt, dass mit den Krisen des Imperialismus die Reaktion nach außen und nach innen immer offener zutage tritt.“¹ In dieser gesellschaftlichen Polarisierung wachsen aber zugleich die antifaschistischen, antiimperialistischen und revolutionären Kräfte. In England und international verbinden sich die Trauer und das Entsetzen über den Mord an Jo Cox mit breiter Solidarität mit ihrer Familie und mit der massenhaften Diskussion über die Hintergründe. Die Flüchtlingssolidarität in Deutschland ist nach wie vor ungebrochen. Die Mehrheit der Menschen ist gegen widerwärtige faschistische Auftritte und Demonstrationen. Nicht umsonst stand in Dortmund vor einigen Wochen die Mehrheit auf Seiten des antifaschistischen Protests. Das wird dazu beitragen, dass für immer mehr Menschen der wahre Charakter des gesellschaftlichen Systems deutlich und die Frage nach der Perspektive gestellt wird. Der Aufbau einer revolutionären marxistisch-leninistischen Partei ist auch in Großbritannien unerlässlich.

¹) Interview Stefan Engel im Rote Fahne-Magazin 12/106

Das Interview kann hier gelesen werden!