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Was zählt das „Nein“ einer Frau?

Was zählt das „Nein“ einer Frau?
(grafik: MLPD)

15.06.16 - Seit Ende der 1970er Jahre gilt in Deutschland eine weitgehende formelle rechtliche Gleichstellung der Frauen. Wie es damit im staatsmonopolistischen Kapitalismus in Deutschland und weltweit tatsächlich aussieht, zeigen aktuelle Fälle in den Medien.

2012 vergewaltigten zwei Männer das Model Gina-Lisa Lohfink, erstellten darüber ein Video und boten dies im Internet zum Kauf an. Eindeutig ist zu erkennen, dass Frau Lohfink sich deutlich mit den Worten wehrte: „Hört auf!“ und „Nein, nein, nein“. Sie klagte ihre Vergewaltiger an. Die Berliner Staatsanwaltschaft stellte aber das Verfahren ein und verurteilte Frau Lohfink zur Zahlung von 20.000 Euro wegen falscher Verdächtigungen. Ersatzweise Haft.

Vor wenigen Tagen wurde im extrem frauenfeindlichen Katar eine 22-jährige Holländerin festgenommen, weil sie eine Vergewaltigung angezeigt hat. (siehe rf-news) Die Behörden erklärten - wie im Fall Lohfink - der Sex sei einvernehmlich gewesen. Seit März ist die Frau nun wegen "außerehelichem Sex" im Gefängnis. Ob arabische oder deutsche Gerichtsbarkeit: beide machen aus weiblichen Opfern Täter!

Im Fall Lohfink erklärten verschiedene bürgerliche Massenmedien, allen voran die Bild, dass sie wegen ihrer Model- und Show-Karriere nicht glaubwürdig sei: „Wer einmal ludert, dem glaubt man nicht?“¹ Tatsache ist, dass sie sich mit ihren Schönheits-OP's und Nacktbildern voll dem bürgerlichen Schönheits-Ideal unterwirft und den Sexismus in Deutschland aktiv gefördert hat. Aber nun ist sie selber das Opfer sexueller Gewalt geworden.

Entsprechend erklären sich tausende Frauen und Männer solidarisch: In kürzester Zeit unterschreiben 118.000 von ihnen die Petition „Nein heißt nein.“ Unter dem Eindruck des aktuellen Falls und der Vorgänge in der Silvesternacht in Köln, als keiner der Täter wegen Vergewaltigung oder sexueller Belästigung bisher verurteilt wurde, wird offensiv ein verschärftes Sexualstrafrecht gefordert. Unter derart öffentlichem Druck beeilt sich Justizminister Heiko Maas, ein solches anzukündigen. Allerdings reicht ihm wie auch den Richtern - das klare weibliche „Nein“ nicht. Er bindet den Tatbestand der Vergewaltigung daran, dass das Opfer „überrascht“ wird. Was denn noch alles, bitte?

In der Bevölkerung ist allgemein das kritische Bewusstsein gewachsen, was die Regierung zur Verschärfung des Sexualstrafrechts zwingt. Es ist notwendig, gegen den grassierenden Sexismus zu kämpfen und keinerlei Toleranz für sexuelle Gewalt und Unterdrückung von Frauen zuzulassen. Das war auch ein wichtiges Anliegen der zweiten Weltfrauenkonferenz in Nepal im März diesen Jahres.

Schließlich geht es darum, die gesellschaftlichen Wurzeln für den Sexismus und die doppelte Ausbeutung und Unterdrückung der Masse der Frauen zu überwinden. Dazu heißt es in dem Buch „Neue Perspektiven für die Befreiung der Frau – eine Streitschrift“ von Stefan Engel und Monika Gärtner-Engel: „Die besondere Unterdrückung der Frau ist ein wesentliches Element jeglicher Herrschaftsausübung in der auf Ausbeutung und Unterdrückung beruhenden Klassengesellschaft.“² 

Eine grundlegende gesellschaftliche Veränderung wird die Voraussetzungen schaffen, dass traurige Fälle wie der von Gina-Lisa Lohfink eines Tages genau so Geschichte sind, wie das System, die sie hervorbringt.

Mehr zur Weltfrauenkonferenz auch im aktuellen Interview mit Stefan Engel. Es kann hier heruntergeladen werden.

Die Druckausgabe des Interviews im aktuellen Rote Fahne Magazin kann hier bestellt werden!

Das Buch „Neue Perspektiven für die Befreiung der Frau – eine Streitschrift“ von Stefan Engel und Monika Gärtner-Engel kann hier bestellt werden!

¹) Bild, 12. Juni

²) Stefan Engel/Monika Gärtner-Engel: „Neue Perspektiven für die Befreiung der Frau – eine Streitschrift“, S.64