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Ärzte ohne Grenzen: „Massensterben im Mittelmeer ist unmittelbare Folge der Abschottungspolitik“

Ärzte ohne Grenzen: „Massensterben im Mittelmeer ist unmittelbare Folge der Abschottungspolitik“
(grafik: Ärzte ohne Grenzen)

Gelsenkirchen (Korrespondenz), 23.06.16 - Die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ (MSF) erhebt schwere Vorwürfe gegen die EU, die Bundesregierung und namentlich auch gegen die Kanzlerin Angela Merkel. Mit dem von ihr maßgeblich ausgehandelten EU-Türkei-Abkommen sei sie "zur Vorreiterin der verheerenden Aussperrung von Schutzsuchenden aus Europa geworden", so der MSF-Geschäftsführer Florian Westphal.

Deutschland habe mit der Aufnahme von einer Million Flüchtlinge zwar einen großen Beitrag geleistet, eine noch größere humanitäre Krise zu verhindern. Jetzt sei es aber geboten, legale Fluchtkorridore zu schaffen, die Familienzusammenführung anzugehen und die Seenotrettung zu verstärken.

Laut Volker Westerbarkey, dem Vorstandsvorsitzenden von MSF in Deutschland, stellen die wachsenden Angriffe auf Krankenhäuser und auch auf ihre Mitarbeiter die Arbeit infrage. 2015 wurden allein in Syrien 63 von ihnen betriebene Einrichtungen bombardiert und beschossen. 63 Ärzte wurden getötet und 58 verwundet.

Die Organisation stellt aus Protest gegen die Flüchtlingspolitik die finanzielle Zusammenarbeit mit den EU-Staaten ein und wird auch die Gelder der Bundesregierung in Höhe von ca. 40 Millionen Euro nicht mehr annehmen.