Betrieb und Gewerkschaft

Blamage für Mann und Hummel und deren Claqueure

Blamage für Mann und Hummel und deren Claqueure
Kolleginnen und Kollegen von Mann + Hummel protestieren bei Festakt (rf-foto)

Ludwigsburg (Korrespondenz), 02.07.16: Das ging kräftig daneben für Mann und Hummel, Autozulieferer in Ludwigsburg. Zum gestrigen 1. Juli wurden 122 Kündigungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus der Produktion wirksam. Zugleich sollte die festliche Einweihung des neu gebauten Technologiezentrums den Konzern als einen wichtigen Steuerzahler und aktiven Arbeitsplatzschaffer in der Öffentlichkeit präsentieren.

Da hatten die betroffenen Kolleginnen und Kollegen etwas dagegen. Sie wollten für ihre Forderung nach Rücknahme der Kündigungen gerade diesen Festakt nutzen. Doch die Stadtverwaltung von Ludwigsburg – Mann und Hummel-Claqueur Nr.1 – hatte dazu nur eine Genehmigung für einen Seiteneingang erteilt. Vor dem Haupteingang wollte man den erlauchten Gäste der Eignerfamilien, aus Landes- und Lokalpolitik, von Presse und Rundfunk usw. das Schicksal der Arbeiter und ihren Protest nicht zumuten.

Doch als der Beginn der Festlichkeiten näher rückte, machten Kollegen den Vorschlag, doch vor's Haupttor zu ziehen: Gesagt getan. Dort wurde mit weiteren Redebeiträgen am offenen Mikrofon auf die Situation aufmerksam gemacht und der Protest vorgetragen. Das war weithin sichtbar für viele Autofahrer. Medienvertreter und Presse waren da, befragten Betroffene und machten Filmaufnahmen.

Eine Blamage für Mann und Hummel-Claqueur Nr. 2 – die Ludwigsburger Kreiszeitung. Sie hatte den Protest zensiert. Die Kolleginnen und Kollegen wollten eine Traueranzeige um ihre Arbeitsplätze für 600 Euro schalten. Das hatte die Zeitung abgelehnt und stattdessen drei Sonderseiten von Mann und Hummel abgedruckt.

Unterstützt wurde der Protest von IG Metall-Kolleginnen und -Kollegen mit einem "Trauermarsch" und schwarzen Luftballons, von der MLPD Ludwigsburg, dem Betriebsseelsorger sowie Kolleg(inn)en von Bosch in Waiblingen und aus anderen Betrieben.

Die Solidaritätserklärung der MLPD brachte die Situation so auf den Punkt: "In seltener Offenheit prallen am heutigen Tag die unversöhnlichen Klassengegensätze aufeinander. Nachdem bereits … 150 Arbeitsplätze vernichtet wurden, haben jetzt 122 Kolleginnen und Kollegen eiskalt formulierte betriebsbedingte Kündigungen erhalten. Das stürzt ganze Familien in Existenzkrisen. Mit der Vernichtung von Arbeitsplätzen wird auch die Zukunft der Jugend angegriffen ..."

IG Metall und Betriebsseelsorger hatten schwarze Luftballons mit Postkarten mitgebracht: "Am heutigen Tag eröffnet Mann+Hummel seinen Neubau in Ludwigsburg mit ca. 350 geladenen Gästen. In diesem Jahr hat Mann+Hummel die größte Übernahme in der Firmengeschichte abgeschlossen. Milliarden von Euros werden ausgegeben, aber die Arbeitsplätze in Ludwigsburg gehen verloren."

Der entschlossene Protest der Kolleginnen und Kollegen bei Mann und Hummel heute hat vielen klar gemacht, wer wo steht. Landrat, Bürgermeister, Landtags- und Bundestagsabgeordnete, selbst der Betriebsratsvorsitzende – alle haben sich nur herausgeredet, warum sie nicht bei den Kollegen bleiben können, sondern zum Festakt gehen müssen.

Die kämpferischen Kollegen dagegen hatten vor zwei Wochen eine Rechtsberatung durchgeführt, auf der die Idee zur heutigen Kundgebung entstanden war. Sie haben heute klar gemacht, dass ihr Protest weitergehen wird.

Hier die gesamte Solidaritätserklärung der MLPD Ludwigsburg