Umwelt

Die "unabhängigen" Umweltberater der Bundesregierung

Die "unabhängigen" Umweltberater der Bundesregierung
"Umweltexperten" wie von der K+S (hier deren Salzbergwerk in Philippstal mit Abraumhalde) beraten die Bundesregierung (foto: 2micha/CC BA-SA 3.0)

01.07.16 - Die "Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe" (BGR) in Hannover, der "geologische Dienst" zur "unabhängigen" Beratung der Bundesregierung wird durch eine Stiftung, die von Konzernchefs der Rohstoff-, Energie- und Chemieindustrie gegründet wurde und von ihnen großzügig mit Spenden ausgestattet wird, gesponsert und mit "Studien" versorgt. Das haben jüngst Recherchen von NDR, WDR und der Süddeutschen Zeitung (SZ) ergeben.

1982 gründeten diese Herren einen "Hans-Joachim-Martini-Fonds", der später in eine "gemeinnützige" Stiftung umgewandelt wurde. Wichtigste Geldgeber waren die Chemie-Konzerne Bayer und Degussa, die Energieunternehmen Preussag und Rheinbraun (heute RWE), der Stahlkonzern Salzgitter, sowie der Erdöl- und Erdgas-Produzent Wintershall, bzw. die Firma Kali+Salz (K+S). Manager dieser Firmen sitzen im Kuratorium der BGR - seinem Beraterstab. Die Stiftung ist unter der Anschrift der BGR gemeldet. Den Geschäftsführer stellen immer leitende Angestellte der BGR. Ihr Vorsitzender ist laut Satzung identisch mit dem Vorsitzenden des BGR-Kuratoriums.

Zurzeit ist das Martin Bachmann von der Wintershall, Vorsitzender des Bundesverbandes Erdgas, Erdöl und Geoenergie (BVEG). Stellvertreter ist der Vorstandsvorsitzende der Ruhrkohle AG, Bernd Tönjes. Im Rat der Stiftung wiederum sitzt auch ein ständiger Vertreter des Bundeswirtschaftsministeriums, dem die BGR untersteht. Trotz dieser Verfilzung erklärte das Ministerium scheinheilig: "Die BGR trifft grundsätzlich eigenständig alle Entscheidungen … Ihre Forschung und die Resultate sind unabhängig ... Entscheidend ist allein fachliche Exzellenz."

Schon 1995 zahlte die Stiftung 50.000 D-Mark für eine "Studie", die behauptete, das - durch die Verbrennung fossiler Rohstoffe in die Atmosphäre ausgestoßene - CO2 wäre nicht die Hauptursache für die drohende Klimakatastrophe. Wes Brot ich ess, des Lied ich sing: Würde der Ausstoß von Treibhausgasen gestoppt, müssten riesige Mengen an Öl, Gas und Kohle unter der Erde bleiben. Wer aber aus ihrer Verbrennung Maximalprofite zieht, versucht das mit allen Mitteln zu verhindern.

Entsprechend "wissenschaftlich" war die Studie, die von Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung als "haarsträubend" beurteilt wurde. Eine andere Studie rechtfertigt den Salzstock Gorleben als Atommüll-Endlager, obwohl dort schon bei den ersten Vorbohrungen Anfang der 1980er-Jahre Gasvorkommen entdeckt wurden. Weitere Studien verharmlosen unter anderem die Folgen des Fracking oder der unterirdischen Lagerung von verpresstem CO2 per "CCS", wodurch unter anderem das Grundwasser verseucht wird.

Diese von den Monopolen finanzierte Verbreitung von sich wissenschaftlich tarnenden Lügen und Halbwahrheiten zur Vertuschung des beschleunigten Umschlags in eine globale Umweltkatastrophe und zur Reinwaschung ihrer Hauptverursacher liegt ganz auf der Linie der reaktionären Strömung der "Klimaskeptiker". Auf deren Internet-Seiten werden die Autoren der Stiftung und die BGR daher als "Pioniere des Klimarealismus" gefeiert. Die "Klimaskeptiker" diffamieren die große Mehrheit der Wissenschaftler, die immer wieder erdrückende Beweise für die heraufziehende Klimakatastrophe liefern, und wollen darüber Verunsicherung verbreiten.

Ein Musterbeispiel für den herrschenden staatsmonopolistischen Kapitalismus, in dem sich eine kleine Gruppe von internationalen Monopolen den Staat vollkommen untergeordnet hat. Es zeigt, wie deren Organe mit den Organen des Staatsapparats verschmolzen sind und welch allseitige Herrschaft sie über die gesamte Gesellschaft errichtet haben.

Auf solche - von den Monopolen manipulierten - Studien stützt sich die Bundesregierung in ihrer Politik der "Rolle rückwärts" bei der sogenannten "Energiewende", bei der Bewilligung von Frackíng oder der Versuche mit CCS. Notwendig ist ein sukzessives und dann vollständiges Ersetzen fossiler Brennstoffe durch regenerative Energien, sowie die Senkung der Treibhausgas-Emissionen um 70 bis 90 Prozent bis zum Jahr 2030 und ein klarer Kurs auf die Absenkung des CO2-Gehalts der Atmosphäre auf 350 ppm! Vollständiges Verbot des Fracking und der CCS-Verpressung!

Mehr dazu im Buch "Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?" von Stefan Engel