Wirtschaft

Audi Ingolstadt: Nachdenkliche Gespräche vor Tor 10 und der Lehrwerkstatt

Ingolstadt (Korrespondenz), 07.07.16: Wir waren angespornt durch den Erfolg in Kassel. Dort haben Kolleginnen und Kollegen ein Komitee gegründet, das sich den Kampf gegen die Abwälzung der VW-Krisenlasten auf die VW-Belegschaften und die Kommune auf die Fahnen geschrieben hat (rf-news berichtete). So zogen wir vor einigen Tagen mittags vor das Tor 10 von Audi in Ingolstadt und nach Schichtwechsel noch zur Lehrwerkstatt.

Die Stadt Ingolstadt hat erst vor kurzem 350 Millionen Euro für das Logistik-Zentrum von Audi berappt. Der Autohersteller hat fast gleichzeitig seine Steuerzahlungen an die Stadt auf ein Drittel gesenkt - weil er Geld für Entschädigungszahlungen an betrogene Diesel-Kunden zurückstellt.

"Ihr habt völlig recht, die VW- und Audi-Manager sollen mit ihrem eigenen Vermögen haften." Aber ob man das durchsetzen kann? Das können sich bisher noch wenige Kolleginnen und Kollegen vorstellen. "Die gehören wegen Betrug und Umweltvergiftung bestraft. Man müsste etwas unternehmen, dass die Vorstände zur Rechenschaft gezogen werden. Dazu müsste sich aber die Politik ändern. Das glaubt doch kein Mensch, dass die Manager so lange nichts gewusst haben. Die haben alle was gewusst und der Verkehrsminister deckt sie voll." Es gibt niemanden, der die Konzernchefs verteidigt. Wir argumentieren, dass die VW-Arbeiterinnen und -Arbeiter und die anderen Autobelegschaften eine große Kraft sind, wenn sie sich zusammenschließen. Auch in Ingolstadt brauchen wir ein Komitee, das sich dafür einsetzt: Nicht spalten lassen; um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz kämpfen.

Einige Leiharbeiter bedankten sich richtig: "Es ist sehr gut, dass jemand die Initiative ergreift. Wir sind die ersten, die sie sonst über die Klinge springen lassen." Auch unter den Auszubildenden ist die Bereitschaft für die Auseinandersetzung immens gewachsen. Die Ausbildung bei Audi ist sehr gut, und wer da eine Lehrstelle bekommen hat, will sich das erst mal nicht verscherzen. Aber die Jugendlichen lehnen das VW-Betrugssystems vor allem wegen der Umweltverbrechen ab.

Ein Kollege, der im Vorwärtsgang - Zeitung von Kollegen für Kollegen - eine Anzeige für den "Katastrophenalarm!" gesehen hatte, kam schon mit dem abgezählten Geld aus dem Betrieb, weil er das Buch endlich kaufen wollte.