International

Faschistischer IS in der Defensive

Faschistischer IS in der Defensive
Kämpferin und Kämpfer der YPG/YPJ bzw. SDF

12.07.16 - In der ersten Hälfte des Jahres 2016 hat die faschistische Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) große Teile ihres Territoriums im Irak und in Syrien verloren. Im März wurde der IS aus der antiken Ruinenstadt Palmyra in Syrien vertrieben, im Juni eroberte die irakische Armee gemeinsam mit kurdischen Peschmerga die Stadt Falludscha zurück. Gleichzeitig rücken kurdische Volksbefreiungseinheiten von der YPG und YPJ mit arabischen und jesidischen Kämpfern  immer näher an die "Hauptstadt des IS" Al-Rakka heran.

Die kurdischen Kräfte haben sich in den "Demokratische Kräfte Syriens" (SDF) vereinigt. Ziel, der aus Kurden, Arabern, Christen und weiterer Kräfte gebildeten SDF, ist ein demokratisches Syrien - mit gleichberechtigten Ethnien und Religionen. Mit ihren mehr als 50.000 Kämpferinnen und Kämpfern bilden sie die Hauptkraft im Befreiungskrieg gegen den IS und seine Hintermänner - und sie bekommen dafür Solidarität rund um die Welt.

Auch finanziell gerät der IS unter Druck. Seine monatlichen Einnahmen sollen von 80 Millionen US-Dollar Mitte 2015 auf rund 56 Millionen US-Dollar im März 2016 gefallen sein. Dass die Türkei, Saudi-Arabien und Katar sich offiziell der Anti-IS-Koalition anschließen mussten, engt den Spielraum für IS-Unterstützer aus und in diesen Ländern ein. Der Zustrom ausländischer IS-Kämpfer sank gegenüber dem Vorjahr von 2.000 auf nur noch 200 im Monat.

Mit der Defensive des IS ist auch die Politik neoimperialistischer Länder wie der Türkei, Saudi-Arabien oder Katars in die Krise geraten. Sie wollten über die Finanzierung und Unterstützung des IS ihren Einfluss in Syrien und dem Irak ausweiten.

Derweil dauern die Kämpfe an allen Fronten an. So auch um Manbij in der Nähe von Aleppo (Syrien). Heute gelang es SDF-Einheiten nicht nur verschiedene Dörfer vom IS zu befreien. Im Zentrum der Ortschaft wurde ein Kontrollzentrum für Aufklärungsdrohnen des IS zerstört, berichtet die kurdische Agentur ANF. Seit einigen Tagen ist Manbij vollkommen von der SDF eingeschlossen. Haus für Haus, Viertel für Viertel wird intensiv um die Stadt gekämpft.

Vor dem Krieg hatte die Stadt Manbij mehr als 120.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Etwa ein Drittel der Bevölkerung ist kurdisch, der Großteil der Bevölkerung ist arabisch. Im Kreis Manbij lebten nach Zahlen von 2004 sogar um die 400.000 Menschen. Etwa zwei Drittel ist aus der Region geflohen. Der Sieg der SDF eröffnet ihnen die Möglichkeit zur Rückkehr.

Die revolutionäre Weltorganisation ICOR unterstützt den Wiederaufbau in Nordsyrien. Um den Sieg gegen den IS zu sichern, hat sie Aufbau-Brigaden zum Bau eines Gesundheitszentrum nach Kobanê geschickt. Sie hat einen Solidaritätspakt mit dem kurdischen Befreiungskampf geschlossen und folgt damit einem Grundgedanken ihrer Gründung: Nie wieder darf ein Befreiungskampf wegen fehlender internationaler Solidarität eine Niederlage erleiden. Andersherum fühlen sich immer mehr kurdische Genossinnen und Genossen als Teil der internationalen revolutionären und Arbeiterbewegung.

Der IS nimmt seine Rückschläge nicht tatenlos hin. Wie schon beim Attentat in Kobanê im Juni 2015 und im Juli 2015 in Suruc, dem 234 Frauen, Männer und Kinder bzw. 34 Jugendliche  zum Opfer fielen, wurden jetzt in Bagdad an die 300 Menschen Opfer eines hinterhältigen und mörderischen Bombenattentats. Die Attentate in Brüssel, Paris, Bangladesch, im Libanon und weiteren Ländern und Städten zeigen den faschistischen Charakter dieser angeblichen "Gotteskrieger".

Im Kern ist es der Imperialismus, der den ganzen Nahen und Mittleren Osten von Afghanistan bis Syrien destabilisiert, Stellvertreterkriege anzettelt und selbst dort Krieg führt. So werden die Lebensgrundlagen der Menschen vernichtet und wesentliche Fluchtursache geschaffen.

Stefan Engel, Vorsitzender der MLPD, führt im Interview mit dem Rote Fahne-Magazin zu den Hintergründen  aus: "Die heutige Multipolarität des Imperialismus verschärft die allgemeine Kriegsgefahr. Die Lösung des Syrien-Konflikts scheitert bisher an den unterschiedlichsten imperialistischen Machtinteressen der verschiedensten Beteiligten. Da reicht es nicht, wenn sich Russland und die USA einigen.

Die neuimperialistischen Länder Türkei, Saudi-Arabien, Katar oder Iran sind dabei aggressive Kriegstreiber und bedienen sich zum Ausbau ihrer regionalen Vormachtstellung im Nahen und Mittleren Osten islamistisch-faschistischer Söldner.

Mit dem Aufkommen neuer imperialistischer Länder verschwinden die klassischen imperialistischen Mächte natürlich nicht von der Bildfläche. So verschärft sich die zwischenimperialistische Konkurrenz in einer wachsenden Zahl von Brennpunkten zu einer allgemeinen Kriegsgefahr."

Das ganze Interview lesen!