Politik

Amoklauf in München und Terrorhysterie des Staatsapparats

Amoklauf in München und Terrorhysterie des Staatsapparats
Das Olympiaeinkaufszentrum am Tag danach (rf-foto)

23.07.16 - Gestern Abend unterbrachen alle maßgeblichen TV-Sender wegen Schüssen in einem Münchner Einkaufszentrum ihr Programm. In den folgenden Stunden waren 2.300 Polizeibeamte - darunter mehrere Spezialeinheiten - im Einsatz. Der Nah- und Fernverkehr, sowie Autobahnen wurden zeitweise stillgelegt. Zeitweise war von einer Terrorlage und bis zu drei Tätern mit Gewehren die Rede. Die Kanzlerin rief für heute Mittag zu einer Sitzung des sogenannten Sicherheitskabinetts.

Nach Polizeiangaben habe ein 18-jähriger Jugendlicher - geboren in München mit deutscher und iranischer Staatsangehörigkeit einen Amoklauf begangen. Laut Polizeiangaben hat er sich selbst getötet. Bei einer Haussuchung in der Wohnung des Täters wollen die Behörden ein Buch über den norwegischen faschistischen Mörder Anders Breivik gefunden haben - dessen Tat jährte sich gestern zum fünften Mal.

Vor allem Jugendliche sind unter den neun Opfern: Zwei Mädchen, sowie sechs Jungen und junge Männer waren zwischen 14 und 21 Jahre alt, einige mit migrantischen Wurzeln. Mehrere Schwerverletzte schweben noch in Lebensgefahr.

"Eine solche Tat ist durch nichts zu rechtfertigen", so Klaus Dumberger, der Landesvorsitzende der MLPD in Bayern. Klaus Dumberger, der im Nachbarstadtteil wohnt, war heute Morgen vor Ort.

"Das Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) liegt im Münchner Stadtteil Moosach", so Klaus Dumberger. "Hier leben viele Arbeiterinnen und Arbeiter, der Migrantenanteil ist sehr hoch. Das OEZ ist ein großes Einkaufszentrum ohne 'Schicki-Micki-Flair' und auch bei Jugendlichen aus dem Viertel als Treffpunkt beliebt.

Aufgrund einer vagen Zeugenaussage machten die Behörden aus einem Täter mit Pistole eine Gruppe von drei Terroristen mit 'Langwaffen'."

Erst als die Verantwortlichen über die Medien Terrorwarnung in ganz München verbreiteten, kam es auch vereinzelt zu Panik, falschen Alarmen usw. Schwerbewaffnete Sondereinsatzkräfte jagten über den dicht bevölkerten Marienplatz, scheuchten Passanten in die Häuser.
Hunderte Besucherinnen und Besucher durften das Einkaufszentrum nur mit erhobenen Händen verlassen, umringt von Polizei mit Maschinenpistolen.

"Die Leute wurden aufgefordert in ihren Häusern zu bleiben", berichtet Klaus Dumberger weiter. "Gleichzeitig sollten alle Pflegekräfte und Ärzte in die Kliniken kommen. Als ob es schon hunderte Verletzte geben würde! Münchner Genossen wurden von besorgten Angehörigen angerufen, weil der Eindruck vermittelt wurde, man wäre in München in akuter Lebensgefahr."

"Dieser Amoklauf fußt - unabhängig von einer eventuellen psychischen Störung - auf einer faschistischen, extrem massenfeindlichen Denkweise", so Klaus Dumberger. "Wir fühlen mit den Opfern und ihren Angehörigen. Wir kritisieren aber auch die Panikmache und Hysterie - ausgehend von den verantwortlichen Einsatzleitern, selbsternannten Terrorexperten usw. Und erst Recht, wenn jetzt der Staat gebetsmühlenartig nach noch mehr Überwachung und Geheimdienstkoordination ruft - statt endlich konsequent gegen alle faschistischen Organisation, deutsche, wie islamistisch verbrämte, vorzugehen."